Fußball: 2. Bundesliga
Heimatgefühle beim Kaffeetrinken: Daniel Thioune und seine Verbundenheit zu Ahlen

Ahlen -

Der Erfolg des VfL Osnabrück ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. Daniel Thioune führte die Niedersachsen in die 2. Bundesliga. Vor dem Testspiel in Ahlen verrät er, warum ihm die alte Heimat noch am Herzen liegt.

Mittwoch, 02.10.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 02.10.2019, 08:58 Uhr
Als Spieler bei RW Ahlen ein Publikumsliebling – als Trainer beim VfL Osnabrück sehr erfolgreich: Daniel Thioune.
Als Spieler bei RW Ahlen ein Publikumsliebling – als Trainer beim VfL Osnabrück sehr erfolgreich: Daniel Thioune. Foto: dpa

In seiner aktiven Zeit als Fußballprofi gehörte Daniel Thioune von 2004 bis 2010 zu den absoluten Sympathieträgern bei Rot-Weiß Ahlen. Meinungsstark und verbindlich tritt er auch als Trainer auf. Die Ausbildung zum Fußball-Lehrer absolvierte er unter anderem gemeinsam mit Julian Nagelsmann, Domenico Tedesco und Marco Antwerpen . „Ich bin Osnabrücker“, sagt der 45-Jährige. Mit dem VfL schaffte er in der vergangenen Saison den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Am Mittwoch (19 Uhr) kehrt Thioune nun für ein Testspiel mit dem VfL an seine ehemalige Wirkungsstätte zurück. Im Gespräch mit unserem Redakteur Cedric Gebhardt verrät er, weshalb neben Osnabrück auch für Ahlen ein kleiner Platz in seinem Herzen reserviert ist.

Hallo, Herr Thioune. Sie scheinen eine Menge Sehnsucht nach Ahlen zu haben. Sie sind nach Ihrem Karriere-Ende ein weiteres Mal in Ihrer alten Heimat. Wie kommt es diesmal dazu?

Thioune: Das stimmt, gefühlt bin ich jedes Jahr einmal für ein Benefizspiel in Ahlen. Die Idee zu dieser Partie jetzt ist tatsächlich auch schon vor einem Jahr entstanden. Damals hat mich Heinz-Jürgen Gosda angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, im Wersestadion mal mit dem VfL ein Testspiel auszutragen. Die Wege sind ja recht kurz, da ich immer noch ein paar Leute in Ahlen kenne. Und zuletzt ging dann alles ganz schnell. Vergangene Woche kam die Anfrage von Jörg Hellwig, der ja der Schwiegervater von Philipp Kühn ist, und da wir keine U23 haben und ohnehin hin und wieder Testspielgegner suchen, hat sich das jetzt angeboten.

Sie fühlen sich Ahlen also nach wie vor verbunden?

Thioune: Ja, die Verbundenheit ist auf jeden Fall gegeben, unabhängig von den handelnden Personen oder der sportlichen Situation. Ich hatte hier sieben Jahre und das waren nicht die schlechtesten. Die Zeit in Ahlen war für mich sehr, sehr wertvoll.

Daniel Thiounes Zeit in Ahlen

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Inwieweit haben Sie nach Ihrem Weggang die weitere Entwicklung von RW Ahlen verfolgt?

Thioune: Ich weiß, in welcher Liga der Verein spielt, dass er gerade oben steht – und dass es mal mehr, mal weniger Unruhe gibt. Aber ich schaue nicht jede Woche nach, wie Ahlen gespielt hat. Das ist aber, denke ich, ganz normal. Ich habe ja auch nicht mehr so viele Personen hier, zu denen ich einen Bezug habe. Vor kurzem aber habe ich von Marian Sobkowiak, der früher ehrenamtlich im Verein geholfen hat, ein Päckchen erhalten. Er hat mir eine Ahlen-Tasse mit dem Ortseingangsschild drauf geschickt. Die steht nun bei uns im Trainingszentrum bei den anderen Tassen im Regal und hin und wieder trinke ich daraus. Marian ist ein super Typ. Auf ein Wiedersehen mit Menschen wie ihn freue ich mich, wenn ich nach Ahlen komme. Denn das macht es aus.

Mit Philipp Kühn und David Blacha haben Sie zwei Spieler mit Ahlener Vergangenheit bei sich im Team. Mit Blacha haben Sie damals sogar noch selbst bei RWA zusammengespielt. Hat das Einfluss auf das jetzige Verhältnis zwischen Trainer und Spieler?

Thioune: Meine letzte Saison in Ahlen war Davids erste. Ich war 35, David 18 – wir lagen also sehr weit auseinander. Philipp habe ich erst kennengelernt, als ich bereits Co-Trainer in Ahlen war. Da war er noch Torhüter in der A-Jugend. Beide hatte ich in guter Erinnerung. In so guter Erinnerung, dass es durchaus ein Faktor war, weshalb ich sie in Osnabrück zu mir ins Team geholt habe. In Ahlen war ich für die Jungs immer „Danny“, auch, als ich schon Co-Trainer war. Jetzt können mich die beiden zwar auch duzen, aber in Osnabrück sprechen sie mich mit Daniel oder Trainer an. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zwischen Cheftrainer und Spieler. Wir können zwar in der Position differenzieren, aber zwischenmenschlich bewegen wir uns auf Augenhöhe. Das ist ganz wichtig. Zu David hat sich mit der Zeit eine echte Freundschaft entwickelt. Er ist mittlerweile auch Vater von zwei Kindern. Er ist unfassbar gewachsen – als Sportler und als Mensch.

Am kommenden Montag steht für Sie mit Ihrer Mannschaft das Derby gegen Arminia Bielefeld an. Auf was für einen VfL kann sich das Publikum im Wersestadion am Mittwoch einstellen?

Thioune: Es werden vermehrt die Spieler auf dem Platz stehen, die zuletzt weniger zum Einsatz gekommen sind. Philipp Kühn und David Blacha werden nicht spielen. Das ist zwar schade für die beiden, speziell für Philipp, zeigt aber auch, dass sie bei uns eine wichtige Rolle einnehmen. Trotzdem fahren die beiden genau wie der Rest der Mannschaft mit nach Ahlen. Bei uns wird nicht zwischen Stamm- oder Ersatzspieler unterschieden, nur zwischen Spielern, die viel und wenig zum Einsatz kommen. Also können die, die nicht spielen, ihren Kollegen ruhig mal dabei zuschauen, was sie tun. Keiner ist privilegiert und bekommt deshalb frei, weil wir ein Testspiel haben.

Für Sie und Ihre Mannschaft läuft es als Aufsteiger auch eine Etage höher erstaunlich gut. Inwieweit sind Sie selbst davon überrascht?

Thioune: Es gibt immer Phasen, die man bewerten muss. Nach unserem guten Saisonstart haben wir in den letzten drei Spielen nur einen Punkt geholt und ein Tor geschossen. Aufs große Ganze gesehen läuft es aber echt gut. Vor 18 Monaten waren wir fast tot, sind gerade noch der Regionalliga entronnen. Und eine Saison später werden wir Drittliga-Meister und steigen in die 2. Bundesliga auf. Da musste ich mich wirklich erst ein paar Mal kneifen, es war eine sehr, sehr schnelle Entwicklung. Dass wir jetzt auch in der 2. Liga so gut dastehen, sollten wir wertschätzen – und nie vergessen, woher wir kommen.

Philipp Kühn sammelte bereits in jungen Jahren Erfahrungen in der 3. Liga. Foto: Marc Kreisel

Was macht Ihr Team so stark, was zeichnet es aus?

Thioune: Wir haben Spieler verpflichtet, die hungrig sind, die vielleicht eine kleine Delle in ihrer Karriere erlitten haben, aber bereit sind, zu liefern. Und ein bisschen ist es auch so wie damals, als wir mit RW Ahlen noch mal in die 2. Liga aufgestiegen sind. Da wurde vorher die Qualitätsfrage gestellt. Aber dann haben wir alle eines Besseren belehrt. Wir haben hier in Osnabrück keine fertigen Spieler, wir haben Potenzialspieler – ähnlich wie damals in Ahlen Marco Reus und Kevin Großkreutz. An 38 Spieltagen habe ich 37 verschiedene Formationen aufs Feld geschickt. Wir sind sehr offen für viele Dinge. Kein einzelner Spieler ist bei uns größer als das Team. Es sind viele kleine Geheimnisse und wenn es läuft, entwickelt sich eine Eigendynamik, die kann dich von der 3. in die 2. Liga tragen.

Kürzlich haben Sie Ihr Studium in Sport- und Erziehungswissenschaften erfolgreich beendet. Dem Vernehmen nach haben Sie den Bachelor aber nicht ganz in der Regelstudienzeit absolviert.

Thioune: Das ist richtig, ich habe zwölf Semester gebraucht. Fast hätte ich Langzeitstudiengebühren bezahlen müssen, aber ich bin gerade noch rechtzeitig fertig geworden. Als ich damals in Ahlen zur Tür raus bin und meine Profi-Karriere beendet habe, habe ich erst mal eine Umschulung zum Sportfachwirt gemacht und versucht, Fuß zu fassen im Fußballgeschäft. Man sagt immer, wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf. Aber ganz so war es nicht. Es waren dann doch mehr Türen zu als gedacht. Also habe ich mir überlegt: Lehrer zu werden, wäre doch auch ganz geil. Ich wollte meinen Horizont erweitern und habe mich an der Universität Vechta fürs Lehramtsstudium eingeschrieben. Ich war gerade eine Woche dort, da hat mich Joe Enochs angerufen und gefragt, ob ich im Nachwuchsleistungszentrum des VfL aushelfen könne. Und fünf Jahre später bin ich nun Cheftrainer. Aber ich bin jemand, der Dinge gerne zu Ende bringt. Das war eine ganz schön große Herausforderung über all die Jahre, zumal ich ja noch ein Jahr lang die Ausbildung zum Fußball-Lehrer in Köln absolviert habe. In der Zeit lag das Studium auf Eis. Aber jetzt habe ich es durchgezogen. Jetzt habe einen akademischen Abschluss. Davon war ich weit entfernt, als ich noch Fußball gespielt habe. Und ich bin Trainer eines Zweitligisten. Es hätte also alles deutlich schlechter kommen können

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