Stadtteilauto im Trend
Immer ein Parkplatz umsonst

Münster -

180 Fahrzeuge, 1500 Kunden, 4000 Fahrer – Stadtteilauto hat Münster zur Vorzeigestadt gemacht. Nirgendwo gibt es mehr Car-Sharing-Angebote pro Einwohner als in der Westfalenstadt.

Donnerstag, 22.01.2015, 17:01 Uhr

Till Ammann auf dem Stadtteilauto-Platz an der Mondstraße.
Till Ammann auf dem Stadtteilauto-Platz an der Mondstraße. Foto: bn

„Grüne Spinner.“ Das war die Reaktion mancher Autofahrer, als Robert Ammann 1991 mit einem VW Polo und fünf Mitfahrern Münsters Carsharing aus der Taufe hob. „Heute sind wir in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Till Ammann (33). Mit seinem Vater ist er Geschäftsführer von Stadtteilauto.

Carsharing ist im Aufwind

Münster ist Vorreiter

Experten ziehen den Hut vor den Sharing-Pionieren: „Die haben wirklich ein tolles Unternehmen aufgebaut“, sagt etwa Reinhard Schulte von den Stadtwerken. Gemessen an der Einwohnerzahl verfügt Münster über die größte Dichte an Sharing-Autos bundesweit.

Robert Ammann, Geschäftsführer des münsterischen car-sharing-Unternehmens „Stadtteilauto“, bei der Vorstellung des ersten Firmen-Stützpunktes in Münster-Coerde am 9. Oktober 1998. Der Fuhrpark des 1992 gegründeten car-sharing-Unternehmens umfaß damals 47 Fahrzeuge.

Robert Ammann, Geschäftsführer des münsterischen car-sharing-Unternehmens „Stadtteilauto“, bei der Vorstellung des ersten Firmen-Stützpunktes in Münster-Coerde am 9. Oktober 1998. Der Fuhrpark des 1992 gegründeten car-sharing-Unternehmens umfaß damals 47 Fahrzeuge. Foto: Marc Zahlmann

Till Ammanns Büro liegt an der Mondstraße, ein Anbau am Elternhaus. Offene Räume, viel Holz, Solardach. Im ersten Geschoß ist ein Besprechungszimmer für die neun festangestellten Mitarbeiter und die Wagenwarte auf Minijob-Basis. Direkt nebenan liegt der Kfz-Betrieb von Helmut Schattauer, der Mitgesellschafter ist.

23 Jahre haben aus der spinnerten Idee, aus dem Verein Verkehrswende, eine GmbH geformt, die auf einer großen Welle schwimmt. Sharing, das Teilen von Alltagsgegenständen, ist in Mode. Weil es billiger ist als zu kaufen. Weil es praktischer ist. Weil man, um übers Auto zu sprechen, zum Beispiel in Münster keinen Parkplatz suchen muss.

180 Fahrzeuge sind aus dem kleinen Polo geworden, 1500 Kunden und 4000 Fahrberechtigte. Stadtwerke und Stadt, Fachhochschule und LWL-Klinik greifen auf Stadtteilautos zu.

Größter Parkplatz am Bahnhof

Stadtteilautos an der Grevener Straße. Im Vordergrund der Schlüsseltresor.

Stadtteilautos an der Grevener Straße. Im Vordergrund der Schlüsseltresor. Foto: Oliver Werner

Die Innenstadt ist mit einem dichten Netz von Standplätzen der Teil-Wagen versehen, die größte Station mit 30 Fahrzeugen befindet sich im Parkhaus am Bremer Platz. Die schnellste ist an der Grevener Straße. Am „Frei-Weck“-Platz kann man spontan in ein Car-Sharing-Auto einsteigen. Vorher lohnt sich ein Blick auf die Webcam. Wenn dort kein Auto steht, sucht man besser anderswo.

Die Stadtteilautos aus Münster findet man mittlerweile auch in Warendorf und Dülmen. „Überall wo Bedarf gemeldet wurde“, sagt Till Ammann. In der Westfalenhauptstadt ist sein Hauptproblem, neue Stellplätze zu finden. Rund um die Aaseestadt etwa suche Stadtteilauto dringend nach Parkraum.

Für Vielfahrer ungeeignet

Die erste Stadtteilauto-Station an der Fachhochschule in Steinfurt (v.l.): Friedel Ouajoudi, Siegfried Lachmann (FH-Gebäudemanagement), Matthias Schmitz und Till Ammann (Stadtteilauto Münster)

Die erste Stadtteilauto-Station an der Fachhochschule in Steinfurt (v.l.): Friedel Ouajoudi, Siegfried Lachmann (FH-Gebäudemanagement), Matthias Schmitz und Till Ammann (Stadtteilauto Münster) Foto: Drunkenmölle

Wer ist der typische Auto-Teiler? „Leute, die weniger als 12 000 Kilometer im Jahr fahren“, sagt Ammann. Für richtige Vielfahrer lohnt sich Service nicht. Das Plus: Für jeden Zweck gibt es das passende Modell. Car-Sharer können zwischen Kleinwagen und Transporter wählen. Je nachdem, ob nur eine Kiste Bier mitzunehmen ist, oder ein Umzug anfällt.

Privatwagen stehen 90 Prozent der Zeit vor der Tür.“

Till Ammann

Im Durchschnitt fahren die Leihwagen 30 bis 40 Kilometer und sind vier Stunden unterwegs. Das führt zu einer Auslastung von über 50 Prozent. Ammann: „Privatwagen stehen 90 Prozent der Zeit vor der Tür.“

Auch für Urlaubsfahrten

Übrigens: Auch für den Urlaub kann man sich ein Car-Sharing-Auto buchen. Per App oder telefonisch. Reservieren kann man von 150 Tagen bis zu 15 Minuten vor der Abfahrt. Und das geht auch überregional – bundesweit kooperieren die Car-Sharing-Vereine. Mit dem münsterischen Ticket steigt man auch in Berlin oder Hamburg in ein Sharing-Auto ein.

Stadtteilautos gibt es in verschiedenen Größenklassen.

Stadtteilautos gibt es in verschiedenen Größenklassen. Foto: Oliver Werner

180 Car-Sharing-Wagen im Einsatz

- Gründung des Vereins Verkehrswende e.V.: 1991. Das erste Car-Sharing-Auto hieß „Antonius“ und fuhr ab 1992.

- Die Stadtteilauto Carsharing GmbH Münster wurde im April 1998 gegründet.

- Stadtteilauto hat heute 180 Fahrzeuge, davon drei E-Pkw. Registriert sind 1500 Kunden und 4000 Fahrberechtigte (zum Beispiel Familienmitglieder).

- Die Fahrzeuge stehen an 45 Stationen, vorwiegend in Münster, aber auch in Dülmen, Soest, Burgsteinfurt, Havixbeck und Warendorf.

- Kosten: 150 Euro Aufnahmegebühr, 200 Euro Kaution, 8,50 Euro Monatsgebühr. Fahrten werden einzeln abgerechnet.

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