Triathlon-Kolumne: Der rasende Reporter
Nicht günstig, aber Preis wert

Ahlen -

Triathlon hat seinen Preis – im doppelten Sinne. Zum einen bleibt aufgrund des Trainingsumfangs viel anderes auf der Strecke. Zum anderen ist da das Equipment, das der Triathlet für seine Passion benötigt. Das ist nicht günstig, aber den Preis wert, wie unser rasender Reporter Cedric Gebhardt feststellt.

Freitag, 13.07.2018, 10:02 Uhr

Triathlon-Kolumne: Der rasende Reporter: Nicht günstig, aber Preis wert
Foto: Lisa Stetzkamp

Erinnern Sie sich an die erste Folge meiner Triathlon-Kolumne? Ich habe sie Anfang Januar geschrieben. Da bin ich gerade mit der Vorbereitung auf meinen ersten Triathlon angefangen.

Damals habe ich geschrieben, dass das Ganze nicht bloß ein guter Vorsatz fürs neue Jahr sei, dass ich es ernst meine. Wie ernst, das habe ich auch erst im Laufe der vergangenen Monate herausgefunden. Mein Leben findet zu großen Teilen im Fitnessstudio, in der Schwimmhalle, auf dem Rennrad oder in Laufschuhen statt – zumindest der Freizeitanteil. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und alle meine Trainingseinheiten zusammengerechnet. Jedes Mal, wenn ich in den letzten Monaten Sport getrieben habe, habe ich die Pulsuhr dabei aktiviert – so konnte ich alles genau protokollieren.

Bisher 181 Stunden ins Training investiert

Beim Schwimmen (etwa 70 Minuten pro Einheit) und Krafttraining (jeweils ca. 80 Minuten) habe ich die Durchschnittswerte mit der Anzahl der Einheiten multipliziert. Beim Laufen und Radfahren habe ich dank der Pulsuhr die genauen Zeiten addiert. Herausgekommen sind 149 Trainingseinheiten mit 10  855 Minuten Sport verteilt auf 170 Tage über einen Zeitraum vom 2. Januar bis 20. Juni. Das macht fast 181 Stunden.

Das Ausmaß meines Bewegungsdrangs hat mich selbst schockiert. Mit diesem Volumen hätte ich nicht gerechnet. Sportmuffel würden wohl sagen: Das ist schon ein bisschen krank. Aber ich fühle mich so gesund und vital wie noch nie.

Rein subjektiv empfunden glaube ich, war ich noch nie in meinem Leben so fit wie aktuell. Ich habe noch niemals zuvor über einen so langen Zeitraum so viel Sport getrieben und mich nur selten so lange am Stück so diszipliniert und gesund ernährt.

Viele T-Shirts, die im Kleiderschrank eine halbe Ewigkeit unter Beschäftigungslosigkeit gelitten haben, kann ich mittlerweile wieder anziehen.

Cedric Gebhardt

Es fühlt sich gut an, richtig gut. Viele T-Shirts, die im Kleiderschrank eine halbe Ewigkeit unter Beschäftigungslosigkeit gelitten haben, kann ich mittlerweile wieder anziehen. Meine (ehemalige) Plauze muss in vernichtenden Rückzugsgefechten zusehends mehr Gebiete abtreten. Das weiße, weiche Wellfleisch wird allmählich definiert. Kurzum: Es geht mir echt super.

Aber das Ganze hat natürlich seinen Preis – und das ist beim Triathlon durchaus im doppelten Sinne zu verstehen. Zum einen gibt es ein nicht enden wollendes Ausmaß an Equipment, das der (ambitionierte) Triathlet für seine Passion benötigt. Zum anderen bleibt aufgrund des Trainingsumfangs viel anderes auf der Strecke.

Der Reihe nach: Mit einer Badehose, einem Rad und einem Paar Laufschuhen ist es längst nicht getan. Es gesellen sich viele kleine und (mittel)große Ausgaben hinzu. Das alles summiert sich rasch zu einem beachtlichen Betrag auf. In meinem Fall habe ich bereits knapp 1100 Euro ausgegeben – und einige Anschaffungen wie ein Wettkampfanzug, eine (Sport-)Sonnenbrille oder Kontaktlinsen sind noch gar nicht eingerechnet.

Größter Kostenfaktor ist das Radfahren

Der größte Kostenfaktor ist eindeutig das Radfahren. Ich hatte Glück, dass ich für knapp 500 Euro ein gutes, gebrauchtes Rennrad ergattert habe. Aber wie so oft im Leben ist die Skala diesbezüglich nach oben hin offen. Man kann für seinen Flitzer auch gut und gerne den Preis eines gebrauchten Kleinwagens hinlegen. Nicht umsonst spricht man in der Szene von einer „Materialschlacht“.

In die werde ich nicht ziehen. Aber selbst die Grundausstattung kostet eben schon eine schöne Stange Geld. Triathlon ist mir mittlerweile lieb geworden – und teuer.

Die zweite Währung, die bei diesem Sport für meinen Geschmack einen extrem hohen Wechselkurs hat, ist Zeit. Klar, ich müsste nicht so viele Stunden in meine Vorbereitung stecken. Es ist nur ein Hobby, und es ist meine freie Entscheidung. Andererseits möchte ich den Wettkampf in Sassenberg auch genießen können und nicht auf der letzten Rille ins Ziel kriechen.

Ohne Fleiß kein Preis. Also gehe ich das Ganze gründlich an. Manchmal habe ich deshalb schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich nur auf vier, fünf Trainingseinheiten in der Woche komme. In solchen Fällen muss ich mich aber selbst daran erinnern, dass ich es nicht übertreiben sollte. Ich möchte in Sassenberg schließlich nicht als Erster die Ziellinie erreichen, sondern in erster Linie Spaß haben. Und das dürfte auch dann gelingen, wenn der ein oder andere der voraussichtlich knapp 600 Starter vor mir landet . . .

Manchmal kostet das Training Überwindung

Manchmal – da bin ich ganz ehrlich – bereitet mir das Training alles andere als Spaß. Dann kostet es schon Überwindung. Sich morgens um 6 Uhr aus dem Bett zu quälen, um eine Stunde später auf dem Rennrad zu sitzen, ist nicht immer die reine Freude. Apropos Rad: Auf der Leeze habe ich bislang mit Abstand am wenigsten Zeit verbracht. Kein Wunder, da ich erst im April angefangen bin. Hier muss ich in den verbleibenden Wochen noch mal aufsatteln.

Rund ein Viertel meines Pensums entfällt jeweils auf Schwimmen und Laufen. Den Löwenanteil verbringe ich im Fitnessstudio. Was womöglich unplausibel klingt, hat einen einfachen Hintergrund: Dort absolviere ich zwei unterschiedliche Programme mit Übungen für den ganzen Körper. Im Fokus steht dabei das Motto: Rumpf ist Trumpf! Denn der wird bei allen drei Disziplinen beansprucht und soll deshalb durch die Übungen gekräftigt werden.

Angesichts der ganzen Ackerei bin ich abends häufig fertig wie ein Brötchen – und kriege abseits des Sofas nicht mehr viel gebacken. Eines kann ich sagen: So gemütlich wie derzeit hat sich meine Couch nach Feierabend noch nie zuvor angefühlt.

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