Ex-Preuße Grover Gibson bildet in Amerika junge Fußballer aus
Der Talentförderer aus Amerika

Ahlen -

Er fühlte sich in Europa, vor allem in Deutschland, heimisch. 2009 kehrte Grover Gibson, einst bei Preußen Münster und RW Ahlen in der Regionalliga am Ball, in seine Heimat Amerika zurück. Mittlerweile arbeitet er als Trainer und hat eine Stiftung gegründet.

Samstag, 08.02.2014, 07:02 Uhr

Lang ist’s her: Grover Gibson (re.), hier 2008 für RW Ahlen im Zweitligaspiel bei der SpVgg Greuther Fürth am Ball, hat seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile wieder in die Staaten verlegt.
Lang ist’s her: Grover Gibson (re.), hier 2008 für RW Ahlen im Zweitligaspiel bei der SpVgg Greuther Fürth am Ball, hat seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile wieder in die Staaten verlegt. Foto: Sportfoto Zink / WoZi

Es ist kurz nach 16 Uhr. Das Telefon klingelt. Eine ungewöhnliche Nummer, ellenlang. Das Ausland? Hoffentlich reicht das Schulenglisch. Komisch, welche Gedanken einem manchmal durch den Kopf gehen. Dann die Erleichterung: Die Stimme am anderen Ende der Leitung spricht beinahe fließend Deutsch, und das obwohl der Anruf aus dem Norden des US-Bundesstaates Virginia kommt, genauer gesagt aus Fredericksburg. Es ist die Heimat von Grover Gibson , der in der Spielzeit 2005/06 und in der Halbserie 2007 seine Fußballschuhe für den SC Preußen Münster schnürte. Nachdem er in Deutschland beinahe heimisch geworden ist, zog es ihn 2009 doch zurück in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Mittlerweile arbeitet er als Trainer und leitet die „Grover Gibson Soccer Foundation“. Jüngst tauchte sein Name nach einer langen Pause wieder in den heimischen Medien auf: Der 34-Jährige vermittelte den 18 Jahre alten amerikanischen Flügelspieler Cody Sweatte in die Domstadt zu den U-19-Junioren des SC Preußen.

„Mir geht es bestens“, sagt ein gut gelaunter Gibson am anderen Ende der Leitung. Es ist kurz nach zehn Uhr am Morgen in Fredericksburg. „Ich habe gerade gefrühstückt und muss gleich zum Training. Die Tasche ist schon gepackt.“ Der Fußball bestimmt also noch immer das Leben des ehemaligen Profis, der seine Karriere 2009 beim Zweitligisten RW Ahlen beendete. Nicht freiwillig. Eine schwerwiegende Augenhöhlenverletzung war ursächlich für das plötzliche Ende. Und mit den Folgen kämpft er noch heute. „Ich kann tagsüber kicken und auf dem Feld stehen, aber abends unter Flutlicht flimmern mir die Augen, und ich bekomme Kopfschmerzen.“

Zwei Jahre hat er sich zurückgezogen, viel nachgedacht, wie er selbst sagt, um dann eine wegweisende Entscheidung zu treffen: „Ich wollte dem Fußball-Nachwuchs in Amerika auf die Sprünge helfen.“

Gesagt, getan. Als Jugendtrainer der Fredericksburg Area Soccer Association hob er 2011 seine eigene Stiftung aus der Taufe mit dem Ziel, junge und talentierte Fußballer, allesamt College-Spieler, zu fördern. „Es gibt mir so viel, mit diesen Jungs zu arbeiten“, sagt Gibson, der sieben Tage die Woche auf dem Platz steht. Ein Nimmersatter, der in seinem Job eine Berufung sieht. Seine Fußball-Schulen sind mitunter überlaufen. Mittlerweile ist Gibson zudem stolzer Besitzer eines eigenen Fußball-Clubs: 2012 gründete er den RVA FC Richmond, den er mal eben nebenbei noch coacht.

Seine Familie, allen voran Ehefrau Katy, spielt mit. Tochter Lena (9) und Sohnemann Cody (5) sind ebenfalls vom Fußballfieber infiziert und verbringen jede freie Minute auf dem Rasen. Nachzügler Royce (neun Wochen) deutet zumindest bei seinen Strampelbewegungen bereits an, dass er ebenfalls ein Kicker werden könnte, wie Gibson verrät. Und er denkt weiter: „Vielleicht hat einer mal das Zeug, in Europa zu spielen.“ Das wär doch was, wenn einer der Sprösslinge in Papas Fußstapfen tritt. Zukunftsmusik.

„Was zählt, ist das Hier und Jetzt“, sagt Gibson mit Bedacht und hofft, weitere Top-Spieler zu formen – und sie in namhaften (deutschen) Vereinen unterzubringen. „Ich bin aber kein Vermittler, noch habe ich eine Agentur und bekomme Geld dafür“, stellt er klar.

Kontakt nach Deutschland hat er weiterhin – auch zum Preußen-Spieler Stefan Kühne. Und zu Jens Bäumer, dem gebürtigen Münsteraner, der zwischen 2003 und 2006 insgesamt 101 Partien für die Adlerträger bestritt. „Jens hat ein Visum beantragt und wird mir hier bei meinen Projekten unter die Arme greifen“, verrät Gibson und freut sich auf den baldigen Besuch aus Deutschland.

Wann es ihn mal zurück ins Westfälische verschlägt, weiß er noch nicht. „Vielleicht ja im Frühling, ich möchte Cody unbedingt mal im Preußen-Trikot sehen.“

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