Boxweltmeisterin Elina Tissen im Interview
„Wir kaufen kein Fallobst ein“

Ahlen -

Am 22. November kommt Federgewichtsweltmeisterin Elina Tissen erstmals nach Ahlen, um ihre Titel nach Version der Verbände WIBF und GBU zu verteidigen. Ihre Gegnerin wird dann die noch weitgehend unbekannte Serbin Jasmina Nadj sein. Im Interview verraten Elina Tissen und ihr Trainer sowie Manager Maiki Hundt, was sie sich von dem Austragungsort erwarten, wie die Vorbereitung läuft und wen sie lieber als Gegnerin gehabt hätten.

Mittwoch, 05.11.2014, 18:11 Uhr

Gegen wen sie kämpfen muss? Egal! „Ich muss alle Mädels boxen“, sagt Box-Weltmeisterin Elina Tissen.
Gegen wen sie kämpfen muss? Egal! „Ich muss alle Mädels boxen“, sagt Box-Weltmeisterin Elina Tissen. Foto: René Penno

Frau Tissen , Sie sind Warendorferin, haben schon mehrmals in Münster geboxt, aber in die Nachbarstadt Ahlen kommen Sie zum ersten Mal für einen Titelkampf . Weshalb hat denn das so verdammt lange gedauert?

Tissen: (lacht) Wir haben uns auch schon selbst gefragt, warum wir nicht früher drauf gekommen sind. Die Idee, den Kampf nach Ahlen zu bringen, hat sich jetzt einfach so ergeben. Stadtmarketing und der BSK waren schnell dafür zu begeistern.

Aber Sie haben sich sicherlich im Vorfeld Gedanken gemacht, was sie in Ahlen erwartet. . .

Tissen: Natürlich hat man immer die große Zeit in den 80er-Jahren im Hinterkopf, als hier die Hallen voll waren. Ahlen ist noch immer eine bekannte Boxstadt. Hier wird es sicherlich viele Fans geben, die boxbegeistert sind. Vielleicht sind die ja auch fürs Frauenboxen zu erwärmen.

Eigentlich hätten Sie beide aber lieber eine andere Gegnerin gehabt. Ein Vereinigungskampf gegen die Kanadierin Jelena Mrdjenovich stand im Raum.

Hundt : Es liegt nicht an uns, dass dieser Kampf nicht stattfindet. Auch nicht an den Kanadiern. Die wollen ihn genauso wie wir. Aber der Weltverband blockt zurzeit. Das ist sehr, sehr schade. Wie immer liegt es nur am Geld, wenn Kämpfe nicht zustande kommen.

Tissen: Viele werden sagen: ,Warum kämpft sie nicht gegen die oder gegen die?’ Keiner sieht, warum manche Kämpfe nicht zustande kommen.

Hundt: Eben. Und wir haben bereits die Topleute aus Deutschland und Afrika geholt. Allein der Aufwand, eine Afrikanerin hier nach Deutschland zu bekommen für einen Profikampf – das hat mich schon so manche schlaflose Nacht gekostet.

Boxtraining mit Elina Tissen

Stattdessen haben Sie nun kurzfristig die Option gegen die Serbin Jasmina Nadj gezogen. Wie bereitet man sich denn auf eine Gegnerin vor, die man kaum kennt?

Hundt: Normalerweise dauert die Vorbereitung auf einen Kampf acht bis zehn Wochen. Wir mussten es jetzt auf nur acht Wochen komprimieren. Aber das geht schon. An der Technik von Elina muss nicht viel gemacht werden. Es wäre schön, wenn sie in einem Kampf mal mehr als 50 Prozent ihres Repertoires nutzen müsste.

Tissen: Ich habe schon viele Kämpfe gegen solche Gegnerinnen bestritten. Natürlich nutzen wir zur Vorbereitung das Videostudium. Aber es gibt keine Garantie, dass die Gegnerin dann auch so auftritt. Ich kenne es ja von mir selbst: Ich kämpfe auch heute so und morgen so. Bei der Gegnerin kann es ebenfalls sein, dass sie ganz anders in einen Kampf geht als bisher. Letztendlich muss ich aber ohnehin alle Mädels boxen können.

Hundt: Jasmina Nadj kommt aus demselben Stall wie die letzte Gegnerin von Elina. Das heißt, sie haben mindestens ein Video von diesem Kampf. Nadj wird gut vorbereitet und motiviert sein. Vielleicht haben sie bei Elina ja sogar eine Schwäche entdeckt. (grinst) Mich würde dann interessieren, welche das sein soll. . .

Herr Hundt, Sie sagten gerade selbst, dass Elina Tissen eigentlich nie ihr ganzes Repertoire abrufen muss. Kann dann ausgerechnet so eine noch relativ unerfahrene Gegnerin, die im Boxen erst neun Profikämpfe bestritten hat, die vollen 100 Prozent abverlangen?

Hundt: So genau kann man das vorher nie sagen. Wir kaufen jedenfalls kein Fallobst sein. Nadj kommt aus der Mixed-Martial-Arts-Ecke, den meisten besser bekannt als Käfigkämpfe. Die kann uns schon richtig fordern. Und das ist auch das, was Elina will. Jemanden, der in ihrer Liga spielt.

Frau Tissen, was ist denn Ihr Ziel für diesen Kampf – ein K.o.?

Tissen: Also auf einen K.o. setze ich nie. Der muss einfach so kommen. Ich glaube, für den Zuschauer ist es ohnehin schöner, wenn ich mich über zehn Runden zeigen kann.

Weltmeisterin Elina Tissen im Training

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  • So sympathisch lacht Boxweltmeisterin Elina Tissen dauernd. Vorwiegend aber, wenn sie nicht im Ring steht.

    Foto: René Penno
  • Wenig später beginnt die Metamorphose zur Kampfmaschine. Vor jedem Training bindet sich die Warendorferin die Haare zusammen...

    Foto: René Penno
  • ...und bandagiert sich die Hände.

    Foto: René Penno
  • Beim Schattenboxen vor dem Spiegel beginnt das Warmmachen.

    Foto: René Penno
  • Die ersten Schläge...

    Foto: René Penno
  • ... müssen die imaginären Gegner dann schon einstecken.

    Foto: René Penno
  • Dann kriegt der Boxsack seine Abreibung.

    Foto: René Penno
  • Die schnellen Kombinationen der 28-Jährigen sind gut zu hören.

    Foto: René Penno
  • „Jetzt mach mal ruhig!“ Trainer Maiki Hundt muss seinen Schützling schon mal bremsen.

    Foto: René Penno
  • Und manchmal eben auch antreiben.

    Foto: René Penno
  • Flüssigkeitsaufnahme in den Pausen muss sein.

    Foto: René Penno
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