Bislang in Deutschland noch nicht gezeigte Funde in Herne
Wie die Kelten unter Tage zur Toilette gingen

Herne - Aus der Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien sind ab 23. August Exponate über die Kelten von Hallstatt (Oberösterreich) im Landesmuseum Herne zu sehen, darunter die Vorläufer des modernen Toilettenpapiers. Die Bergleute von vor 2600 Jahren behalfen sich mit Pflanzenblättern.

Montag, 28.07.2014, 16:07 Uhr

Die Blätter der Pestwurz dienten den keltischen Bergleuten offenbar als Toilettenpapier für das große Bedürfnis unter Tage.
Die Blätter der Pestwurz dienten den keltischen Bergleuten offenbar als Toilettenpapier für das große Bedürfnis unter Tage. Foto: LWL

Wie haben die keltischen Bergleute lange vor der Erfindung der Toilette ihr großes Geschäft erledigt? Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie sich mit Blättern der Pestwurz saubermachten, teilte das LWL-Museum für Archäologie in Herne jetzt mit. Zumindest bezeugen das die Funde aus dem ältesten noch genutzten Salzbergwerk Europas in Oberösterreich, die vom Salz perfekt konserviert wurden.

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Die konservierten Blätter gehören zu insgesamt 259 Exponaten aus Wien, die erstmals auch in Deutschland zu sehen sein werden. Sie stammen aus der österreichischen Grabungsstätte Hallstatt, die so reichhaltig ist, dass eine ganze Epoche nach ihr benannt wurde: die erste Periode der Eisenzeit. In Hallstatt liegen schätzungsweise 6000 Kelten begraben, teilweise in zwei Schichten. 

Die Sonderausstellung mit dem Titel "Das weiße Gold der Kelten - Schätze aus dem Salz" stellt zudem neuste Forschungsergebnisse aus. So wissen die Wissenschaftler dank moderner naturwissenschaftlicher Methoden, dass die Kinder der Bergleute schwere Arbeit leisten mussten. "Es gibt eine Vielzahl abgewetzter Kinderschuhe", berichtet Museumsleiter Dr. Josef Mühlenbrock, der den Salzstollen eigens besuchte.

Die Archäologen fanden unter Tage außerdem massenweise Kienspäne, kleine Stückchen harzigen Holzes, die als Lichtquelle angezündet wurden. Daran: Abdrücke von Kinderzähnen. "Die Kinder haben für Beleuchtung gesorgt", so Mühlenbrock. 

Weiterhin erhält der Besucher Einblicke in die hygienischen Umstände und die Ernährungsweise von vor 2600 Jahren. „Von Lebensmittelhygiene war weit und breit keine Spur“, schreibt der LWL in einer Ankündigung. Häufig hätten die Bergleute deshalb Würmer gehabt - etwa durch den Genuss von rohem Fleisch. „Die Pestwurz hielt Linderung für das strapazierte Gesäß bereit: Ihre Blätter verfügen über antiseptische Wirkung und mindern die Pein bei Befall durch Darmparasiten.“

Ernährt haben sich die keltischen Bergleute vor allem von Getreide, Sammelobst, Früchten und Fleisch. Wichtigstes Getreide war die Gerste, auch Hirse, Saubohnen und Linsen waren wichtige Eiweißlieferanten, so der LWL. Essensreste an hölzernen Kochlöffeln und andere Utensilien, die im Bergwerk in Hallstatt entdeckt wurden, zeigen: Die Mahlzeiten der keltischen Bergleute wurden unter Tage zubereitet.

LWL-Museumsleiter Dr. Josef Mühlenbrock ist besonders stolz auf die Ausstellung „Das weiße Gold der Kelten - Schätze aus dem Salz“, denn sie beherberge bislang in Deutschland noch nicht gezeigte Funde.

Die Ausstellungsarchitektur besteht aus sechs begehbaren „Salzblöcken“. Originalobjekte, Videoinstallationen und Multimedia-Shows bieten eine Ausstellungserfahrung für alle Sinne: Man kann die Salzwelten von Hallstatt nicht nur sehen und hören, sondern auch riechen, berühren und schmecken.

In begehbaren „Salzblöcken“ entdecken die Besucher im LWL-Museum für Archäologie in Herne ab dem 23. August eine der ältesten Bergbauindustrien Europas.

In begehbaren „Salzblöcken“ entdecken die Besucher im LWL-Museum für Archäologie in Herne ab dem 23. August eine der ältesten Bergbauindustrien Europas. Foto: LWL/MuseumsPartner

Über 250 Fundstücke erzählen vom 23. August 2014 bis 25. Januar 2015 von Aufstieg und Fall der vom Salzbergbau geprägten Kultur von Hallstatt, von den enormen technischen Leistungen einer der ältesten Bergbauindustrien Europas, vom durch den Handel mit dem Salz gewonnenem Reichtum, von prachtvollen Bestattungen mit Gold, Elfenbein und Glas, aber auch von Kinderarbeit in dunkelster Tiefe, von Krankheiten und schwerer Arbeit.

Der Eintritt kostet 5/4/2 Euro, bzw. 11 Euro für Familien. Weitere Informationen gibt es hier .

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