Sportausweis wird nicht gut angenommen
„Was bringt uns das?“

Ahlen -

Seit vier Jahren gibt es ihn, den bundesweit einheitlichen Sportausweis des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Doch noch immer haben ihn von rund 27 Millionen Vereinsmitgliedern unterm dem Dach des Verbandes nur sechs Millionen. Auch in Gronau hat ihn längst nicht jeder Verein eingeführt.

Dienstag, 26.08.2014, 08:08 Uhr

Der Sportausweis des DOSB: Der Verband preist ihn als Zusatzangebot seinen Vereinen an, die jedoch nicht recht anspringen wollen.
Der Sportausweis des DOSB: Der Verband preist ihn als Zusatzangebot seinen Vereinen an, die jedoch nicht recht anspringen wollen. Foto: Shutterstock

In aller Stille wurde er 2010 vom Deutschen Olympischen Sportbund ( DOSB ) ins Leben gerufen: der Deutsche Sportausweis . Doch an der Basis angekommen ist das Projekt nach vier Jahren auch in Ahlen immer noch nicht.

Der DOSB zählt unter seinem Dach rund 27 Millionen Vereinsmitglieder. Das vorrangige Ziel im Mai 2010, als die Vollversammlung des DOSB den Weg für den bundesweiten Sportausweis ebnete, war es, diesen im ersten Schritt als eine ganz normale Mitgliedskarte zu etablieren, die von den Vereinen für ihre Mitglieder kostenlos bestellt werden kann. Ein nationales Ausweissystem des DOSB, seiner Landesverbände sowie der Spitzenverbände. Die eigens dafür gegründete Deutsche Sportausweis GmbH (DSA) sollte die Karte etablieren. Deren Sprecher Jens Koralewski (Marketing und Kommunikation der DSA) bezifferte die Zahl der bislang ausgegebenen Ausweise auf Nachfrage der Ahlener Zeitung auf „rund sechs Millionen“. Einschließlich der zirka 250 000 Exemplare, die 2013 nach der groß angelegten Image-Kampagne „Sportausweis Light“ (alle ca. 91 000 Sportvereine erhielten für ihre Mitglieder für drei Monate eine Testversion) in reguläre Ausweise umgewandelt wurden.

Dass damit bislang noch nicht einmal ein Viertel des Potenzials ausgeschöpft ist, sieht Koralewski nicht als Misserfolg. „Das entwickelt sich vernünftig“, urteilt er, räumt aber ein: „Unser Ziel ist eine zweistellige Millionen-Zahl, und am liebsten wollen wir natürlich alle DOSB-Mitglieder davon überzeugen.“ Und er ist sicher, die ehrgeizigen Ziele noch erreichen zu können: „Anfangs war der Ausweis seiner Zeit wohl noch voraus – jetzt ist er genau richtig“, meint er und sieht gute Argumente für die Anschaffung. „Der große Vorteil für die teilnehmenden Vereine ist aus Sportverwaltungssicht, dass sie damit ihre Adressbestände auf Vordermann bringen können.“

Die Vorteile für die Vereinsmitglieder selbst sollen sich nach dem, was die DSA verspricht, im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen – in Form von Rabatten und Servicebegünstigungen. Laut DSA gibt es die bei über 1000 Marken von Partnerunternehmen und bei Sportverbänden.

Von Beginn an stand das Projekt allerdings auch in der Kritik. Datenschützer erheben immer wieder den Vorwurf, dass es DOSB und DSA in erster Linie um die Vermarktung der größten deutschen Personenvereinigung gehe, um neue Einnahmequallen zu erschließen, indem die Mitgliederdaten auf einer Web-Präsenz für Dritte einsehbar bereitgestellt würden. Ein Vorwurf, den die DSA stets mit Hinweis darauf, sich an alle Datenschutzvorgaben zu halten, zurückgewiesen hat. „Die Adressen weiterzugeben, ist weder gewünscht noch möglich“, beteuert Jens Koralewski.

So viel zur Theorie. In der Praxis hat das umstrittene Projekt trotz aufwendiger Imagekampagne weiter Akzeptanzprobleme an der Basis. Zum Teil ist das Vorhaben in Ahlen sogar völlig unbekannt.

„Ich habe davon noch nie gehört“, zeigt sich Wilfried Bröker, 1. Vorsitzender des TV Einigkeit Ahlen, bei der Frage nach dem Deutschen Sportausweis erstaunt und sieht auch weder Sinn noch Notwendigkeit darin, darüber nachzudenken. „Wir haben unseren eigenen Mitgliedsausweis“, argumentiert er. „Einen anderen brauchen wir nicht.“

Ähnlich sieht es die Ahlener SG aus. „Wir haben zwar davon gehört, uns aber dagegen entschieden, da wir seit Jahren eigene Ausweise für unsere rund 1800 Mitglieder und eigene Geschäftspartner haben, die ihnen Rabatte gewähren“, erklärt Geschäftsführerin Doris Toppmöller. Auch bei ihr überwiegen zudem die Skepsis hinsichtlich des Datenschutzes und des organisatorischen Mehraufwands. In der Tat: Die Anträge für den Ausweis sind vom Verein zu stellen. „Und wir müssten jedes Mitglied um die Genehmigung bitten, seine Daten dafür verwenden zu dürfen“, gibt sie zu bedenken. Auch die im vergangenen Jahr der ASG zugestellten „Light-Ausweise“ wurden mit Hinweis auf die eigenen nicht verteilt.

Auch bei der knapp 1000 Mitglieder starken DJK Vorwärts Ahlen ist der deutsche Sportausweis ebenfalls kein Thema. „Ich habe zwar schon davon gehört, aber bei uns wurde über die Einführung nicht nachgedacht“, erklärt der 1. Vorsitzende Martin Metzner. Selbst auf einen eigenen Club-Ausweis verzichtet der Verein: „Zu viel Verwaltungsaufwand – zumal wir keine Geschäftsstelle haben“, merkt er an. Auch hier profitieren die Mitglieder aber bei einem eigenen Vereinspartner: ein Sportartikelhersteller, der vergünstigte Konditionen anbietet. 

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