Leichtathletik: Münster-Marathon 2018
„Ein magisches Gefühl“: Was Ahlener beim Münster-Marathon empfunden haben

Ahlen/Münster -

Einmal einen Marathon finishen. Neun Ahlener haben es in Münster geschafft. 42,195 Kilometer bieten genug Zeit und Raum für wunderbare Geschichten und unvergessliche Erlebnisse. Hier sind sie.

Donnerstag, 13.09.2018, 17:56 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 13.09.2018, 05:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 13.09.2018, 17:56 Uhr
Bis Kilometer 32 gingen sie ihr Debüt gemeinsam an: Die ASC-Athleten Thomas Schmidt (links) und Patrick Schneider hatten sichtlich gute Laune – und im Ziel neben schweren Beinen vor allem einen Endorphine-Schub.
Bis Kilometer 32 gingen sie ihr Debüt gemeinsam an: Die ASC-Athleten Thomas Schmidt (links) und Patrick Schneider hatten sichtlich gute Laune – und im Ziel neben schweren Beinen vor allem einen Endorphine-Schub. Foto: Ralf Kläsener

Ein Marathon ist gleichzusetzen mit einem Ausnahmezustand. Sowohl für den Körper als auch für den Geist. Die Belastung ist hoch. Der Lohn für die Plackerei aber ist noch viel größer.

Diese Erfahrung machten auch neun Ahlener, die am vergangenen Wochenende die 42,195 Kilometer beim Münster-Marathon absolvierten. Schnellster Athlet aus der Wersestadt war Ralf Gosda, der nach 3:27:11 Stunde die Ziellinie überquerte. 30 Jahre nach seiner Bestzeit von Berlin (2:38 Stunden) und zehn Jahre nach seinem letzten Marathon wollte er es noch mal wissen. „Ich war neugierig auf das Experiment zwischen Wille und Körper und gespannt darauf, ob ich meine Bestzeit mit einer Stunde Alterszuschlag würde unterbieten können“, verriet Gosda seine Motivation. Das klappte vorzüglich.

Willensstärke beflügelt

Kurz vor dem Ziel überholte er mit Elias Hanne (Aramäer Ahlen) sogar den seit vielen Jahren stärksten heimischen Langstreckenläufer, der nach 3:27:40 Stunde finishte. Drittschnellster Ahlener war mit Andreas Hauck (3:33:09) von der LG Ahlen ein Debütant. Als er sich schon kurz vor dem Ziel wähnte, beschleunigte Hauck, um dann festzustellen, dass es noch rund ein Kilometer bis zum ersehnten Moment ist.

„Es ist schon interessant, welchen Unterschied der Kopf bzw. die innere Einstellung macht. Das ist keine neue Erkenntnis. Aber es war spannend, das beim Marathon einmal selbst zu erleben. Ich konnte zum Ende noch mehrmals beschleunigen, ganz einfach weil ich es wollte“, erklärte Hauck stolz.

Fast die Siegerehrung verpasst

Ihm folgte mit Patrick Schneider (3:48:20) vom ASC Ahlen ein weiterer Neuling. Die ersten 32 Kilometer bestritt er gemeinsam mit Vereinskamerad Thomas Schmidt , der ebenfalls seine Premiere gab. Danach setzte sich Schneider ab und erreichte sein Ziel, unter vier Stunden zu bleiben mit Bravour. „Es war traumhaft schön und ich hatte zeitweise eine Gänsehaut, die von den Hacken bis zu den Haarspitzen ging. Es war echt magisch dieses Gefühl“, bekannte Schneider.

Kurz nach ihm finishte Hilla Oldenburger (3:49:07) vom Delta-Lauftreff. Sie war schon auf dem Heimweg, als ihr Vereinskollege Ralf Kläsener mitteilte, dass sie es mit ihrer Top-Leistung in ihrer Altersklasse W50 bis auf Platz zwei geschafft hatte. Umgehend kehrte Oldenburger um und schaffte es noch rechtzeitig zur Siegerehrung aufs Podest. Das war aber nicht das einzig Positive für sie.

Platz zwei in der W50 eroberte die stürmische Hilla Oldenburger.

Platz zwei in der W50 eroberte die stürmische Hilla Oldenburger. Foto: Ralf Kläsener

„Es war bereits mein elfter Marathon in Münster. Daher gehöre ich zum „Jubilee-Club“ und bin erstmalig mit einer goldumrahmten Wunschstartnummer 1209, mein Geburtsdatum, gelaufen. Allein das hatte schon Exklusiv-Charakter“, befand Oldenburger.

Familie trägt Pollmeier ins Ziel

Über sich hinaus wuchs auch Jürgen Pollmeier (4:11:17) von der LG Ahlen. Ab Kilometer 31 plagten ihn Krämpfe. Doch dank der Unterstützung seiner Familie – seine Frau Jutta sowie seine Tochter Jalia und Sohn Jannik feuerten ihn kräftig an – biss sich Pollmeier durch. Auf den letzten sechs Kilometern begleitete ihn Filius Jannik.

Ein Groß an die Lieben am Streckenrand: Jürgen Pollmeier (1505).

Ein Groß an die Lieben am Streckenrand: Jürgen Pollmeier (1505). Foto: Ralf Kläsener

„Er hat mich ins Ziel gezogen“, so Pollmeier. Mission erfüllt. „Das war eine gelungene Generalprobe. Denn nächstes Jahr möchte ich beim Marathon in New York starten“, verriet Jürgen Pollmeier. Erfolgreiche Finisher waren darüber hinaus Kristin Wildoer (4:06:43) und Andreas Wittenbrink (4:29:26).

Der Infektion was gehustet

Womöglich am wenigsten vorbereitet, aber unfassbar willensstark war obendrein Thomas Schmidt. Erst zwei Wochen vor dem Start entschloss er sich – nach erfolgreichem Finish beim Triathlon in Borken – zur Teilnahme. Eine Woche vorher traf er beim Training in Vorhelm zufällig auf seinen ASC-Vereinskollegen Patrick Schneider. Gemeinsam absolvierten sie eine Runde über 35 Kilometer und beschlossen, auch in Münster die Strecke zusammen zu bewältigen. Und gerade mal fünf Tage vor dem Start meldete sich Schmidt – ohne gezielte Marathon-Vorbereitung, aber mit vielen Trainingskilometern in den Beinen – an.

Nur einen Tag nach seiner Anmeldung für den Marathon erwischte Schmidt auch noch eine Erkältung. Der Infektion hustete er ejedoch twas und ließ sich davon nicht ausbremsen. Nach 3:57:20 hatte Thomas Schmidt es bei seiner Marathon-Premiere geschafft. „Der Zieleinlauf war gigantisch. Ich muss mir echt ein paar Tränen verkneifen“, gestand Schmidt überglücklich. So wie ihm ging es vielen Teilnehmern – sie waren zurecht überwältigt vom Stolz auf das Erreichte.

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