Dirndl-Designerin Lola Paltinger im Interview
"Kräftige Farben liegen im Trend"

Im Mai kommen die ersten Kunden zu ihr, um sich für die Münchener Wiesn einzukleiden. Doch auch noch während des Oktoberfestes legen sie sich neue Kreationen zu und schauen dazu im Atelier von Designerin Lola Paltinger vorbei. Unter ihnen viele Promis.

Donnerstag, 25.08.2016, 20:08 Uhr

Dirndl-Designerin Lola Paltinger im Interview : "Kräftige Farben liegen im Trend"
Lola Paltinger Foto: Jacklin Photos

Trachten und Oktoberfeste sind längst im Münsterland und ganz Deutschland angekommen. Wie erklären Sie sich diese ansteckende Faszination?

Lola Paltinger : Das Oktoberfest selbst ist einfach ein Exportschlager: Inzwischen wird es ja weltweit gefeiert. Aber es ist nicht nur das. Die Menschen verbringen ihren Urlaub in den Alpenregionen und mögen diese Lebensart. Trachten und besonders Dirndl strahlen da eine gewisse Gemütlichkeit aus und sind positiv besetzt. Sie zu tragen, ist ein bisschen wie Urlaub.

Formen, Farben, Accessoires – welche Trends stellen Sie in diesem Jahr fest?

Paltinger: Kräftige Farben sind angesagt: Rot, Beerentöne, Pink oder ein sattes Blau oder Grün finden sich in den Kleidern. Wer es gedeckter mag, wählt nur die Schürze oder Bluse in einem kräftigen Ton. Bei den Accessoires für die Damen sind Hüte nicht mehr so häufig zu sehen wie noch vor einigen Jahren.

Stattdessen haben sich Flechtfrisuren als Kopfaccessoire absolut durchgesetzt – gerne ergänzt durch einen Blumenkranz oder eine einzelne Blüte. Und Kropfbänder um den Hals aus Samt und mit einem Anhänger setzen die Dekolleté-Linie in Szene. Langsam gehen aber auch wieder hochgeschlossene Dirndl oder solche mit hochgeschlossenen Blusen.

Es muss nicht immer tief ausgeschnitten sein. Bei den Herren sind Westen im Kommen – natürlich zur Lederhose mit Hemd. Schwierig finde ich die Einsteigersets mit Lederhose, Geschirr und kariertem Hemd. Sie wirken wie eine Seppl-Tracht und machen aus den Herren schnell Buben. Lässiger ist die Lederhose ohne Hosenträger mit weißem Hemd und Turnschuhen.

Fotostrecke: Die wichtigsten Oktoberfest-Regeln

 

Die wichtigsten Oktoberfest-Regeln

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  • Die perfekte Frisur

    Ob Bauern- oder Fischgrätzopf, Haarkranz oder Flechtpony – zum Dirndl passt geflochtenes Haar. Klassisch und sowohl für schulterlange als auch für sehr lange Haare geeignet ist der Haarkranz. Für mehr Halt die Haare vorher eindrehen. Dann unter dem linken Ohr anfangen zu flechten. Dazu eine Partie Haare nehmen und diese in drei gleichgroße Strähnen aufteilen und die rechte über die mittlere Strähne legen. Dann eine Partie des oberen Haares abtrennen und unter dem einmal Geflochtenen zu der linken Strähne hinzunehmen und über die mittlere Strähne legen. Die dünne rechte, ehemalige mittlere Strähne über die dicke, ehemalige linke Strähne legen. Dieses „halbe“ Einflechten einmal rund um den ganzen Kopf durchführen. Die übrigen Haare zu einem normalen Zopf flechten, herumlegen, festecken, fertig. Super angesagt auch: ein Flechtkranz mit Undone Wellen und der Haarkranz als Fischgrätzopf geflochten und undone arrangiert.

    Auf dem Bild sind zwei junge Frauen in einem traditionellen Dirndl mit Flechtfrisur.

    Foto: Stoever
  • Schleifenregeln

    Die Ausrichtung der Schleife an der Schürze verrät den Beziehungsstatus der Trachtenträgerin: Sitzt die Schleife links, bedeutet das, die Frau ist ledig. Aber Vorsicht, nicht jede ledige Frau ist flirtbereit: Laut Brauchtum müssen auch Verlobte und Verliebte die Schleife noch links tragen. Sitzt die Schleife hingegen rechts, ist die Frau verheiratet. Über eine Schleife in der Mitte gibt es verschiedene Angaben. Die einen sagen, laut ungeschriebenen Regeln dürften Dirndlträgerinnen die Schleife nicht in der Mitte knoten. Andere sagen, eine Schleife in der Mitte bedeutet: Jungfrau. Schleife hinten: Verwitwet, Kellnerin – oder keine Ahnung von der Tradition, so bindet man eben auch die gemeine Küchenschürze.

    Das Foto zeigt eine der vielen Möglichkeiten für die Schleife. Über die genaue Bedeutung der einzelnen Positionen lässt sich streiten.

    Foto: colourbox.de
  • Münsterländer lieben Tracht

    Einen festen Dresscode gibt es auf dem Münchner Oktoberfest nicht. Alteingesessene verzichteten sogar meist auf den traditionellen Aufzug und gehen in Jeans und Pullover. Dafür gibt es einen guten Grund: Eine richtige Tracht kostet schnell einen vierstelligen Betrag. In Münster dagegen „wird mehr Tracht getragen als in München“, sagt Christian Wasmuth, Mitorganisator des münsterischen Oktoberfestes. 600 Kilometer vom Epizen­trum des Oktoberfest-Universums entfernt merkt allerdings auch niemand, wenn die Lederhose nicht aus echtem Hirschleder ist und man zur Lederhose eigentlich ein weißes Leinen- und kein Karohemd trägt.

    Das Foto zeigt den Wiesn-Chef Josef Schmid bei der Vorstellung des offiziellen Wiesn-Maßkrugs im August 2015.

    Foto: dpa
  • „Ziemlich nah dran am Original“ wollen die Macher des Oktoberfestes in Münster sein. Deshalb gibt es dort Bier einer bayrischen Brauerei, das in Originalmaßen serviert wird, also ab einem Liter. Die Preise sind auch fast wie auf der Theresienwiese: In Münster kostet eine Maß 9,80 Euro, in München 10,10 Euro. Anders als auf der Wiesn wird am Albersloher Weg schon vor dem Fassanstich (19.30 Uhr) am ersten Tag ausgeschenkt. Auch was die Musik angeht, werde in der Westfalenmetropole mehr aufgedreht. „Hier ist mehr Party und Lautstärke“, sagt Christian Wasmuth, Mitorganisator des münsterischen Oktoberfestes. Zu essen gibt es Schweinshaxe, Knödel, Brezeln, Hähnchen, Leberkäse und Weißwurst. Letztere essen Bayern übrigens morgens. So, wie einige auch schon um 9 Uhr im Bierzelt sitzen.

    Foto: Hidding Events
  • Obwohl die Besucherzahl jedes Jahr steigt (1980: 5,1 Mio./2014: 6,3 Mio.), sinkt der Verkauf der traditionellen Speisen. So reduzierte sich die Anzahl der verkauften Schweinswürstl von 360.734 (1985) auf 122.658 (2014). Auch Brathähnchen (Brathendl) wurden weniger verkauft (1985: 629.520 / 2014: 509.420).

    Das Foto zeigt den beliebten Imbiss auf dem Oktoberfest - die Brezel.

    Foto: dpa
  • Zum Oktoberfest gehört die Maß. Preislich hat sich seit 2002 (Anstieg von 6,30 bis 6,80 Euro) einiges getan. So bezahlt man in diesem Jahr auf den Wiesn für ein Maß Bier zwischen 10,10 Euro und 10,35 Euro.

    Schwere Angelegenheit - Kellner müssen auf dem Oktoberfest starke Arme haben.

    Foto: dpa
  • Top beim Oktoberfest:

    Sowohl Jung als auch Alt, Einheimische und internationale Gäste feiern gemeinsam und spätestens nach dem dritten Song tanzen alle auf den Bänken. Es herrscht viel Liebe zum Detail, wie beispielsweise bei den Frisuren der Frauen. Außerdem gibt es einfache Regeln, wie das Schleifebinden, die das Leben einfacher machen. Und mittlerweile kennen sich die Gäste immer besser mit den bayrischen Traditionen aus.

    Gute Stimmung gehört zum Oktoberfest wie die Maß Bier und die Trachten. Das Foto zeigt eine Gruppe junger Frauen auf den Wiesn im September 2010.

    Foto: dpa
  • Flop beim Oktoberfest:

    Sich beim Schuhwerk keine Mühe geben und in Turn- und Wanderschuhen zu kommen, statt in traditionellen Haferlsocken und -schuhen. Generell andere Klamotten über der Tracht tragen. Beim Alkohol über die Stränge schlagen oder mit dem Auto kommen.

    Foto: Theo Heitbaum

 


Gewinnspiel

Typisch zur Tracht ist für die Damen ein Kropfband. Lola Paltinger hat es neu interpretiert mit Glaswachsperlen, Strass-Steinen. Zusammen mit WN verlost die Designerin ein Collier „Blumenband“ (Wert: 118 Euro). Wenn Sie gewinnen möchten, hinterlassen Sie bis zum 4. September (Sonntag) unter Telefon 01 37/80 84 00 324 (50 Cent/Festnetzanruf) das Stichwort „ Schmuck “ sowie Ihren Namen, Adresse und Telefonnummer.

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