Fußball: Kreisvorsitzender Manfred Mielczarek im Interview
„Abstinenz kann ich mir nicht vorstellen“

Ahlen -

70 Jahre im Fußball hat er auf dem Buckel, 12 Jahre als Vorsitzender des Fußballkreises Beckum. Am Freitag ist für Manfred Mielczarek Schluss. Dann gibt er seinen Posten ab. Was seine größten Triumphe und Niederlagen waren und was er nun macht, erzählt er im Interview.

Mittwoch, 13.03.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 15.03.2019, 12:52 Uhr
Der Fußballkreis-Vorsitzende und sein mutmaßlicher Nachfolger: Am Freitag will Manfred Mielczarek (l.) sein Amt an den bisherigen Ehrenamtsbeauftragten Peter Wiethaup übergeben. Unten ist Mielczarek in der Saison 1981/1982 mit Fortuna Ahlen zu sehen (2. o. l.)
Der Fußballkreis-Vorsitzende und sein mutmaßlicher Nachfolger: Am Freitag will Manfred Mielczarek (l.) sein Amt an den bisherigen Ehrenamtsbeauftragten Peter Wiethaup übergeben. Unten ist Mielczarek in der Saison 1981/1982 mit Fortuna Ahlen zu sehen (2. o. l.) Foto: Marc Kreisel

Ein Leben mit und für den Fußball – so kann man die letzten 70 Jahre von Manfred Mielczarek beschreiben. Seit er 1949 zum ersten Mal einen Trainingsplatz betreten hat, hat ihn das Spiel nicht mehr losgelassen. Mittlerweile hat er fast jeden Posten bekleidet, den es drum herum zu bekleiden gibt: Erst als Spieler, später als Trainer und schließlich – bis heute – als Schiedsrichter und mitunter streitbarer Funktionär. Am Freitag gibt der Vorsitzende des Fußballkreises Beckum dieses Amt nach zwölf Jahren ab. Redakteur Henning Tillmann sprach mit dem 79-Jährigen über Leiden und Leidenschaften eines Kreisvorsitzenden und was Mielczarek nun an den Wochenenden macht.

Herr Mielczarek, solange wir uns kennen, sind Sie schon Vorsitzender das Fußballkreises. Aber wie Sie das geworden sind, weiß ich nicht.

Manfred Mielczarek: Da bin ich so reingerutscht. Mit dem Fußball angefangen habe ich 1949 als Schüler bei Wacker Ahlen. Da habe ich als Jugendlicher und bei den Senioren gespielt. Zusätzlich von 1961 bis 1968 hat es mich auch zur 1. Handball-Mannschaft von Blau-Weiß Ahlen verschlagen. 1968 habe ich dann mit neun Brüdern und Neffen die „Jupp-Elf“ gegründet.

Fortuna Ahlen mit Manfred Mielczarek (2.o.l.) anno 1981/1982.

Fortuna Ahlen mit Manfred Mielczarek (2.o.l.) anno 1981/1982. Foto: Fortuna Ahlen

„Jupp-Elf“? Das sagt mir gar nichts.

Mielczarek: Die ist nach meinem verstorbenen Bruder benannt. Zuerst war es eine Thekenmannschaft. Ab 1970 sind wir dann aber als Fortuna Ahlen in den regulären Spielbetrieb ein- und drei Mal hintereinander aufgestiegen. Seit 1973 war ich dann Spielertrainer und Geschäftsführer bei Fortuna, 1975 habe ich noch meinen Schiedsrichter-Schein gemacht. Und 1988 wurde schließlich zunächst kommissarisch ein Nachfolger als C-Liga-Staffelleiter gesucht. 1992 habe ich dann die A- und B-Liga sowie den Krombacher-Kreispokal als Leiter übernommen und bin schließlich 2007 in Beckum zum Kreisvorsitzenden gewählt worden.

Hat Ihnen denn der Wechsel vom Aktiven zum Funktionär gleich genauso viel Spaß gemacht?

Mielczarek: Es hat schon gleich Spaß gemacht, auch wenn die Arbeit beispielsweise als Staffelleiter damals noch deutlich mühseliger war. Digital war da ja noch nichts. Die Ergebnisse mussten alle einzeln von den Mannschaften per Telefon gemeldet werden. Dann haben wir Staffelleiter die Tabellen erstellt. Sperren für fünf Gelbe Karten und dergleichen gab es nicht. Das kam erst mit der Einführung des DFBnet ab 2005. Das war gleich eine riesen Erleichterung für alle Staffelleiter.

Und die Entwicklung geht weiter. Bald kommt der elektronische Spielerpass. Dann gibt es nicht mehr die Erneuerung 15 Jahre alter Passfotos in ebenso alten Dokumenten.

Mielczarek: Genau. Ab der Bezirksliga haben wir das sogar schon. Ab der Saison 2019/2020 wird der elektronische Pass für alle Ligen darunter ebenfalls eingeführt. Auch das ist wirklich eine tolle Sache!

Es gab aber sicher nicht nur Positives in Ihrer Zeit als Funktionär und insbesondere Kreisvorsitzender.

Mielczarek: In der Tat. Es gibt nicht immer nur lächelnde, sondern manchmal auch trübe Augen. Für mich war das Schlimmste, dass die Gebietsreform nicht gekommen ist und wir nicht mit den anderen Vereinen aus dem Kreis Warendorf zusammengehen konnten. Das einzig Positive für mich an dieser Geschichte: Dass es nun nicht mehr Kreis Münster-Warendorf heißt. Der Fußballkreis Münster, der sich inoffiziell so genannt hat, darf das nicht mehr.

lacht Unser beider Lieblingsthema. . .

Mielczarek: Ja, da hatten wir uns ja mal in den Haaren. Ich bleibe dabei: Für Beckum wäre es ein Fortschritt gewesen, aus dem politischen auch einen Fußballkreis Warendorf zu bilden. Wir hätten hier neue Gesichter zu sehen bekommen. Stattdessen kocht jeder Kreis weiter sein eigenes Süppchen. Nun ja, damit kann ich jetzt auch leben.

Die Situation scheint ziemlich verfahren. Wird es bei diesem Thema in absehbarer Zeit noch einmal einen neuen Anlauf geben?

Mielczarek: Irgendwann ganz sicher, aber sicher nicht in der nahen Zukunft. Der demographische Wandel kommt aber auch zu uns. Wir haben es ja am Kreis Lüdinghausen gesehen, der wegen zu weniger Mannschaften hinschmeißen musste. Ich habe deshalb nur einen Wunsch: dass der politische und sportliche Kreis irgendwann eine Einheit sind. Das wäre eine vernünftige Grundlage für die dann folgenden Jahre. Meinen Nachfolgern habe ich mit auf den Weg gegeben: „Bitte verkauft uns nicht so schnell wie möglich.“

Ein weiterer Dauerbrenner in ihrer Amtszeit war das Thema Aufstieg. Wegen seiner Größe hatte Beckum zeitweise nur einen halben Aufsteiger. Dann kurz wieder einen ganzen, und schließlich hat der Verbandsfußballausschuss die Neuregelung der Neuregelung wieder kassiert. Zuletzt hat das Verbandssportgericht in Ihrem Sinne entschieden.

Mielczarek: Der Aufstieg war jedes Jahr ein leidiges Thema. Ich habe immer gesagt: Ein Meister muss auch aufsteigen. Dafür habe ich gekämpft und mir sicher keine Freunde beim Verband damit gemacht. Zusammen mit den Kollegen der Kreise Arnsberg und Lüdenscheid haben wir aber weitergekämpft. Dafür kann ich mir vor die Brust klopfen und sagen: Das habe ich geschafft!

Nicht nur vom Verband, auch aus Oelde bekamen sie zwischenzeitlich was zu hören. Die Spielvereinigung, zwei Mal Meister der Kreisliga A, war beide Male in der Relegation gescheitert. Und dann sollten sie Schuld gewesen sein, dass es mit dem Aufstieg nichts wurde.

Mielczarek: Dass mir das vorgeworfen wurde, konnte ich nicht so stehen lassen. Aber man muss eben auch einstecken können. Ich habe andererseits eine gute Vorstandsmannschaft gehabt, mit der man gut zusammenarbeiten konnte.

Manfred Mielczarek mit Ehefrau Magdalena.

Manfred Mielczarek mit Ehefrau Magdalena. Foto: Marc Kreisel

Nun übergeben Sie Ihr Amt, mutmaßlich an Peter Wiethaup von Westfalia Vorhelm. Wissen Sie schon, was Ihnen sonst am Freitag blüht? Und verspüren Sie schon Wehmut?

Mielczarek: Ich werde noch ein paar Ehrungen machen und an Peter übergeben. Das ist ein Guter! Was sonst passiert, weiß ich nicht. Aber Wehmut? Nein. Auf den Plätzen wird man mich hundertprozentig weiterhin sehen. Fußball ist eben mein Leben. Und ich werde mir das anschauen – immer neutral, immer fair und das Wichtigste: Ich werde auch weiterhin niemals den Schiedsrichter anpöbeln. Ich bin ja selbst einer. Abstinenz vom Fußball kann ich mir nicht vorstellen. Da kriege ich auch Ärger mit meiner Frau!

Weil die Sie nicht so oft zu Hause haben will?

Mielczarek: lacht Das nicht. Auf mehr gemeinsame Zeit freut sie sich schon. Aber ich soll kein Rentner werden, der nur noch im Sessel sitzt. An dieser Stelle muss ich ihr ein großes Kompliment machen. Sie hat mich mehr als 30 Jahre immer bei allem unterstützt. Ohne eine Frau, die dahinter steht, brauchst du es auch gar nicht machen!

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