Nicole Blasig hängt mit ihrem E-Bike andere Muttis ab
Zur Kita mit Rückenwind

Münster -

Nicole Blasig fährt Pedelec mit Anhänger. Vier Wochen - ein Test für unsere Zeitung. Ihre Erfahrung mit Tochter Emily: Wenn andere Muttis schwitzen, fährt sie locker zur Kita und zur Arbeit. Nur auf die Batterie muss sie mehr achten.

Montag, 16.03.2015, 04:00 Uhr
Zügig ist Nicole Blasig mit ihrem Pedelec unterwegs – auch wenn Tochter Emily im Anhänger mitfährt.
Zügig ist Nicole Blasig mit ihrem Pedelec unterwegs – auch wenn Tochter Emily im Anhänger mitfährt. Foto: Günter Benning

Sieben Uhr. Der März ist eisig. Nicole Blasig hat ihre zweijährige Tochter Emily warm eingepackt. „Letzte Woche hat sie sich erkältet“, sagt die LWL-Mitarbeiterin am Deitersweg in Kinderhaus. Sie schiebt das Pedelec mit dem Kinderanhänger die schräge Auffahrt herunter auf den Parkstreifen. Gleich geht’s los. Seit zwei Wochen testet Blasig ein Fahrrad mit elektrischem „Rückenwind“. „Am besten“, sagt sie, „ist es, wenn man an den anderen Muttis vorbeifährt.“

Auch früher ist sie schon mal mit dem Rad zur Arbeit gefahren. „Aber dann war ich verschwitzt“, erinnert sie sich, „und das ist unangenehm im Büro.“ Neuerdings kommt sie mit roten Wangen zur Arbeit. Das hat Folgen: Ihre Kollegen finden, sie sei besser gelaunt. Viel ausgeglichener.

Das Wunder der guten Laune hat vielleicht auch mit der Gasselstiege zu tun. Die breite Fahrradstraße verbindet Kinderhaus mit der Innenstadt. Neben einem Bauernhof äst ein Reh, hier ist Münster ländlich. Wenn neuerdings von Fahrradautobahnen die Rede ist, kann die Verbindung zwischen Kinderhaus und Innenstadt als Vorbild gelten.

Nicole Blasig tritt in die Pedalen, der Motor schiebt sie sanft, „wie Rückenwind“. Und der Leezen-Transporter jagt mit satten 25 Stundenkilometern durch die Allee. Die Leser-Testerin strengt das offenbar nicht besonders an. Emily im Anhänger spielt mit ihrer Puppe. Und der ein und andere Normalradler wundert sich bloß, dass er von hinten von einem „Lastenrad“ überholt wird.

„Das will ich auch nach dem Test ´weiter haben“, sagt Blasig, „aber eine Kollegin hat sich schon gemeldet, um das Rad zu kaufen.“

Was sie lernen musste: Strom ist endlich. Am Wochenende fuhr sie mit ihrem Mann 45 Kilometer durchs Münsterland, leicht und locker. Auch ein Besuch im Allwetterzoo per Leeze stand auf dem Plan. „Das hätten wir ja sonst mit dem Auto gemacht“, sagt sie.

Aber dann, bei Kilometerstand 88,7 auf dem Tachometer, ging ihr am Montag der Saft aus. „Ausgerechnet in der Unterführung der Promenade“, stöhnte sie.

Plötzlich musste sie sich wie die meisten Muttis und Vatis, die morgens rund um Münster kreisen, mit der eigenen Muskelkraft auskommen.

Und das mit einem gemächlichen Tempo. Ohne E-Unterstützung schafft man in der Regel nur 13, 14 Stundenkilometer. Nur gut, dass die Leute es meist nicht wissen. Seit Nicole Blasig elektrisch unterstützt wird, sagt ihr der Tacho genau, wie fix sie ist.

Und fitter fühlt sie sich auch noch. „Meine Lymphprobleme in den Beiden haben sich gebessert“, sagt sie, als sie durch den Wienburgpark fährt. Ein Fischreiher segelt quer über den Weg. Ohne Muskelkraft fährt auch das Pedelec nicht. Es macht’s nur angenehmer, wenn man schnell sein will und Hügel scheut.

Mit dem Auto, sagt die Kinderhauserin, würde sie für die Strecke zum LWL an der Warendorfer Straße fünf Minuten weniger brauchen . Aber dann müsste sie einen Parkplatz suchen. „Und Parkgebühren zahlen.“

Fazit ihres Tests: Der E-Motor erhöht das Tempo und verringert die Anstrengung. Auf Ampeln stößt sie nur auf dem letzten Kilometer am Ring. An Kreuzungen, an denen sich viele Räder sammeln, ist das Anhängermobil allerdings mitunter sperrig. Richtig relaxed ist das Fahren dort, wo Fußgänger und Radler unter sich sind, an der Gasselstiege etwa, im Wienburgpark oder an der Kanalstraße.

Am besten gefällt Blasigs Tochter Emily die neue Radel-Mobilität. „Wenn wir nach Hause fahren, kommen wir an tollen Spielplätzen vorbei“, sagt ihre Mutter am Coerdeplatz mit dem Kletter-Flugzeug, „da muss ich dann unbedingt anhalten.“

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