Gift für den Verein
Gelungenes Krisenmanagement sieht anders aus

Diese Baustelle kommt zur Unzeit. Drei Tage vor dem für den Klassenerhalt in der Regionalliga entscheidenden Spiel bei Borussia Mönchengladbach 2 liegt Rot-Weiß Ahlen in Trümmern. Das Tischtuch zwischen Vorstand und dem sportlichen Personal ist zerschnitten. Der spontane Rauswurf von Trainer, Co-Trainer und Kapitän zeugt von einer Kurzschlussreaktion, aber nicht von besonnenem Handeln.

Mittwoch, 18.05.2016, 16:05 Uhr

Die in dem offenen Brief geäußerten Vorwürfe wiegen schwer. Die womöglich noch ausstehenden Gehälter scheinen dabei der Streitpunkt Nummer eins zu sein. Trainer und Mannschaft bezichtigen den Vorstand, die Unwahrheit zu sprechen. Der wiederum wirft dem Team seinerseits Lügen vor.

Mangelhafte Kommunikation scheint zudem fest in der DNA dieses Vereins verankert. Schon zu Zweitliga-Zeiten beklagten Trainer und Spieler reihenweise einen miserablen Umgang und eine unprofessionelle Informationspolitik.

Gleichwohl muss man Dirk Neuhaus auch in Schutz nehmen. Er versucht seit Jahren tapfer, den Verein aufrechtzuerhalten. Dass ihm dabei Fehler unterlaufen, räumt er sogar selbst ein. Dennoch sieht gelungenes Krisenmanagement mit Sicherheit anders aus.

Man kann den offenen Brief der Mannschaft als Hilferuf deuten, weil sie alle anderen Mittel bereits ausgeschöpft sieht, ohne dass sich die Situation jemals verbessert hätte. Aber ist diese Form des öffentlichen Auftritts der richtige Weg?

Fest steht, die neuerlichen Negativschlagzeilen sind Gift für den Verein. Welcher Trainer, welcher Spieler, welcher Sponsor wird sich in diesem Sommer allen Ernstes für ein Engagement bei diesem Chaos-Club entscheiden? Und welcher der aktuellen Spieler kann sich angesichts der seit Monaten anhaltenden Turbulenzen und einer mehr denn je unsicheren Perspektive ernsthaft für einen Verbleib im Verein erwärmen? Das, was dem Verein in dieser Situation am meisten helfen dürfte, wären der Klassenerhalt in der Regionalliga und der Einzug in den DFB-Pokal , der rund 120 000 Euro in die klammen Kassen spülen würde. Beides aber scheint nach derzeitiger Gemengelage mehr denn je in Gefahr.

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