Sensation im Derby: Vorwärts schmeißt Rot-Weiß Ahlen aus dem Kreispokal
Ein Abend für die Geschichtsbücher

Ahlen -

Für die Fußballer von Vorwärts Ahlen war es ein Spiel, das sie nie vergessen werden. Genau das aber würden die Oberliga-Kicker von Rot-Weiß sicher am liebsten ganz schnell tun. Im Kreispokal-Derby der beiden am höchsten spielenden Ahlener Mannschaften gab es am Donnerstagabend eine Sensation: Vorwärts warf den Stadtrivalen mit 5:3 aus dem Wettbewerb.

Freitag, 25.10.2013, 00:10 Uhr

Rot-Weiß Ahlen am Boden: Die verletzungsbedingte Auswechslung von Timo Achenbach stand am Ende sinnbildlich für das Scheitern des Oberligisten.
Rot-Weiß Ahlen am Boden: Die verletzungsbedingte Auswechslung von Timo Achenbach stand am Ende sinnbildlich für das Scheitern des Oberligisten. Foto: Marc Kreisel

Unfassbar, unwirklich, unerklärlich. Aus so einem Fußballspiel werden Legenden geboren. Klingt übertrieben für ein Kreispokal-Match? Aber nur, wenn man gestern nicht dabei gewesen ist. Rund um den Lindensportplatz – so viel ist sicher – wird von diesem Abend noch in Jahren gesprochen werden. Dem Abend, als der kleine Bezirksligist Vorwärts Ahlen den großen Nachbarn Rot-Weiß mit 5:3 aus dem Pokal geschmissen hat. Und das nicht unverdient.

Wie dieses Ergebnis zustande kommen konnte? Rafal Krumpietz hatte so recht auch keine Erklärung. „Ich bin emotional noch so aufgeladen. Ich muss aufpassen, dass ich nichts sage, was ich bereue“, gab der Co-Trainer von Rot-Weiß Ahlen einige Minuten nach dem Schlusspfiff einen ehrlichen Einblick in sein Seelenleben. „Unsere Leistung war inakzeptabel, teilweise eine Frechheit.“ Während der vorangegangenen 120 Minuten hatte Krumpietz versucht, seine Mannschaft mit allen Mitteln nach vorne zu puschen. Doch am Ende sprach er dem besseren, weil abgebrühteren Gegner ein Kompliment aus: „Vorwärts hat uns gezeigt, wie man mit Herz und Leidenschaft spielt.“

Das hatten die Hausherren tatsächlich. Gut organisiert stehend, mit einer ganz starken Laufleistung und – das brachte letztlich den Erfolg – nie ängstlich. Stattdessen stets bemüht, aus den wenigen Chancen, die sich ihnen boten, mit mutigem Konterspiel etwas zu machen.

Wäre es bei dem frühen 1:0 durch Samet Maskar geblieben, man hätte das eine Tor bei Rot-Weiß Ahlen als Betriebsunfall abtun können. Nach dem Schlusspfiff ging das nicht mehr. Es roch zwar bereits in dieser 29. Minute nach Sensation , als Maskar erst Sebastian Stroemer und dann noch Keeper Burak Karali aussteigen ließ und Vorwärts das erste Mal jubeln durfte. Doch was danach kam, hatte niemand auf dem Zettel.

Die Rot-Weißen blieben die bestimmende Mannschaft auf dem Platz. Und eigentlich war stets damit zu rechnen, dass Vorwärts dem hohen Tempo würde Tribut zahlen müssen und am Ende doch der Oberligist triumphiert. Spätestens nach dem Ausgleich in der 55. Minute durch ein Eigentor von Almir Mehovic wäre ein Einbruch auch nur allzu verständlich gewesen. Stattdessen die vermeintliche Entscheidung in der Nachspielzeit: Eine Flanke von Marvin Krampe köpfte Jonas Linnemann an den Innenpfosten. Das musste es gewesen sein.

DJK-Coach Ralf Pottgüter reagierte umgehend, nahm den eben erst eingewechselten Björn Weber vom Platz und brachte Franz Venker . Einerseits um Zeit zu schinden, andererseits um für noch mehr Stabilität zu sorgen und die letzten Minuten herunter zu spielen. „Ein ganz großer Fehler“, gab Pottgüter nachher zu. Denn natürlich wusste er, was für ein Schlag ins Gesicht das für einen Spieler ist. „So etwas macht man nicht“, so Pottgüter zerknirscht.

Zudem war die Maßnahme nicht mal von Erfolg gekrönt. Die vierte Minute der Nachspielzeit lief, als Julius Richter einen Freistoß vor das Tor der Hausherren schlug und Aaron Vasiliou zum 2:2 einnickte. Das musste doch der endgültige Genickbruch sein. Doch wieder Pustekuchen. Die reguläre Spielzeit vorbei – es folgte eine denkwürdige Viertelstunde. Vier Minuten waren gespielt, als Vorwärts zum dritten Mal traf. Ein Zuckerpass von Franz Venker landete bei Marvin Krampe und der schob zum 3:2 ein.

Pottgüter wechselte Dejan Ramic ein und der sorgte mit zwei eiskalten Kontertoren (103. und 105. Minute) für die Entscheidung. Beide Male aus abseitsverdächtiger Position. Aber wen interessiert’s? Der Anschlusstreffer von Arda Nebi in der 114. Minute kam zu spät. Die Partie war gelaufen, und der historische Abend für Vorwärts perfekt. Der Aufstieg in die Bezirksliga? Seit gestern eine Randnotiz. Die Pottgüter-Elf hat eine neue, spannende Geschichte für die Enkel.

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