Mehr als Bus und Bahn
Die Zukunft der Mobilität im Münsterland

Münsterland -

Eine Arbeitsgruppe der Münsterland-Konferenz hat sich über die Zukunft der Mobilität im ländlichen Raum Gedanken gemacht. Der öffentliche Personennahverkehr ist künftig nicht mehr zu finanzieren. Wie könnte die Alternative aussehen?

Dienstag, 03.02.2015, 01:02 Uhr

Klar ist: Der öffentliche Personennahverkehr auf dem Lande wird künftig nicht mehr nur aus Bus und Bahn bestehen. Wie aber könnte das Mehr aussehen? Darüber macht sich ei­ne Arbeitsgruppe Gedanken, die das Präsidium der Münsterland-Konferenz ins Leben gerufen hat. Höhere irdische Weihen gibt es in der Region nicht.

Inzwischen liegen erste Ergebnisse vor. Die sind beachtlich – wenn auch erst auf den zweiten Blick. Wer ei­nen Masterplan erwartet hat, wird enttäuscht sein. Die Gruppe – ihr gehören neben Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller unter anderem an: der Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Schienen- Personen-Nahverkehr (ZVM), Dr. Hermann Paßlick , Gerrit Tranel, beim ZVM verantwortlich für die Bussparte, und Josef Himmelmann, Bürgermeister von Olfen, der mit seinem Bür­gerbus-Projekt auch jenseits des Münsterlandes für Furore sorgt – hat ihre Arbeit höher angesiedelt: Sie hat die Mobilität neu gedacht.

Und das aus gutem Grund. Vor allem der öffentliche Busverkehr, der zu festgelegten Zeiten quasi an fast jeder Milchkanne hält, „ist auf Dauer nicht mehr finanzierbar“, sagt Feller. Verantwortlich dafür ist – verkürzt gesagt – der demografische Wandel. Die Zahl der Schulkinder geht zurück, damit brechen auch die Einnahmen der Verkehrsbetriebe ein, weil sich das gesamte System über den subventionierten Schülerverkehr finanziert. Allein beim RVM könnte sich der Verlust künftig auf jährlich zehn Millionen Euro verdoppeln.

Hinzu kommt: Die Gesellschaft wird älter. Damit verändern sich auch die Ansprüche an die Mobilität. Damit das Münsterland als Wohn- und Ar­beitsregion attraktiv bleibt, „ist die gute Erreichbarkeit von zentraler Bedeutung“, sagt Paßlick.

Mobilität neu denken: Das beginnt profan. Indem die gesamte Region in den Blick genommen wird, Busse und Bahnen besser aufeinander abgestimmt und Bürgerbusse mitgedacht werden. Dazu gehört auch die Integration von Fahrrädern, das Car-Sharing sowie die Schaffung von Knotenpunkten, in de­nen all das zusammenläuft.

Wichtig ist zudem, „das Angebot soweit möglich von starren Fahrplänen zu lösen und den realen Bedürfnissen anzupassen“, sagt Himmelmann. Warum soll ein Bus nicht dann fahren, wenn es der Kunde möchte? Und wieso soll er den Fahrgast nicht möglichst hausnah abholen? Das Bürgerbus-Modell in Olfen – ein Projekt der Regionale 2016 – hat gezeigt, dass das geht.

Das bestehende System optimal vernetzen ist das ei­ne, es weiterdenken das andere. Eine Idee: Es gibt sehr viel mehr nutzbare Mobilität. Paketdienste, die weitere Waren mitnehmen können. Pflegedienst-Mitarbeiter, die vielleicht auch den Senior aus dem Nachbarhaus zum Arzt bringen können. „Wir müssen all das zunächst einmal frei von Vorschriften und Hemmnissen denken“, sagt Feller. Dafür hat die Gruppe den Segen der Landesregierung.

Dass die Erreichbarkeit immer wichtiger wird, erklärt der ZVM-Verbandsvorsteher am Beispiel eines Software-Unternehmens aus Gescher. Dessen Methode, um die Fachkräfte zu halten: Das Unternehmen holt sie bei Bedarf künftig mit einem Office-Bus ab. Das Gefährt verfügt über WLAN, so dass die Mannschaft sofort ar­bei­ten kann, denn: Die Fahrt zählt als Arbeitszeit.

Den Mut haben, Mobilität auch quer zu denken und gegen den Strich zu bürsten. Das ist das zentrale Ziel der Arbeitsgruppe. Das zweite ist, nicht locker zu lassen. Erster Erfolg: Das Bürgerbus-Modell in Olfen wird demnächst von 16 Kommunen übernommen... Wenn das mal kein Anfang ist.

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