Handball: Bundesliga
Marian Michalczik: „Ich brauche es, Verantwortung zu übernehmen“

Ahlen -

Marian Michalcziks Karriere kennt keine Geschwindigkeitsbegrenzung. 2017 war für den gebürtigen Ahlener ein Jahr mit vielen Höhen und einer bitteren Enttäuschung. Im Interview verrät er, was ihn für die Zukunft antreibt.

Freitag, 22.12.2017, 05:12 Uhr

Familienbande: Das Handball-Talent haben Marie (links) und Marian Michalczik (Zweiter von rechts) genauso wie ihr großer Bruder (nicht auf dem Bild) eindeutig von ihren Eltern André und Martina geerbt.
Familienbande: Das Handball-Talent haben Marie (links) und Marian Michalczik (Zweiter von rechts) genauso wie ihr großer Bruder (nicht auf dem Bild) eindeutig von ihren Eltern André und Martina geerbt. Foto: Lars Gummich

Seine Karriere verläuft im Eiltempo. Auch in diesem Jahr kannte sie keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Der gebürtige Ahlener Marian Michalczik hat 2017 viel erlebt. Im Gespräch mit unserem Redakteur Cedric Gebhardt lässt der 20-jährige Rückraumspieler von GWD Minden , der im Sommer zum Nationalspieler reifte, das Jahr Revue passieren.

Erst der Klassenerhalt mit GWD Minden , im Juni dann Ihr Debüt in der Nationalmannschaft, die mit Platz vier knapp verpasste Medaille bei der U21-WM und zuletzt die Nominierung für den EM-Kader – das klingt zumindest für Außenstehende nach einem atemlosen Jahr. Wie sehr sind Sie selbst aus der Puste?

Michalczik: Ja, da stimme ich zu, es war ein atemloses Jahr. Eigentlich wollte ich deswegen auch mit meiner Freundin im Januar nach Gran Canaria in den Urlaub fliegen, um zu relaxen und Kraft zu tanken. Wir hatten auch schon gebucht. Dann aber bin ich auch für den weiteren EM-Kader nominiert worden, womit ich ehrlich gesagt nicht gerechnet hatte. Also ist das mit dem Entspannen jetzt hinfällig und wir mussten stornieren. Aber natürlich ist die Nominierung auch eine enorme Motivation für mich und ein absolutes Highlight.

Wie bewerten Sie 2017 insgesamt?

Michalczik: Das Abschneiden bei der U21-WM in Algerien im Sommer war schon echt enttäuschend. Wir waren so nah dran und haben über weite Strecken ein sehr gutes Turnier gespielt. Da möchtest du am Ende natürlich nicht mit leeren Händen dastehen. Aber wir haben uns leider nicht mit Edelmetall belohnt. Was den bisherigen Saisonverlauf mit GWD Minden angeht, läuft es aber sehr gut – sowohl für mich persönlich als auch für die Mannschaft. Im vergangenen Jahr ist mein Vertrag ausgelaufen und ich habe lange überlegt, wie es weitergehen soll. Sollte ich bleiben oder eine neue Herausforderung suchen? Ich habe viel Zeit gebraucht, um eine Entscheidung zu treffen. Ich habe meinen Vertrag in Minden verlängert und bin sehr, sehr zufrieden. Es war die vollkommen richtige Entscheidung. Ich bekomme das Vertrauen von Team und Trainer. Ich darf schon unfassbar viel Verantwortung übernehmen und mache das auch gerne. Ich bin zum Stammspieler aufgestiegen und habe die Chance, mich für weitere Aufgaben zu empfehlen. Ich sehe das als riesige Bestätigung.

Wie gelingt es Ihnen, all das, all die Eindrücke zu verarbeiten?

Michalczik: Ich denke, das ist vor allem eine Typ-Frage. Ich versuche es so zu meistern, dass ich bodenständig bleibe und nicht zum Höhenflug ansetze. Ich möchte nicht anfangen, rumzuspinnen. Wichtig ist, sich nicht auf irgendwas auszuruhen. Ich möchte immer weiter fleißig an mir arbeiten. Es wird sicher auch Phasen geben, in denen es nicht so läuft. Das habe ich in der Vergangenheit selbst ja schon erlebt, als ich lange verletzt war. Zum Glück bin ich in den vergangenen zwei Jahren von Verletzungen verschont geblieben. Ich vertraue auf meine Stärken und halte mir mein Ziel weiter vor Augen.

Wie sieht dieses Ziel aus?

Michalczik: Es gibt nicht das eine Ziel. Ich muss es immer wieder feinjustieren und nachdefinieren. Für den Moment ist mein Ziel, mit GWD Minden das Optimum rauszuholen, damit wir den Jahresendspurt noch mal erfolgreich gestalten. Und ich möchte auch bei den beiden Lehrgängen mit der Nationalmannschaft im Dezember und Januar bestmögliche Leistungen zeigen. Mein Ziel ist es, mit zur Europameisterschaft zu fahren.

Handballer Marian Michalczik – die Karriere in Bildern

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Sie waren in diesem Jahr zum Rookie des Jahres bei der All-Star-Wahl der Bundesliga nominiert. Was bedeutet Ihnen diese Nominierung?

Michalczik: Das ist nicht das Bedeutendste für mich, aber es ist natürlich eine tolle Wertschätzung. Ich freue mich darüber, zum Kreis der sechs besten Nachwuchsspieler der Bundesliga zu gehören. Ich würde gerne auch mal am All-Star-Game teilnehmen.

Die Spitze der 1. Liga ist seit Jahren fest in der Hand der Topteams. Welche Rolle trauen Sie Ihrem Verein GWD Minden perspektivisch im Oberhaus zu?

Michalczik: Da bin ich total positiv gestimmt. GWD ist auf einem wirklich guten Weg. Personell hat der Verein einen Umbruch vollzogen, der Kader wurde verjüngt. Dadurch haben wir ein deutlich besseres Tempospiel und können viel mehr von unserer Abwehr profitieren. Die Tendenz wird weiter nach oben gehen. Außerdem entscheidet sich bald, ob in Minden eine neue Halle gebaut wird. Auch das könnte noch mal einen zusätzlichen Schub geben. Aber all die anderen Clubs machen auch einen sehr guten Job. Wenn man sich allein Leipzig anschaut, die entwickeln sich unfassbar gut. Aber auch wir haben noch einiges an Potenzial und sind noch lange nicht am Maximum. Daumen hoch: Marian Michalczik posiert im Sommer während der U21-WM in Algerien fürs private Fotoalbum. Foto: Marian Michalczik

Das wiederum dürfte auch für Sie gelten.

Michalczik: Ja. Ich bin jetzt 20 Jahre alt und damit ja noch sehr jung. Es wäre gut, wenn ich noch nicht an meinem Maximum angekommen bin. Das wird vielleicht mit 27, 28 Jahren der Fall sein – vorausgesetzt die Entwicklung geht so weiter.

Gesetzt den Fall, dass sie so weitergeht, dürfte GWD vielleicht irgendwann eine Nummer zu klein für Sie sein. Bei der Anfrage welches Vereins könnten Sie in Zukunft nur schwer widerstehen?

Michalczik: Ich möchte mich auf keinen Verein festlegen. Es gibt für mich nicht den einen Wunschverein. Es gibt viele interessante Vereine mit tollen Hallen, in denen es eine bemerkenswerte Kulisse gibt. Aber wenn die Entwicklung sich so fortsetzt, möchte man irgendwann auch Erfolge feiern und Titel gewinnen.

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Daumen hoch: Marian Michalczik posiert im Sommer während der U21-WM in Algerien fürs private Fotoalbum. Foto: Marian Michalczik

Sie haben angesprochen, dass Sie bereits sehr viel Verantwortung tragen. Woher nehmen Sie die Selbstverständlichkeit, auch deutlich ältere oder erfahrenere Spieler anzuleiten?

Michalczik: Durch mein stetig gewachsenes Selbstvertrauen in den letzten eineinhalb Jahren in der Bundesliga bei GWD. Zudem bin ich auf dem Feld auch einfach ein kommunikativer Typ. Ich gehe gerne mit dieser Verantwortung um und brauche sie auch. Wenn ich mal nur 20 Minuten gespielt habe, sitze ich später im Mannschaftsbus und ärgere mich. Das kratzt an mir. Ich brauche es, Verantwortung zu übernehmen. Denn ich möchte viel gemeinsam mit meinen Mitspielern schaffen. Und mittlerweile ist es so, dass meine Ideen nicht immer ganz so schlecht sind.

Ob in Ahlen oder Minden – in Ihren Teams sind Sie bislang meist schnell Stammspieler geworden. In der Nationalmannschaft dürfte das etwas anders aussehen, da müssen Sie sich erst mal hinten anstellen. Wie wollen Sie es im Kreis der Besten angehen?

Michalczik: Das ist für mich in der Tat eine ganz andere Situation, wobei ich auch in Minden nicht auf Anhieb Stammkraft war. Bei GWD bin auch ich klein angefangen, habe mal hier zehn Minuten gegen Lemgo gespielt und da eine Viertelstunde gegen Balingen. In der Nationalmannschaft möchte ich in jeder Trainingseinheit und in jedem Spiel versuchen, 100 Prozent an den Tag zu legen und alles zeigen, was ich drauf habe. Ich möchte mich durch Kurzeinsätze präsentieren.

Im EM-Kader stehen auch zwölf Europameister von 2016. Von wem können Sie am meisten lernen?

Michalczik: Ich glaube, dass ich von ganz vielen eine Menge lernen kann. Diese Jungs haben alle ganz viel Länderspiel- und Europapokal-Erfahrung. Ich bin für alles offen und versuche, alles aufzusaugen.

Ihre Schwester Marie ist in diesem Jahr Europameisterin mit der U17-Nationalmannschaft geworden. Was können Sie sich von Ihrer kleinen Schwester abschauen, damit es für Sie im Januar bei der EM ähnlich erfolgreich läuft?

Michalczik: Diesen Titel hat sie mir voraus und das reibt sie mir auch gerne unter die Nase. Ich bin riesig stolz auf sie, dass sie das geschafft hat. Ich habe das Turnier damals verfolgt. Ich fand es bemerkenswert, wie die Mädels als Team aufgetreten sind und die Verantwortung auf ganz viele Schultern verteilt haben.

Sie und Ihre Schwester gehören zur DHB-Auswahl. Auch Alicia Stolle ist bereits seit geraumer Weile Nationalspielerin. Was macht Ahlener Handballer so gut, dass sie zu den besten in Deutschland gehören?

Michalczik: Ich weiß nicht, ob es ein Ahlener Gen gibt. In jedem Fall aber macht das Handball-Leistungs-Zentrum einen guten Job. Für Marie und mich kann ich sagen, dass unsere Familie uns super unterstützt und fördert. Von unseren Eltern haben wir mit Sicherheit das nötige Handball-Talent geerbt. Außerdem legen wir viel Fleiß an den Tag. Es war immer mein Traum, eines Tages mal Handball-Profi zu werden. Dafür habe ich über einen sehr langen Zeitraum sehr hart gearbeitet und auf vieles verzichtet. Aber dafür werde ich nun auch belohnt.

Was von dem, was Sie während Ihrer Ausbildung in Ahlen gelernt haben, ist heute als Profi noch am meisten von Nutzen für Sie?

Michalczik: Da gibt es nichts Spezielles. Aber in Ahlen habe ich natürlich alle Grundlagen gelernt, die auch heute noch wichtig sind.

Mit Ihrem Mindener Vereinskollegen Lukas Kister ist ein weiterer Spieler, der in der Vergangenheit beim HLZ Ahlen ausgebildet wurde, auf dem Sprung zum Profi. Wie beurteilen Sie seine Entwicklung?

Michalczik: Lukas ist eine Menge zuzutrauen. Er hat den nötigen Ehrgeiz und das nötige Talent. Er spielt eine tolle Saison bei GWD in der 3. Liga und hatte auch schon Kurzeinsätze in der Bundesliga. Er hat alle Lehrgänge bei den Junioren-Nationalteams mitgemacht. Vielleicht wird er der nächste Nationalspieler mit Ahlener Vergangenheit.

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