Elektromobilität der Zukunft
Strom aus der Crowd

Münster -

Das Auto an der Haustankstelle tanken? Kein Problem, denn in einer Podiums-Debatte in Münster ging es um E-Mobilität. Aber wer zahlt dann den Strom? Wie wird das geregelt? Frage, die für die mobile Zukunft entscheiden sind.

Freitag, 27.02.2015, 15:02 Uhr

Gerd Bruns (l.) fährt schon lange Elektromobil. Gerhard Joksch, Dr. Henning Heppner, Dr. Henning Müller-Tengelmann und Thomas Ulms (v.l.) beschäftigen sich mit der Infrastruktur des E-Mobil-Marktes.
Gerd Bruns (l.) fährt schon lange Elektromobil. Gerhard Joksch, Dr. Henning Heppner, Dr. Henning Müller-Tengelmann und Thomas Ulms (v.l.) beschäftigen sich mit der Infrastruktur des E-Mobil-Marktes. Foto: bn

Klar, Elektromobile sind Nischenprodukte. Weniger als 2000 wurden im letzten Jahr im Münsterland angemeldet, sagt Thomas Ulms , Verkaufsleiter der Beresa GmbH. Und da sind auch Hybridwagen darunter. Aber es gibt schon zu denken, wenn ein Vertreter der klassischen Automobilbranche angesichts der Zukunft Unsicherheit zeigt. Vielleicht, sagt er, würden Autohäuser bald keine Autos mehr verkaufen. Sondern Mobilität.

Wer weiß. Bei einer Diskussion über die Elektromobilität im Münsterland im Humboldt-Haus an der Hüfferstraße ging es jedenfalls einerseits um die Kernfrage, wie künftige E-Mobile mit Strom versorgt werden können. Und andererseits ums Grundsätzliche, wie Dr. Fritz Rettberg von der TU Dortmund erklärte: Mobilität müsse im Mix gedacht werden. Wer von A nach B wolle, könne das zu Fuß, per Rad, per Auto oder Bahn und Bus tun. Da nickte Till Ammann, Geschäftsführer der Stadtteilauto Carsharing Münster. „Klar, das bieten wir.“ Für den Umzug ein großes Auto, zum Kiste-Bier-Abholen ein Kleinwagen. Alles bloß geliehen.

Der Dortmunder Rettberg befasst sich mit einer Kernfrage der E-Mobilität: Wo kommt der Strom her, wie kommt er ins Auto. Auch am Ercis-Institut der WWU, das eingeladen hatte, wird dazu geforscht. Es ist die Rede vom Crowdstrom. Strom aus der Menge. Wer ein E-Mobil fahre, müsse die Chance haben, sich überall an die Steckdose zu hängen. Privathäuser müssten dafür Anschlüsse haben. Pkw bräuchten den intelligenten Stromzähler, der das Abrechnen erlauben.

Das ist ungefähr so revolutionär wie die Idee der Clowd-Dokumente, die immer und überall auf jedem Computer von verschiedenen Leuten benutzt werden können.

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Gerd Bruns Foto: Nathalie Bockelt

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg mit kleinen Schritten, von denen Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann berichtete: Etwa die Ladestationen der Stadtwerke, die es mittlerweile an zahlreichen Stellen in der Stadt und in den BWI-Parkhäusern gebe.

Was wiederum Elektromobilist Gerd Bruns kritisiert: „Wer kein Stadtwerke-Kunde ist zahlt dort zehn Euro.“

Für Bürgermeister Gerhard Joksch wird Münsters Elektromobilität künftig hauptsächlich durch das E-Bike definiert. Das binde nahe Münsterland-Gemeinden an. Der Vorteil: Weniger Lärm, weniger Emission – und immer ein Parkplatz.

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