Fußball: Oberliga Westfalen
Christian Britscho: „Bei RW Ahlen müssen wir Gefühle verkaufen“

Ahlen -

Christian Britscho denkt bei RW Ahlen nicht nur ans Tagesgeschäft. Die Pläne des Trainers gehen weit darüber hinaus. Im Interview verrät er, was er in den nächsten Jahren mit dem Oberligisten vorhat und warum er nichts von halben Hähnchen hält.

Freitag, 15.03.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 20.03.2019, 16:28 Uhr
Möchte aus dem Status Quo das Optimum herausholen: RW Ahlens Oberliga-Trainer Christian Britscho.
Möchte aus dem Status Quo das Optimum herausholen: RW Ahlens Oberliga-Trainer Christian Britscho. Foto: Marc Kreisel

Zum Gesprächstermin in der Geschäftsstelle erscheint Christian Britscho mit einer schwarzen Jogginghose unter dem Arm. Die drückt er Geschäftsführer Gero Stroemer in die Hand mit der Bitte um Beflockung. „Da kannst du „TR“ draufmachen, dann könnt ihr sie beim nächsten Trainer noch mal wiederverwenden“, flachst Christian Britscho. In Wirklichkeit aber soll die Hose dann doch seine Initialen „CB“ tragen. Und das gerne für lange Zeit, denn der 49-Jährige hat bei und mit Rot-Weiß Ahlen viel vor, wie er unserem Redakteur Cedric Gebhardt verraten hat.

Herr Britscho, bei Ihrem Amtsantritt haben Sie davon gesprochen, dass man bei RW Ahlen mal wieder kräftig durchlüften müsse, um das vorhandene Potenzial zu entstauben. Was ist bei Ihren Reinigungsarbeiten bislang zum Vorschein gekommen?

Britscho: Wenn man allein das Strukturelle sieht, ist das richtig, richtig gut. Da kannst du viel draus machen. Das Wichtigste ist für mich aber, herauszufinden, wozu die Menschen, die hier tätig sind, bereit sind. Sind Sie bereit, den neuen Weg, den wir einschlagen möchten, mitzugehen? Wer ist wie weit bereit, sich zu bewegen? Dass ich bereit bin, mich zu bewegen, beweise ich jeden Tag. Das fängt schon mit der An- und Abreise aus und nach Bochum an. Von daher lasse ich mich voll und ganz hier auf die Gegebenheiten ein.

Wie sehen diese Gegebenheiten aus?

Britscho: Mir geht es darum, die Gegebenheiten, die wir haben, optimal auszunutzen. Wenn wir das tun, kann uns kein anderer Verein in der Oberliga das Wasser reichen. Wir haben zum Beispiel genau gegenüber der Kabine einen Videoraum installiert. Außerdem würden wir künftig gerne einen Kraftraum einrichten. Der Fanclub „Fans on Tour“ hat uns zudem ermöglicht, dass wir den Spielern nach dem Training ein Müsli-Buffet anbieten können. In der Kabine steht Obst. Es geht um eine gesunde, ausgewogene Ernährung, damit sich die Jungs nach schweren Einheiten nicht mit knurrendem Magen auf die Heimfahrt machen.

Das sind Kleinigkeiten.

Britscho: Ja, das sind absolute Kleinigkeiten und genau um die geht es. Es geht darum, dass sich die Spieler wohl fühlen. So kommt Mosaikstein zu Mosaikstein. Wir sind finanziell nicht auf Rosen gebettet. Also ist mein Credo: Wir müssen Gefühle verkaufen. Jeder Spieler, der hierhin kommt, muss merken: Die hier sind anders. Und wenn der Spieler schon auf Geld verzichtet, dann ist der Verein auch bereit, in seinem Rahmen von A bis Z alles zu bieten, was Fußball auf diesem Level schön macht. Mir geht es darum, dass die Jungs, die sich für uns entscheiden, sagen: Woanders kann ich mehr Geld verdienen oder habe kürzere Anfahrtswege, aber das Gesamtpaket Ahlen ist cool.

Sie haben von einem neuen Weg gesprochen, den Sie einschlagen möchten. Wie soll der aussehen?

Britscho: Wir sind dabei, jeden Stein umzudrehen und zu prüfen, was uns helfen könnte, die hier vorhandenen Ressourcen komplett auszunutzen.

Wie weit ist RW Ahlen davon aktuell entfernt?

Britscho: Das kommt immer darauf an, von welchen Zielen wir ausgehen. Wenn wir von der Oberliga reden, sind wir schon sehr, sehr weit. Wenn wir davon reden, dass sich der Verein dort im oberen Bereich etablieren möchte und perspektivisch mal die Regionalliga anpeilt, sollte er auf diesen Schritt vorbereitet sein. Dann ist es schlecht, wenn man der Musik hinterherläuft, wenn es soweit ist. Denn vieles, was uns dann helfen würde, würde uns ja auch schon jetzt helfen.

Innerhalb welchen Zeitraums lassen sich Ihre Vorstellungen umsetzen?

Britscho: Wir reden etwa von drei Jahren. Wir wollen als erste Mannschaft mit gutem Beispiel vorangehen. Aber es geht natürlich auch um den Nachwuchsbereich. Wir sollten sehen, welche Talente, welche Juwelen wir hier haben. Gehen wir mal vom jetzigen U17-Altjahrgang aus. Diese Jungs sollten wissen, was sie künftig erwartet. Wir denken schon an morgen und übermorgen, um ihnen eine gute sportliche und menschliche Heimat zu bieten.

Das klingt alles sehr professionell und erinnert an den VfL Bochum, bei dem Sie zehn Jahre tätig waren. Was können Sie an Ideen aus dieser Zeit bei RWA einbringen?

Britscho: Zum Beispiel das Krafttraining, das ist ein unverzichtbarer Faktor, um Jugendspieler an den Seniorenbereich heranzuführen. Jeder sagt, der Sprung vom Junioren- zum Seniorenbereich sei hart. Klar, wenn du nur so halbe Hähnchen hast, wie sollen die sich körperlich angemessen wehren? Deshalb ist Kraft- und Athletiktraining so entscheidend. Denn je kleiner der körperliche Unterschied beim Schritt vom Junior zum Senior ausfällt, umso mehr können wir uns nur noch um das Fußballerische kümmern.

In den vergangenen Jahren herrschte bei RW Ahlen eher eine Art Mangelverwaltung. Was Sie schildern, klingt tatsächlich nach Aufbruchstimmung.

Britscho: Das ist genau das, was wir brauchen. Wir haben ein fantastisches Stadion und mir haben schon Dutzende Leute erzählt, wie geil es dort ist, wenn Stimmung herrscht. Ich habe aber von diesem Stadion nichts, wenn ich von dieser Euphorie nichts spüre. Also müssen wir daran arbeiten, diese Euphorie neu zu entfachen. Mir wurde von allen Seiten versichert, diese Flamme lodert noch. Also müssen wir da jetzt fässerweise Benzin draufkippen, um zu gucken, was das für ein Flächenbrand werden kann. Je heißer, desto besser. Ich bin gespannt, was hier geht. Ich bin bereit, alles zu investieren. Ich möchte diese Euphorie hier spüren, deshalb bin ich hier.

Wie sieht der Fußball aus, den Sie gerne entwickeln möchten?

Britscho: Ich selbst war ein sehr defensiv denkender Spieler. Als Trainer denke ich offensiv. Das ist für mich auch immer wieder selbst sehr überraschend. Das hat sich komplett gewandelt.

Wie kommt das?

Britscho: Ich glaube, weil es mehr Spaß macht, mit dem Ball etwas zu machen, als der Kugel nur immer hinterherzujagen. Das führt vielleicht beides zum Ziel, aber ich bin ein absoluter Spaßmensch. Selbst wenn das eine mehr Arbeit bedeutet und eigener Ballbesitz bedeutet definitiv mehr Arbeit, so macht es trotzdem mehr Spaß, aktiv zu sein. Wir machen auf dem Platz zwar nicht alles so, dass man als Betrachter mit der Zunge schnalzt, aber so, dass es einen Plan verfolgt. Man erkennt langsam, welchen Fußball wir mit und gegen den Ball spielen wollen. Man erkennt von Woche zu Woche, wie immer mehr Feinheiten funktionieren. Die Jungs wissen, was sie tun. Das ist entscheidend.

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