Treffen mit dem letzten Bezirksliga-Aufsteiger von Vorwärts Ahlen
Jahrhundertelf is’ für immer

Ahlen -

Bei Vorwärts Ahlen zählen sie die Spiele runter. So oft waren die Fußballer in den vergangenen Jahren dran am Aufstieg in die Bezirksliga. Und jedes Mal hat es nicht gereicht. Doch in dieser Saison scheint kein Kraut gewachsen gegen die Elf von Ralf Pottgüter. Höchste Zeit für einen Besuch bei der letzten Mannschaft von Vorwärts Ahlen, die den Aufstieg in die Bezirksklasse schaffte – der selbst ernannten „Jahrhundertelf“ von 1980/81.

Freitag, 03.05.2013, 06:26 Uhr

Auch nach 30 Jahren eine tolle Truppe: Die Jahrhundertelf mit ihrem Meistertrainer Lothar Müller (vorne rechts) kommt noch oft zusammen.
Auch nach 30 Jahren eine tolle Truppe: Die Jahrhundertelf mit ihrem Meistertrainer Lothar Müller (vorne rechts) kommt noch oft zusammen. Foto: Henning Tillmann

Ein kurzer Anruf bei Herbert Stemmer genügt. Der ehemalige Kapitän – pardon, damals hieß es Spielführer – bekommt tatsächlich nur ein paar Tage später einen Großteil der alten Truppe zusammen. Da sitzen die ehemaligen Fußballer nun im Clubheim der DJK und sollen noch einmal erzählen, wie es war, anno 1981, als sie den bisher letzten Aufstieg des Vereins in die damalige Bezirksklasse und heutige Bezirksliga einfuhren.

Eigentlich müsste man sie gar nicht selbst fragen. Rund um den heutigen Kunstrasenplatz dürfte die Hälfte der Zuschauer die Geschichte rauf und runter beten können. Dafür hat die humorvolle Truppe, die sich nie so ganz getrennt hat und Vorwärts über die Jahre immer treu geblieben ist, nun wirklich gesorgt – in aller Bescheidenheit natürlich. Auf dass auch ja niemand vergesse, wer die „Jahrhundertelf“ war. Stemmer, heute Herr über die Finanzen bei Vorwärts, hat für das Treffen schnell noch die „Chronik der erfolgreichsten Fußballmannschaft der DJK Vorwärts Ahlen im 20. Jahrhundert“ zusammengeschrieben. Zahlen, Daten, Fakten. Es wird ja ruhig noch mal gesagt werden dürfen.... Also denn: 51:9 Punkte hat die Mannschaft von Lothar Müller damals in 30 Spielen eingefahren. Und das ist nun wirklich aller Ehren wert. Ganz am Anfang der Saison sah es allerdings so gar nicht nach Aufstieg aus. Müller hatte die Mannschaft ein paar Jahre zuvor übernommen, wurde mit ihr Vierter, dann Dritter, schließlich Zweiter. „Danach haben alle gedacht, ich sage: Nun werden wir Meister. Aber das Wort habe ich nie in den Mund genommen“, so der Trainer. Ganz ähnlich also wie Ralf Pottgüter heute. Und Müller tat gut daran, die Trauben nicht zu hoch zu hängen. Denn aus den ersten beiden Spielen gab es nur ein mickriges Pünktchen. „Ich weiß noch genau, wie Rolf Huffmann und ich damals zusammenstanden und ich gesagt habe: Rolf, wir werden es wieder nicht“, erinnert sich Herbert Stemmer. Und Rolf Huffmann nickt wissend.

Doch sie sollten sich täuschen. Vorwärts gab in der Folge kein einziges Spiel mehr ab. Entscheidend waren die Duelle gegen den ärgsten Verfolger aus Enniger. Dem 4:4 im Hinspiel ließen die Ahlener einen 1:0-Sieg zu Hause folgen, mit dem sie die Führung in der Tabelle übernahmen. Das Meisterstück lieferte die Truppe dann am vorletzten Spieltag mit einem über die Zeit geschaukelten 1:0 gegen Roland Beckum ab.

Was beim Fußball so wichtig ist – die Automatismen, das blinde Zusammenspiel –, beherrschen die Meister von damals noch heute. Nicht mehr auf dem Platz. Aber wenn es darum geht, ihre Anekdoten gemeinsam zu erzählen. Einer gibt die Vorlage, ein anderer verwandelt. Wie eine gut geölte Maschine eben.

Apropos gut geölte Maschine: Was hat die Mannschaft denn eigentlich so stark gemacht? Eine gefährliche Steilvorlage ist so eine Frage. Provoziert sie doch Geschichten von beinharten Verteidigern, Stürmern mit einer strammen rechten Klebe oder Dribblings, die in der Rückschau so schnell waren, dass wohl auch ein Messi blass dagegen aussähe. Doch das Seemannsgarn bleibt in der Schublade. Heiner Schnitzmeier guckt nur kurz in die Runde, grinst verschmitzt und gibt die Antwort: „Trinken konnten wir.“ Da lacht die Herrenriege.

Klar, der Motor musste ja auch irgendwie rund laufen. Aber was zeichnete die Mannschaft nun wirklich aus? „Wir hatten eine bomben Gemeinschaft. Alles Ahlener Jungs, die rund um den Platz geboren wurden“, sagt Herbert Stemmer. „Es musste alles passen. Vom Spieler bis zum Zeugwart. Darauf habe ich immer viel Wert gelegt“, ergänzt Coach Müller. Dass einer sonntags fehlte, war undenkbar. Und wenn eigens dafür eine Taufe von Sonntag auf Samstag verlegt werden musste wie bei Theo Leifeld „Sonntags ging nicht, da war Spiel“, lacht er. Und der Pastor sah das wohl ähnlich.

Was noch? Eine beinharte Vorbereitung half natürlich. Viele Spiele, das wissen alle aus der Mannschaft noch, als wäre es gestern gewesen, haben sie erst in den letzten Minuten gewonnen, weil sie einfach mehr Puste hatten als die anderen. Die hatten sie sich mühsam erarbeitet. Müller ließ seine Jungs gern einen Hügel an der Bahn rauf und runter laufen oder legte eine Trainingsstunde im Kraftraum der Boxer ein. „Man nennt ihn auch Felix“, schallt es lachend aus der Runde, eine Anspielung auf den als Schleifer bekannten Felix Magath.

Doch was wurde aus der Jahrhundertelf? Ein Jahr blieb sie in der Bezirksklasse, stieg äußerst unglücklich mit einem Punkt zu wenig wieder ab. Müller aber blieb insgesamt acht Jahre Trainer. Und der Rest der Truppe leistete dem Verein noch unschätzbare Dienste, auch das wissen sie alle rund um den Platz. Die meisten hatten jahrelang Ämter bei Vorwärts inne oder bekleiden sie immer noch.

Nur wenn wieder einer von ihnen anfängt, die alten Geschichten auszupacken, dann winken sie bei Vorwärts lachend ab. Spötter behaupten, die jetzige erste Mannschaft sei in dieser Saison überhaupt nur so gut, damit die Altvorderen an der Seitenlinie endlich Ruhe geben. Doch dass sich da nur niemand täusche. Die witzigen Quälgeister pochen auf ihren Status. Oder um es mit den Worten ihres Meistermachers Lothar Müller zu sagen: „Ne, ne, eine Jahrhundertelf bleiben wir – is‘ ja schließlich schon ein neues Jahrhundert...“

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