Radsport
Gemeinsam (Baum-)Berge versetzen

Vor rund zwei Monaten bestritt Cedric Gebhardt in Sassenberg seinen ersten Triathlon. Am Tag der Deutschen Einheit lässt er nun gleich sein erstes Radrennen folgen. Gemeinsam mit anderen Grünschnäbeln begibt er sich auf die 65 Kilometer des Jedermann-Rennens beim Münsterland-Giro.

Donnerstag, 04.10.2018, 11:52 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 02.10.2018, 20:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 04.10.2018, 11:52 Uhr
Als Einheit stark: (von links) Ralf Kläsener, Thomas Schmidt, Cedric Gebhardt und Torsten Heinemann gehen zusammen mit Mike Sandbothe (nicht im Bild) im Rahmen des Münsterland-Giros beim Jedermann-Rennen über 65 Kilometer an den Start.
Als Einheit stark: (von links) Ralf Kläsener, Thomas Schmidt, Cedric Gebhardt und Torsten Heinemann gehen zusammen mit Mike Sandbothe (nicht im Bild) im Rahmen des Münsterland-Giros beim Jedermann-Rennen über 65 Kilometer an den Start. Foto: Ralf Kläsener

Heute ist Tag der Deutschen Einheit . Klasse, ein Feiertag. Wie die meisten anderen Bundesbürger auch habe ich heute frei. Erst mal in Ruhe ausschlafen, dann ganz gemütlich frühstücken und sehen, was der Tag bringt. . .

Ein wundervolles Szenario. Allein, es wird nicht eintreten. Stattdessen wird mich mein Wecker wohl gegen 4.30 Uhr unsanft aus dem Schlaf reißen. Um 6 Uhr mache ich mich auf den Weg nach Münster. Im Rahmen meiner Triathlon-Vorbereitung habe ich im Juni an einem Workshop für Rennrad-Anfänger bei Fabian Wegmann teilgenommen. Und eben der hat mir eine Teilnahme am Münsterland-Giro schmackhaft gemacht.

Ich habe einige Tage überlegt und mich dann dafür entschieden. Daher ist heute nix mit Müßiggang. Bereits um 7.55 Uhr erfolgt der Start für das Jedermann-Rennen über 65 Kilometer beim Münsterland-Giro, mein erstes Radrennen überhaupt.

Was das angeht, bin ich also noch reichlich grün hinter den Ohren. Aber genau wie bei meiner Premiere beim Sassenberger Triathlon vor zwei Monaten bin ich auch diesmal nicht der einzige Grünschnabel. Denn vom ASC Ahlen werden auch Torsten Heinemann, Mike Sandbothe, Ralf Kläsener und Thomas Schmidt an den Start gehen. Drei von uns geben in Münster ihr Debüt. Ralf Kläsener ist mal sagenhafte 300 Kilometer beim Vätternrundan, einem Ultra-Radrennen in Schweden gefahren. Und Thomas Schmidt ist schon ein Veteran des Giro. Dreimal hat er bereits teilgenommen, zweimal über 65 und einmal sogar über 90 Kilometer. Er überlegt allen Ernstes, womöglich mit dem Rad anzureisen und die 40 Kilometer Anfahrt als kleines Aufwärmen zu nutzen. Das nenne ich Motivation. Thomas war es auch, der mir Mut gemacht hat, die Distanz locker schaffen zu können.

Durch das Windschattenfahren in der Gruppe sei das gar kein Problem. Dadurch spare man bis zu 30 Prozent Kraft. Sagen wir mal so: Ich verlasse mich darauf. Denn bislang bin ich nur ein einziges Mal eine Distanz dieser Länge gefahren – und zwar am vergangenen Sonntag. Da haben wir das gute Wetter für eine Generalprobe genutzt. Unsere Tour führte uns bis nach Lippborg und auf verschlungenen Pfaden wieder zurück.

Dabei ging es von der Langst aus durch die Beckumer Berge. Und mit denen habe ich bereits vor einigen Wochen Bekanntschaft gemacht. Dabei habe ich festgestellt: Die heimatlichen Gefilde haben für Ausfahrten mit dem Rennrad wirklich viel zu bieten. Dazu zählen auch ein paar knackige Anstiege. In meiner Triathlon-Vorbereitung habe ich einst auch eine Tour mit Heinz Reckendrees unternommen, beim ASC Ahlen sicher einer der passioniertesten Vereinskollegen, was Rennradfahren angeht. Er hat mich durch die Beckumer Berge und an meine Grenzen geführt. Während er mühelos jeden noch so steilen Anstieg meisterte, quälte ich mich die Hügel hoch – das Tempo an der Grenze zur Wahrnehmbarkeit, der Puls am Anschlag.

„Kennst du eigentlich schon Heartbreak-Hill?“, erkundigte sich Heinz Reckendrees während unserer Tour bei mir. Ich stöberte in meinem Gehirn. Ich hielt es zunächst für einen Liebesfilm aus Hollywood. Ich sah vor meinem geistigen Auge ein Paar vor einer malerischen Kulisse, sich küssend im Sonnenuntergang. Im Hintergrund die Berge. Doch die Realität hatte mit diesem Idyll nichts zu tun.

Was ich im ersten Moment für eines Herzschmerz-Schmonzette hielt, ist nämlich ein ganz fieser Anstieg in den Beckumer Bergen. Darauf hätte ich natürlich kommen können. Kurz darauf habe ich sie kennengelernt und wusste rasch, woher die Erhebung ihren Namen hat. Nun ja, auch beim Münsterland-Giro dürfte der eine oder anderen Höhenmeter auf uns zukommen.

Vom Stevertal aus geht es hoch zum Longinusturm. Das dürfte anstrengend werden. „Quatsch – in der Gemeinschaft sind wir alle stark“, korrigierte mich unlängst unser Trainer Ralf Kläsener. Gemeinsam haben wir auch das Fahren in der Gruppe inklusive Einer- und Zweierreihe mit energiesparenden Führungswechseln geübt.

Gemeinsam können wir die (Baum-)Berge versetzen, durch die uns die 65 Kilometer lange Strecke führt. Ich hoffe auch sehr, dass Petrus mitspielt. Das nasskalte Schmuddelwetter der letzten Tage entspräche nun wirklich keinen idealen Bedingungen. Laut Prognose soll es immerhin trocken bleiben. Zum Start um 7.55 Uhr soll es zehn Grad Celsius frisch sein. Bei rund 1200 Teilnehmern ist es im Pulk vielleicht etwas wärmer. Wir halten zusammen – passt doch bestens. Ist ja Tag der Deutschen Einheit.

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