Sommerserie Wandern: Ahaus
Zu Gast bei zotteligen Landschaftspflegern

Ahaus-Alstätte -

Die Wanderung beginnt am Landgasthof Haarmühle – dem Tor zum Witte Venn. Die Route ist circa acht Kilometer lang und wegen ihrer Vielfältigkeit besonders reizvoll.

Mittwoch, 23.08.2017, 14:08 Uhr

Eine Herde von rund 50 schottischen Hochlandrindern lebt ganzjährig im Witte Venn. Gerne stehen sie mal – wie dieses Jungtier – im Moorsee.
Eine Herde von rund 50 schottischen Hochlandrindern lebt ganzjährig im Witte Venn. Gerne stehen sie mal – wie dieses Jungtier – im Moorsee. Foto: privat

Am Landgasthof Haarmühle in Alstätte starten zahlreiche Wanderungen, die ins deutsch-niederländische Grenzgebiet führen. Nicht zu Unrecht wird er deshalb als das „Tor zum Witte Venn “ bezeichnet, einem bedeutenden Naturschutzgebiet. Alle Wege sind mit farbigen Symbolen versehen. Die blaue Route ist circa acht Kilometer lang und wegen ihrer Vielfältigkeit besonders reizvoll. Folgt man aufmerksam den Zeichen, ist ein Verlaufen nahezu unmöglich, die Ausschilderung ist lückenlos.

An der alten Wassermühle startet die Tour. Nachdem der Wanderer die Brücke über die Ahauser Aa überquert hat, weist ein Schilderbaum auf die verschiedenen Wege hin. Rechts geht es zunächst entlang der Straße oder über den parallel zwischen Bäumen verlaufenden Rad- und Fußweg. Bei der Straßenbiegung links in den Wald eintreten. Dort sieht man rechts den Galgenbülten und man befindet sich auf dem Hessenweg. (siehe Info-Kasten).

Entlang des Hessenweges

Der andeutungsweise wiederhergestellte Galgenbülten ist typischerweise an einem Hauptweg (Hessenweg) und zudem an der Grenze gelegen. Dies war im Mittelalter üblich, um durch die am Galgen hängen gelassenen Delinquenten eine abschreckende Wirkung gegenüber Fremden und Durchreisenden zu erreichen. Hessenweg ist die Bezeichnung für alte Handelsrouten, die aus dem Osten Deutschlands in den Westen führten. Der Name ist abgeleitet von aus Hessen stammenden Kaufleuten, die im 17. und 18. Jahrhundert als die „Fuhrleute Europas“ hauptsächlich Waren wie aus Ton gebrannte Flaschen, Milchkannen und ähnliches transportierten. Der durch Alstätte verlaufende Hessenweg beginnt in Münster und führt bis ins holländische Deventer.

 

Nach wenigen Metern rechts gehen, schon ist man in Holland. Kurz darauf passiert man ein Holztor und betritt einen eingezäunten Bereich. Ein Schild weist auf die hier lebenden schottischen Hochlandrinder hin, die in einer Herde von rund 50 Tieren das ganze Jahr über im Freien leben. Sie beweiden ein Areal von rund 200 Hektar und sorgen so für die Pflege der Landschaft. Wenn man Glück hat, kann man sie ganz aus der Nähe bestaunen, sie sind harmlos, dennoch sollte man ihnen mit Respekt begegnen. Da sie unbeschränkten Zugang auch auf die Wanderwege haben, finden sich ihre Hinterlassenschaften mancherorts auf ebendiesen. Also Obacht, wohin die Schuhe treten. Ohnehin ist festes Schuhwerk anzuraten, da Teile des Weges bei Nässe sumpfig sind.

Holzwege durch den Moorwald

Nach mehreren Rechts-Links-Abbiegungen (auf die blauen Pfeile achten!) gelangt man in den Moorwald. Holzstege führen die Wanderer trockenen Fußes hindurch. Bei einer Bank rechts ab. Der Weg verläuft nun auf einem „Fietspad“ und führt durch eine halboffene Heidefläche, ein Blickfang im Hochsommer. Dann sind auch die wilden Brombeeren reif, die hier überall zu finden sind.

Eine kleine Hütte, an der man sich links hält, lädt zu einer Rast ein. Der Weg schlängelt sich nun durch lichten Baumbestand. Hinter einem Gatter führt er links in einen Wald mit riesigen Rhododendronbüschen, vorübergehend verlässt man das Gebiet der Rinder. Dieses Teilstück ist kürzlich auch für Mountainbiker freigegeben und mit reichlich Sand präpariert worden. Durch die Büsche wurde eine regelrechte Schneise geschlagen, was die frühere Idylle des kleinen Rhododendronwaldes ein bisschen zerstört hat. Ein Schild mahnt gegenseitigen Respekt für Wanderer und Radler an.

Am Ende steht man unvermittelt vor einem Campingplatz mitten im Wald. Hier ein Stückchen der Fahrstraße nach links folgen, bis es wieder rechts auf einen Pfad geht, der sich zunächst um das Campinggelände, dann um einen Tümpel windet. Danach betritt man offenes Gelände, geht wieder durch ein Gatter in den eingezäunten Bereich. Ein Fiets­pad führt zu einem wunderschön gelegenen Moorsee, an dessen Ende eine Beobachtungsstation ist. Mit etwas Glück kann man hier Löffel- und Krickenten, besondere Libellenarten, Laub- und Moorfrösche entdecken. Manchmal stehen hier sogar die Rinder knietief im Wasser. Gegenüber im Feuchtgebiet wächst das Wollgras.

Sandwege und Heide

Durch eine Pforte verlässt man endgültig das Gebiet der Hochlandrinder, folgt ein Stück dem Fietspad, bis es links wiederum an bis zu vier Meter hohen Rhododendronbüschen entlang geht. Danach befindet man sich wieder auf dem Hessenweg, folgt der Teerstraße nach links und kommt an einem Aussichtspunkt vorbei.

Bei der Hofstelle „Erve Markslag“, die früher Grenzzöllner beherbergte, wird die Straße zu einem Sandweg. Kurz darauf rechts in den Pfad abbiegen. Eine schöne Sitzgruppe in der offenen Heidefläche lockt zu einer neuerlichen Rast. Der größte Teil der Strecke ist nun geschafft, über eine Brücke im Wald wird die Buurser Beek, wie die Ahauser Aa in Holland heißt, überquert und schon bald ist der Gasthof Haarmühle erreicht. Einer wohlverdienten Einkehr steht nun nichts mehr im Wege.

Zum Thema

Wer mehr über die Landschaft und Geschichte rund um das Witte Venn erfahren möchte, wende sich an den Haarmühlenwirt Clemens August Brüggemann. Gern führt er Gäste durch Heide und Moor, weiß über germanische Kultstätten zu berichten und regt zu Naturbeobachtungen an. Mit viel Humor erzählt er nebenbei so manche Dönkes über den früher regen Schmuggelverkehr über die Grenze. ' 02567 93190

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