Boule: Pétanque-Club La Différence Ahlen
„Ich denke gar nicht daran aufzuhören“

Ahlen -

Seit 17 Jahren ist Jeshu Jakob Vorsitzender des PC La Différence Ahlen. Amtsmüde ist er noch lange nicht. Im Jubiläumsjahr des Vereins hat der 62-Jährige weiterhin Ziele, die er im Interview verrät.

Donnerstag, 24.01.2019, 05:00 Uhr
Gründungsmitglied und prägende Figur: Jeshu Jakob ist beim Pétanque-Club La Différence Ahlen eine Institution. Seit der ersten Stunde ist er dabei und seit 17 Jahren ist er dessen Vorsitzender. Für die Zukunft wünscht er sich, dass Boule mehr Beachtung findet.
Gründungsmitglied und prägende Figur: Jeshu Jakob ist beim Pétanque-Club La Différence Ahlen eine Institution. Seit der ersten Stunde ist er dabei und seit 17 Jahren ist er dessen Vorsitzender. Für die Zukunft wünscht er sich, dass Boule mehr Beachtung findet. Foto: Dierk Hartleb

Was alles aus einem Urlaub entstehen kann. Der Pétanque-Club La Différence Ahlen ist das Produkt eines Ferienaufenthalts. 1989 entdeckten Axel Ronig und Volker Alteheld den Boule-Sport bei einem Urlaub in Frankreich – und importierten ihn nach Ahlen. Bereits zwei Jahre später schloss sich die Spielgemeinschaft als eigenständige Abteilung Pétanque dem ASC Ahlen an. Am 5. September 2001 gründete sich schließlich der selbstständige Verein. Dessen Name La Différence verweist auf ein Bistro, dessen Besitzer in den Anfangszeiten des Clubs seinen Parkplatz für ein paar Trainingsstunden offerierte. Jeshu Jakob ist eines der Gründungsmitglieder – und seit 2001 Vorsitzender des Vereins. Unser Redakteur Cedric Gebhardt sprach anlässlich des 30-jährigen Bestehens mit dem 62-Jährigen.

Herr Jakob, seit mehr als 17 Jahren sind Sie Vorsitzender des Pétanque-Clubs. Sind Sie noch gar nicht amtsmüde?

Jakob: Anfangs bin ich davon ausgegangen, dass ich das Amt nur vorübergehend übernehme. Ich habe niemals daran gedacht, den Vorsitz so lange zu behalten. Aber es macht eine Menge Spaß und die Geselligkeit im Verein ist großartig. Wir haben eine familiäre Atmosphäre. Alle zwei Jahre biete ich bei Vorstandswahlen meinen Posten an. Doch dann heißt es: „Nein, mach du das mal.“ Im Moment denke ich jedenfalls gar nicht ans Aufhören. Dafür macht mir die Aufgabe einfach zu viel Freude. Außerdem habe ich hervorragende Vorstandskollegen. Die Arbeit ist gut verteilt. Jeder nimmt seinen Job sehr ernst und erledigt gewissenhaft seine Aufgaben.

Was macht für Sie den Reiz des Boulesports aus?

Jakob: Wir betreiben einen Freizeitsport, der nicht vergütet wird. Aber das Boulespiel ist gleichermaßen eine körperliche wie geistige Betätigung. Anders als beim Fußball oder Handball ist es weniger lebhaft. Dafür genießt man es, wenn eine Kugel gut gelegt worden ist. Und es herrscht eine tolle Atmosphäre, die es in anderen Sportarten so nicht gibt. Das liegt aber auch an unserem Verein. Wenn wir für ein Turnier Helfer benötigen, packen nicht nur unsere Mitglieder, sondern auch deren Familien mit an. Es kommt vor, dass wir einigen sogar absagen müssen. ‚Tut uns leid, ihr könnt gerne beim nächsten Mal helfen.‘ Hier ist sich keiner für etwas zu schade. Das unterscheidet uns sicher von manchem Verein.

Wenn Sie zurückblicken: Was waren Ihre persönlichen Höhepunkte in den 30 Jahren des Vereinsbestehens?

Jakob: Da gibt es vor allem drei Highlights. 1994 sind wir als Mannschaft NRW-Westfalenmeister geworden. 2007 waren wir außerdem Erster in der Regionalliga Nord und haben damit den Aufstieg in die NRW-Liga geschafft. Dort haben wir uns drei Jahre gehalten, ehe wir 2011 wieder abgestiegen sind. Ein weiteres Highlight war die Teilnahme von Robert Castonguay an unserem diesjährigen Jahreinboule. Er stammt aus Kanada. Weit gereister Gast: Robert Castonguay aus Montreal erhielt eine Flasche Sekt von Jeshu Jakob. Foto: PC La Différence

Was verschlägt einen Kanadier ins Boulodrome nach Ahlen?

Jakob: Robert hat Verbindungen zu Deutschland und lebte einige Zeit bei Freunden in Bielefeld. Die wollten ohnehin an unserem Jahreinboule teilnehmen. Da Robert selbst Lizenzspieler aus Montreal ist, ist er mitgefahren. Wir haben als Spieler mit der weitesten Anreise mit einer Flasche Sekt ausgezeichnet. Sonst hatten wir schon mal Teilnehmer aus Frankreich, aber ein Kanadier ist schon was Besonderes. Ihm hat unser Boulodrome gut gefallen. Kein Wunder, es ist einer der besten Plätze im Münsterland.

Der pünktlich zum Jubiläum noch mal in Schuss gebracht wurde.

Jakob: Ja, anlässlich des 30-jährigen Jubiläums wurde die Außenanlage ebenso wie die Toiletten saniert. Wir haben neue Balken für die Plätze erhalten und neuen Schotter bekommen. Außerdem hat Kai Wohlgemuth, ein Künstler aus Hamm, unser Clubheim im September vergangenen Jahres mit einem Graffiti besprayt. Das Clubheim erstrahlt passend zum Jubiläum in neuem Glanz und wurde durch den Künstler Kai Wohlgemuth mit einem Graffiti verziert. Foto: PC La Différence

Boule fristet in Deutschland ein Schattendasein. Wie beurteilen Sie den Stellenwert Ihres Sports?

Jakob: Boule ist nicht so populär wie Fußball und Handball, wo Tausende in die Stadien und Hallen strömen. Wenn wir Turniere ausrichten, wünschen wir uns mehr Zuschauer. Aber die Resonanz ist leider recht gering.

Worauf führen Sie das zurück?

Jakob: Viele kennen den Sport gar nicht. Das ist natürlich ein Hindernis. Viele haben Pétanque schon mal im Urlaub gesehen und vergleichen es mit Boccia. Aber das Interesse an Boule ist einfach nicht so stark ausgeprägt. Der Altersdurchschnitt ist auch recht hoch, liegt bei 60 aufwärts. Das ist in der Bouleszene aber nichts Neues.

Nun läuft das Jubiläumsjahr an. Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?

Jakob: Wir würden gerne die Zahl unserer Mitglieder steigern. Aktuell sind es nur 34. Wir würden gerne die magische Grenzen von 50 knacken. Es geht aber auch darum, dass wir in Ahlen bekannter werden. Boule kennt keine Altersbeschränkung. Jeder, der eine Kugel halten und werfen kann, kann es spielen – und das zwölf Monate im Jahr. Jeder, der möchte, kann es gerne mal bei uns ausprobieren. Eine Mitgliedschaft ist keine Pflichtmaßnahme. Wir möchten auch in Zukunft ein Bestandteil des Sportlebens in Ahlen bleiben.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6340959?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F57550%2F
Werkshalle in Neubeckum steht in Flammen
Großeinsatz der Feuerwehr: Werkshalle in Neubeckum steht in Flammen
Nachrichten-Ticker