Falten statt straffer Haut
Großer Hype um FaceApp - Bedenken bei Datenschutz

Münster -

Der Zoom ins Rentenalter sorgt für viel Spaß im Netz. Doch bei allem Hype um die Smartphone-Anwendung FaceApp wächst die Sorge um die persönlichen Daten.

Donnerstag, 18.07.2019, 15:27 Uhr aktualisiert: 18.07.2019, 17:00 Uhr
Falten statt straffer Haut: Großer Hype um FaceApp - Bedenken bei Datenschutz
Die von Russland aus betriebene App könnte wegen ihres Umgangs mit persönlichen Daten ein Sicherheitsrisiko darstellen. Foto: Emmi Korhonen/Lehtikuva/dpa

Beauty-Filter waren gestern - jetzt gibt es den umgekehrten Trend. Die „FaceApp“ lässt Nutzer auf Knopfdruck altern. Ob Sam Smith , die Jonas Brothers oder Wayne Carpendale - von vielen Promis kursieren derzeit Fotos im Netz, auf denen man sieht, wie ihr Gesicht im Alter aussehen könnte.  

Brandneu ist FaceApp aber nicht. Schon seit Anfang 2017 ist die App der in Sankt Petersburg ansässigen Wireless Lab auf dem Markt, aber erst jetzt folgt der große Durchbruch. Aktuell steht sie in den Stores von Apple und Google auf Platz eins der Download-Charts. Doch was genau steckt hinter der App und was macht sie mit den Nutzerdaten? 

Was passiert mit den Nutzerdaten?

Auf den ersten Blick ist die FaceApp nur eine weitere Fotobearbeitungs-App mit umfassenden Filtern für existierende Bilder aus der Smartphone-Galerie, aber natürlich auch für neue. Anders als bei vielen herkömmlichen Helferleins lassen sich Elemente im Bild einfügen und sogar verfremden. Es gibt die Möglichkeit Haarfarbe und Frisur zu ändern, Tätowierungen, Bärte, eine Brille oder Make-Up hinzuzufügen, sein Geschlecht zu wechseln und viele weitere lustige Funktionen. 

FaceApp: So sehen Promis richtig alt aus

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  • Intro

    Millionen Menschen teilen in Sozialen Medien mit Hilfe der App um Jahrzehnte gealterte Bilder von sich. Auch bekannte Stars wie der kanadische Rapper Drake oder der US-Komiker Kevin Hart befeuern mit gealterten Konterfeis den Hype.

    Foto: Jenny Kane/AP/dpa
  • Wayne Carpendale

    Foto: instagram.com/wayne_interessiert_s
  • Sam Smith

    Foto: instagram.com/samsmith
  • Kevin Hart

    Foto: instagram.com/kevinhart
  • Jonas Brothers

    Foto: twitter.com/jonasbrothers
  • Gil Ofarim

    Foto: instagram.com/gilofarim
  • Donots

    Foto: instagram.com/donotsofficial
  • Charlotte Roche

    Foto: instagram.com/chailatte_roche
  • Sebastian Pannek

    Foto: instagram.com/sebastian.pannek
  • Jan Josef Liefers und Axel Prahl als Boerne und Thiel.

    Foto: instagram.com/janjosefliefers

Dabei ist aktuell der Alterungsfilter („aging filter“) der wohl gefragteste. Hier können sich die Nutzer älter statt jünger machen. Er verpasst Gesichtern Falten, hängende Lider und graue Bärte. Die Ergebnisse sind erstaunlich gut und verblüffend echt. Auch viele Promis machen mit, was der springende Punkt für den Hype sein dürfte. 

Bei aller Begeisterung der Internetgemeinde für die Funktionen der App gibt es datenschutzrechtliche Bedenken. Nutzer sollten aufpassen, wie sie mit ihren Daten und Gesichtern umgehen, bevor sie die Nutzungsbedingungen akzeptieren. Viele wissen zwar Bescheid, stellen den Spaß aber in den Vordergrund. 

Umfassende Berechtigungen

Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber vor der Nutzung. Es gebe die Besorgnis, „dass wichtige persönliche Daten in die falschen Hände geraten könnten“, sagte Kelber (SPD) am Donnerstag in der Radiosendung „SWR Aktuell“. Der Datenschützer monierte unter anderem „schwammige Nutzungsbedingungen“. Besorgniserregend sei auch, dass nur wenig darüber bekannt sei, wer hinter FaceApp stecke.

Ein Blick hinter die Kulissen ist dann aber weniger lustig: Die Bilder werden nicht lokal auf dem Gerät verarbeitet, wie es etwa beim iPhone der Standard ist. Stattdessen werden sie in die Cloud geladen. Was mit diesen Daten auf dem Server passieren und wie lange sie dort gespeichert sind, ist unklar. Die App verlangt außerdem umfassende Berechtigungen. Dass sie auf die Handy-Kamera und die Fotogalerie zugreifen möchte, ist logisch. Zusätzlich aber sammelt die App weitere Daten, wie die besuchten Webseiten, Standortdaten oder Informationen zu installierten Add-ons.  

Zum Thema

In der Basis-Version ist FaceApp kostenlos, allerdings sind dann viele Filter nicht nutzbar. Wer jedoch Spaß am Bearbeiten gefunden hat, kann es im Monat für 3,99 Euro oder im Jahr für 19,99 Euro nutzen. Der Aging-Filter ist aktuell aber gratis zu nutzen. Für einen zeitlich uneingeschränkten Zugriff auf alle Filter wird eine einmalige Gebühr von 43,99 Euro erhoben.

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Es sei nicht bekannt, welche weiteren Daten bei der Nutzung erhoben werden, sagte Kelber. Außerdem könne es sein, dass persönliche Daten an Dritte weitergegeben würden. „Hier übergeben Sie also ein Foto von sich oder anderen, das biometrisch auswertbar ist, Ihnen also zugeordnet werden kann, an eine dritte, nicht bekannte Person.“ Von den Anbietern fordert Kelber, sich an die grundlegendsten Dinge zu halten, etwa einen klaren Ansprechpartner zu benennen.

Keine Weitergabe an Dritte

Der russische App-Anbieter betont, dass jeweils nur die von Nutzern ausgewählten Fotos hochgeladen würden. Wie das Magazin „Forbes“ berichtet, landen die Fotos auch nicht auf Servern in Russland, sondern auf Servern von Amazon und Google in den USA. Dass die Daten dennoch in Russland ausgewertet werden könnten, sei damit jedoch nicht ausgeschlossen.Auch sei es unklar, wie viel Zugriff FaceApp-Mitarbeiter auf die hochgeladenen Bilder hätten, heißt es bei „Forbes“ weiter.

FaceApp-Gründer Jaroslaw Gontscharow betonte dem Magazin gegenüber, dass die meisten Bilder innerhalb von 48 Stunden nach dem Upload von den Servern wieder gelöscht würden. Nutzer könnten das automatische Löschen auch in den Einstellungen wählen. Gontscharow betonte zudem, dass sein Unternehmen Nutzerdaten weder verkaufe noch an Dritte weitergebe.

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