Stadt startet Aktion „Thermografieflieger“
Propellergeräusche für Klimaschutz

Münster -

Der Nachthimmel über Münster wird in den kommenden Wochen von einem Propellerflugzeug beherrscht. Ein dänischer Thermoflieger soll 118 000 Dächer scannen und damit Anreize für energetische Sanierungen schaffen.

Donnerstag, 13.02.2020, 17:30 Uhr
So sieht es aus, wenn eine Thermografiekamera im Einsatz ist: Georg Reinhardt (v.l.), Nicole Hildebrandt, Sebastian Jurczyk, Robin Denstorff und André Wolf demonstrieren es.
So sieht es aus, wenn eine Thermografiekamera im Einsatz ist: Georg Reinhardt (v.l.), Nicole Hildebrandt, Sebastian Jurczyk, Robin Denstorff und André Wolf demonstrieren es. Foto: Matthias Ahlke

Münsteraner, aufgepasst! Wer in den kommenden Wochen mitten in der Nacht laute Flugzeuggeräusche vernimmt, der kann sicher sein, dass es draußen maximal fünf Grad warm ist, windstill und wolkenlos.

Der Grund: Bei diesen Wetterbedingungen kann ein Thermografieflieger zum Einsatz kommen. Und dass er zum Einsatz kommen wird, darüber wurde die Presse am Donnerstag im Rathaus informiert.

Also: Bis Mitte April wird in vier Nächten das Propellerflugzeug einer dänischen Spezialfirma in einer Höhe von 500 Metern Münster überfliegen und dabei sämtliche besiedelten Flächen mit einer Wärmebildkamera abscannen.

29 000 Bilder

Nicole Hildebrandt vom Katasteramt der Stadt Münster nannte die Eckwerte: 180 Quadratkilometer zu überfliegende Fläche, 17 500 zu erfassende Markierungspunkte – und am Ende 29 000 Einzelbilder, die Auskunft geben sollen über Wärmeverluste im gesamten münsterischen Häuserbestand. Sprich: Es geht um die Auswertung von 118 000 Dächern.

„Wir werden nicht jeden Bauernhof erreichen“, schränkte Stadtbaurat Robin Denstorff bei dem Pressegespräch ein. Ansonsten indes sei die Aktion lückenlos.

Das 270 000 Euro teure Thermografie-Projekt, das auch bereits in anderen Städten wie Essen oder Osnabrück durchgeführt wurde, ist Teil des „Masterplans 100 Prozent Klimaschutz“ und soll Hauseigentümern einen ersten – freilich vagen – Anhaltspunkt liefern, ob ihr Haus ausreichend gedämmt ist.

Haushalte bekommen Post

Das weitere Verfahren sieht vor, dass im Herbst alle Hauseigentümer angeschrieben und befragt werden, ob sie das von ihrem Haus gemachte Wärmebild haben möchten. Es wird ihnen bei Interesse – digital oder per Post – zur Verfügung gestellt. „Dabei wird der Datenschutz genau beachtet“, lässt Stadtbaurat Denstorff keinen Zweifel daran, dass jeder Hauseigentümer „nur“ das Foto seines Hauses bekommt – und nichts über die Energieeffizienz der Nachbarschaft erfährt.

Mit den übermittelten Informationen, so die Hoffnung der Stadt, sollen sich die Hauseigentümer dann an Energieberater wenden, etwa die der Verbraucherzentrale. Rund 30 Prozent der CO-Emissionen in Münster, erklärte Georg Reinhardt vom Umweltamt, seien auf Gebäude und deren Heizungen zurückzuführen. Bei einem vergleichsweise alten Gebäudebestand wie in Münster sie das Einsparpotenzial entsprechend groß.

Projektpartner bei der Thermografie-Aktion sind auch die Stadtwerke Münster. Das dänische Unternehmen, so Stadtwerke-Geschäftsführer Sebastian Jurczyk, soll prophylaktisch auch das komplette, 120 Kilometer lange Fernwärmenetz der Stadtwerke überfliegen.

Die Wärmebildkamera erfasse selbst „kleinste Leckagen“ und helfe den Stadtwerken auf diesem Wege, Reparaturen durchzuführen, bevor aus einem kleinen Schaden ein großer werde.

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