ADFC fordert mehr Platz für Fahrräder
„Ghost Bikes“ erinnern an getötete Radfahrer

Münster -

Komplett weiß stehen sie als Mahnung für die Verkehrsteilnehmer neben der Straße: Sogenannte „Ghost Bikes“ erinnern an zwei Stellen in Münster an tödlich verunglückte Radfahrer. Ein drittes weißes Rad wird bald folgen. Der ADFC fordert ein Umdenken und mehr Platz für Radfahrer.

Mittwoch, 25.02.2015, 12:02 Uhr

„Ghost Bikes“ wie hier an der Kreuzung Meesenstiege / Westfalenstraße in Hiltrup sollen in Nähe des Unfallortes an Radfahrer erinnern, die dort im Straßenverkehr tödlich verunglückt sind.
„Ghost Bikes“ wie hier an der Kreuzung Meesenstiege / Westfalenstraße in Hiltrup sollen in Nähe des Unfallortes an Radfahrer erinnern, die dort im Straßenverkehr tödlich verunglückt sind. Foto: hpe

Auf dem Zettel am Gepäckträger steht „Du fehlst“. Daneben sind in einem Körbchen drei Grablichter platziert, jemand hat einen Blumenkranz ans Lenkrad gebunden. Das weiß getünchte Rad, angekettet an einen Ampelmasten an der Kreuzung Westfalenstraße/ Meesenstiege in Hiltrup , ist schlicht. Aber dennoch unübersehbar für alle, die täglich an dem Verkehrsknotenpunkt im Stau stehen.

Das seltsam anmutende Rad ist eine kleine Gedenkstätte , die an den 48-jährigen Familienvater erinnern soll, der Anfang Dezember 2014 dort mit dem Rad unterwegs war und bei einem tragischen Unfall mit einem Reisebus ums Leben kam .

„Ghost Bike“ an der Wolbecker Straße

„Ghost Bike“ an der Wolbecker Straße Foto: hpe

Auch an der Wolbecker Straße, Abzweig Umgehung B 51, steht ein solches Mahnrad, aufgestellt von Fahrradfreuden, die sich als Gruppe „Critical Mass Münster “ organisiert haben.  Ein 88-jähriger Radfahrer war dort Ende Oktober 2014 von einem Lastwagen beim Abbiegen erfasst und getötet worden . „Critical Mass“ will mit den sogenannten „Ghost Bikes“ (Geister-Räder“) an Opfer im Straßenverkehr erinnern und „Zeichen setzen“.

Der Trend, schneeweiße Räder an Stellen mit hohem Risiko für Radler aufzustellen, kommt aus Amerika. Jetzt hat er Münster erreicht und ein drittes Mahnrad wird leider bald folgen. Anfang Februar starb auf der Wolbecker Straße eine 27-jährige Radlerin , auch sie wurde von einem abbiegenden Lastwagen umgefahren.

ADFC : Radwege auf Hochbordstein „Hauptverursacher“

Matthias Wüstefeld, ADFC

Matthias Wüstefeld, ADFC Foto: hpe

Für Matthias Wüstefeld , zweiter Vorsitzender im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), ist der Hochbordsteinradweg ein „Hauptverursacher“ von schweren Unfällen zwischen Radlern und abbiegenden Lastwagen. Mülltonnen, Bäume und parkende Pkw versperren Autofahrern die Sicht auf parallel fahrende Radler. Abbiegunfälle sind dann schnell passiert.

„Sinnvoller wäre ein Fahrradstreifen auf der Fahrbahn. Wer dort radelt, wird vom Autofahrer einfach besser wahrgenommen“, glaubt Wüstefeld. Ein entsprechender Antrag des ADFC für die Wolbecker Straße wurde von der Stadt abgelehnt .

Die „Ghost-Bikes“ hält er für eine „sinnvolle Sache“. Der ADFC-Vize: „Diese Mahnräder sollen uns alle sensibilisieren, jederzeit ganz bewusst und rücksichtsvoll am Straßenverkehr teilzunehmen.“ Im Gegensatz zu Holland, wo insgesamt viel defensiver gefahren werde, herrsche in Deutschland eher die Einstellung „Wer bremst, verliert“ vor. Und zwar sowohl bei Radlern wie auch bei Autofahrern.

Die knappen Verkehrsräume in Münster müssen neu aufgeteilt werden zugunsten der Radler.

Matthias Wüstefeld, ADFC

Zusätzliche Spiegel an Kreuzungen, der Helm oder die gelbe Warnweste für Radler suggerieren laut Wüstefeld „eine Sicherheit, die es in der Praxis gar nicht gibt“. Sein Fazit: „Die knappen Verkehrsräume in Münster müssen neu aufgeteilt werden zugunsten der Radler.“

Pauschale Lösungen, die überall passen, gibt es leider nicht.

Polizeisprecher Andreas Bode

Die Polizei betrachtet die Geister-Räder im Sinne der Unfallprävention als durchaus sinnvoll und hilfreich. Sprecher Andreas Bode: „Wir wollen Straßen und Wege in einem so begrenzten Verkehrsraum wie Münster so sicher wie möglich für alle machen. Pauschale Lösungen, die überall passen, gibt es leider nicht.“

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