Handball: 3. Liga West
Nicht dem Knie beugen: Björn Wiegers arbeitet an seinem Comeback

Ahlen -

So hart hat ihn eine Verletzung noch nie zuvor getroffen. Björn Wiegers droht das vorzeitige Karriereende. Damit will sich der Kreisläufer der Ahlener SG aber nicht abfinden. Darum entdeckt er einmal mehr sein Kämpferherz.

Mittwoch, 10.10.2018, 07:08 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 10.10.2018, 05:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 10.10.2018, 07:08 Uhr
Bein hoch und Daumen hoch: Trotz seiner schweren Verletzung lässt sich Kreisläufer Björn Wiegers seine gute Laune nicht nehmen.
Bein hoch und Daumen hoch: Trotz seiner schweren Verletzung lässt sich Kreisläufer Björn Wiegers seine gute Laune nicht nehmen. Foto: Ahlener SG

Um zu verstehen, wie sich Björn Wiegers dieser Tage fühlt, hilft eine Alltagserfahrung, die sich jeder gerne ersparen würde. Vermutlich kennt ihn jeder, den Moment, in dem man nachts aufwacht und man unwillkürlich einen Wadenkrampf hat. „Diesen hochintensiven Krampfschmerz habe ich permanent am hinteren Oberschenkel – das macht mich kirre“, sagt Wiegers . Er ist nach Kim Voss-Fels bereits der zweite Langzeitpatient der ASG.

Der Kreisläufer der Ahlener SG hat sich beim Heimspiel gegen die SG Menden Sauerland Wölfe fünf Sekunden vor Schluss das Innenband- und das vordere Kreuzband gerissen. Und als sei das noch nicht genug, hat es auch gleich noch den Außenmeniskus erwischt. „Ich habe mir das komplette rechte Knie zerstört“, bilanziert „Otzi“ nüchtern. Ausgerechnet in seiner letzten Saison vor dem Karriereende hat es ihn nun derart hart getroffen.

Glück im Unglück

Das Hadern über dieses Schicksal hat jedoch nicht allzu lange vorgehalten. „Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich noch nie vorher so eine schlimme Verletzung hatte. Dass ich keine 20 mehr bin und meine Karriere noch vor mir habe, ist in der jetzigen Situation ein Vorteil. Ich habe alles erreicht, was ich erreichen wollte“, betont der 36-Jährige.

Der Schockmoment: Fünf Sekunden vor Schluss im Heimspiel gegen Menden schlägt das Schicksal bei Björn Wiegers unerbittlich zu.

Der Schockmoment: Fünf Sekunden vor Schluss im Heimspiel gegen Menden schlägt das Schicksal bei Björn Wiegers unerbittlich zu. Foto: René Penno

Eine beruhigende Erkenntnis. Und dennoch schmerzt die missliche Lage. Denn seine Abschiedstournee wollte der ASG-Publikumsliebling ursprünglich in vollen Zügen genießen.

Der Keks unterm Fuß

Und jetzt? Jetzt heißt es Frust statt Lust. „Mir fällt so die Decke auf den Kopf. Ich drehe am Rad“, verrät Björn Wiegers. Er verbringt (unfreiwillig) viel Zeit im Bett. Im Clemens-Hospital in Münster, in dem Wiegers von Chefarzt Prof. Dr. Horst Rieger behandelt wird, besteht ein Großteil der täglichen Bewegung in der Mobilisation des lädierten Knies. Ein Spezialgerät sorgt bis zu acht Mal am Tag dafür, dass das Knie des Ahleners auf bis zu 20 Grad hoch gebeugt und bis minus fünf Grad gestreckt wird. Eine schmerzhafte Angelegenheit, die nur durch entsprechende Medikamente gelindert wird.

„Bei mir brauchst du schon eine Elefantendosis“, weiß „Otzi“. Die ersten Tage im Krankenhaus war er allein schon von der Dröhnung an Morphium nahezu ausgeknockt. „Anfangs ging es mir richtig dreckig und ich hatte höllische Schmerzen. Aber ich bin hier gut aufgehoben und werde fein bemuttert“, sagt Wiegers.

Das dritte Kind zu Hause

Ans Stehen und Gehen ist trotzdem nur selten zu denken. Erst in drei bis vier Wochen wird der Kreisläufer seinen Fuß wieder voll belasten können. „Vorher kann man sich das mit dem Druck so vorstellen, als hätte ich einen Keks unter dem Fuß und der darf nicht kaputt gehen“, sagt Wiegers. Geduld ist zwar weiterhin die am stärksten gefragte Eigenschaft. Allmählich merke er aber Fortschritte.

Die Partie gegen die SG Menden Sauerland Wölfe soll nicht der letzte Einsatz von „Otzi“ gewesen sein. Noch einmal möchte der 36-Jährige für die ASG auf der Platte stehen.

Die Partie gegen die SG Menden Sauerland Wölfe soll nicht der letzte Einsatz von „Otzi“ gewesen sein. Noch einmal möchte der 36-Jährige für die ASG auf der Platte stehen. Foto: René Penno

Dazu gehört auch, dass er am Mittwoch aus dem Hospital entlassen wird. „Damit bin ich nun das dritte Kind zu Hause“, flachst Wiegers. Seine Frau Lena dürfte in nächster Zeit alle Hände voll zu tun haben, um ihren Gatten, Töchterchen Aurelie und Familienhund Pepe gleichermaßen zu versorgen. „Ich habe eine starke Frau, sie packt das“, glaubt Wiegers.

Drei Etappen – ein Ziel

Seine persönliche Zielsetzung umfasst drei Etappen, die aufeinander aufbauen. Nummer eins: „Ich möchte schnellstmöglich mobil werden und das Knie belasten können, um mich normal und schmerzfrei bewegen zu können.“ Krankengymnastik und Lymphdrainage sollen ihn in den nächsten zwei bis drei Wochen zu Ziel Nummer zwei führen: „Ich möchte schnellstmöglich wieder in meinen Beruf zurückkehren und einen geregelten Alltag haben.“ Parallel dazu möchte Wiegers dann seine Reha starten.

Ist die vollendet, zündet Stufe drei. „Ich möchte noch einmal mit den Jungs auf der Platte stehen. Ich möchte mich noch einmal in einem normalen Meisterschaftsspiel in die Friedrich-Ebert-Halle einlaufen, mich mit der Mannschaft warm machen und dem Ahlener Publikum Tschüss sagen und mich dafür bedanken, wie es mich unterstützt hat. Dann könnte ich meine Laufbahn mit einem guten Gefühl beenden. Bis dahin ist es ein langer Weg. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich das durchziehe. Ich nehme den Kampf auf.“ So leicht wird er sich nicht dem Knie beugen.

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