Leichtathletik: Ahlener nimmt neuen Anlauf
Der Ferrari in dir: Dennis Biederbick hofft weiterhin auf Olympia 2020

Ahlen -

Die abgelaufene Saison war eine zum Vergessen für Dennis Biederbick. Nichts lief nach Plan für den Ahlener Mittelstreckenläufer. Seinen Traum von den Olympischen Spielen hat er aber deshalb noch lange nicht abgehakt.

Dienstag, 01.10.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 02.10.2019, 20:22 Uhr
Flucht nach vorn: Dennis Biederbick hat nach einer für ihn vollkommen enttäuschenden Saison zuletzt vier Wochen pausiert. Im neuen Jahr soll alles besser werden. Den Traum von Olympia hat der Ahlener noch nicht begraben.
Flucht nach vorn: Dennis Biederbick hat nach einer für ihn vollkommen enttäuschenden Saison zuletzt vier Wochen pausiert. Im neuen Jahr soll alles besser werden. Den Traum von Olympia hat der Ahlener noch nicht begraben. Foto: Danny Schott

Ein bisschen, sagt Dennis Biederbick , komme er sich manchmal so vor wie Sebastian Vettel . „Der Wille ist da, aber das Auto funktioniert nicht.“

So sehr sich der Formel-1-Pilot sich auch bemüht, er kriegt seine PS nicht immer wie gewünscht auf die Piste. Dennis Biederbicks Vorteil ist, dass er weiß, dass in ihm selbst ein Ferrari stecken kann. Der allerdings hielt sich zuletzt derart geschickt verborgen, dass sich unweigerlich die Frage aufdrängte, ob er noch vorhanden ist. Im Sommer musste Biederbick wie im Vorjahr seine Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft in Berlin absagen. Und jüngst büßte der Ahlener auch noch seinen Status als Perspektivkader-Athlet des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) ein, weil er die dafür notwendige Norm nicht erreichte.

Ein Titel – aber kein Jubel

Die lag über 800 Meter bei 1:46,6 Minuten. In Pfungstadt Ende August blieb die Uhr bei 1:48,26 stehen, drei Tage zuvor beim EAA Area Permit-Meeting in Luxemburg gar bei 1:52,87. Selbstzweifel machten sich breit. Seinen einzigen Titel in diesem Jahr gewinnt er bei der Polizeimeisterschaft in Göttingen. Auch hier steht eine 1:52 – freuen kann er sich über den Sieg nicht.

„Ich bin in der Vergangenheit nach Verletzungen schneller gelaufen als jetzt, wo ich kerngesund bin. Ich bin schlichtweg zu langsam. Das ist frustrierend, denn ich reiße mir regelmäßig den Arsch auf. Ich habe mich schwindelig gelaufen im Training“, sagt Biederbick. Frust und Enttäuschung nagen an ihm.

200 Meter voller Sorgen

„Die letzten 200 Meter sind schon seit längerer Zeit nicht mehr meine Stärke. Hinten raus ist der Akku leer. Ich weiß nicht, was mir fehlt im Rennen. Ich frage mich, warum das so ist, weil ich bis zum Anschlag trainiere. Ich weiß nicht, was ich noch besser machen kann. Langsam gehen mir wirklich die Ideen aus“, bekennt der 22-Jährige.

Gemeinsam mit Bundestrainer Georg Schmidt habe er zwischenzeitlich den Trainingsplan umgestellt, um das eigene Potenzial wieder besser auszuschöpfen. Für die nächste Saison möchte Dennis Biederbick knackigen Intervallen wieder gegenüber der Ausdauer den Vorzug geben, um an Dynamik zuzulegen.

Punkten für die Weltrangliste

Denn geschlagen geben wird sich der Athlet der LG Eintracht Frankfurt nicht. Sein Traum von den Olympischen Spielen lebt: „Jeder fragt mich: Bist du bescheuert, dass du bei deinen Leistungen wirklich noch an Olympia glaubst? Ich weiß, dass das Ziel vielleicht übertrieben klingt. Aber mir bleibt ja nichts anderes übrig, als weiter daran zu glauben“, sagt Biederbick.

Die Qualifikation für Tokio 2020 erfolgt über eine Weltrangliste. Um dort so weit oben wie möglich zu stehen, muss der Mittelstreckenläufer keine Norm knacken, er muss eifrig Punkte sammeln.

„Daher ist mein nächstes Ziel, im neuen Jahr in der Halle mein Comeback zu starten und Präsenz zu zeigen“, sagt Biederbick. Besonders im Fokus hat er das PSD-Bank-Meeting in Düsseldorf und die DM in Leipzig. Für die bevorstehenden Aufgaben „muss ich dafür sorgen, dass ich den Kick auf den letzten 200 Metern wiederfinde“. Hart an sich arbeiten möchte er auch im Rahmen dreier Trainingslager in Kenia und Südafrika im kommenden Jahr.

Keine finanzielle Unterstützung mehr

Weil er den Perspektivkader-Status verloren hat, gibt es vom DLV keine finanzielle Unterstützung mehr. „Das fällt richtig ins Gewicht. Ich muss alles selbst zahlen. Für Flüge, Unterkunft und Verpflegung sind das rund 2000 Euro pro Trainingslager“, rechnet Biederbick vor. Zum Glück unterstützt ihn seit einigen Wochen eine Sportstiftung aus Frankfurt, die die Hälfte der Kosten übernimmt. Die andere Hälfte muss der Ahlener irgendwie zusammenkratzen.

Vier Wochen lang hat Dennis Biederbick zuletzt gar nichts getan. Einfach nur regeneriert, es ruhig angehen lassen. Seit Montag startet er wieder durch, hat die Vorbereitung aufgenommen. Sein großes Ziel heißt Tokio. Nicht abzuschätzen, ob er es erreicht.

Sein Teamkollege Robert Farken hat ebenfalls ein Jahr zum Vergessen hinter sich. Nach einem Autounfall musste er im Mai notoperiert werden. Die Ärzte fragten sich, ob er überhaupt würde wieder laufen können. Farken gab selbst die Antwort. Er schuftete für sein Comeback. „Am Ende der Saison ist er eine 1:46,75 gelaufen“, sagt Biederbick. Auch Farken hat den Ferrari in sich wiederentdeckt. Es ist eine Geschichte, die ihm Mut macht.

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