Leichtathletik: Deutsche Meisterschaft in Braunschweig
Dennis Biederbick gewinnt DM-Bronze: Zwei Seiten einer Medaille

Ahlen -

Dennis Biederbick gewinnt in Braunschweig Bronze bei der DM über 800 Meter. Er läuft die zweitschnellste Zeit, die er jemals gelaufen ist. Trotzdem ist er enttäuscht. Warum?

Montag, 10.08.2020, 17:34 Uhr
Wohlverdiente Abkühlung nach einem furiosen Finale über 800 Meter im Braunschweiger Backofen: Dennis Biederbick erfrischt sich – mit der neu errungenen Bronze-Medaille um den Hals – im Eisbecken.
Wohlverdiente Abkühlung nach einem furiosen Finale über 800 Meter im Braunschweiger Backofen: Dennis Biederbick erfrischt sich – mit der neu errungenen Bronze-Medaille um den Hals – im Eisbecken. Foto: Benjamin Stalf

War das Glas nun halb leer oder halb voll? Manchmal fällt im Leben eine angemessene Bewertung schwer. Eine, die die eigene Gefühlswelt zutreffend beschreibt und zugleich mit der Wirklichkeit korrespondiert. Gibt es so etwas überhaupt?

Wie also fällt das Urteil eines Mannes aus, der an seinem 23. Geburtstag bei der Deutschen Meisterschaft in Braunschweig über 800 Meter Bronze gewinnt – und das in der zweitschnellsten Zeit (1:47,51 Minute), die er jemals gelaufen ist? Die Antwort ist eindeutig – zumindest im ersten Moment. „Ich ärgere mich richtig, dass es nur Bronze geworden ist“, sagt Dennis Biederbick .

Lücke kostet zu viel Kraft

Die Prognose des Ahlener Mittelstreckenläufers, dass er gemeinsam mit Marc Reuther und Christoph Kessler die Verteilung der Medaillen unter sich ausmachen werde, traf ein. Taktisch bescheinigte ihm Bundestrainer Georg Schmidt zudem ein gutes Rennen. Und auch die Hitze, die das Braunschweiger Stadion bei 36 Grad Celsius am Abend noch zu einem Backofen werden ließ, konnte Biederbick (erwartungsgemäß) nichts anhaben.

Womit er nicht gerechnet hatte, war das Verhalten der Konkurrenten Julius Lawnik und Christian von Eitzen. „Was die beiden abgezogen haben, ist für mich total unverständlich und ärgert mich“, sagt Biederbick. Nach 400 Metern sprintete Julius Lawnik nach vorne, außerdem blockierte ihm nach seinem Empfinden Christian von Eitzen den Weg, zumal dieser nach kleiner Rangelei auch kurz neben die Bahn trat. Derweil marschierte Marc Reuther unbeirrt vorneweg. „Dadurch klaffte eine Lücke und ich hatte keine Chance mehr, mich an Marc ranzuheften“, so Biederbick. Zwar überholte er erst Lawnik, dann von Eitzen, doch sein Zwischenspurt bei 500 und 600 Metern kostete wertvolle Kraft. „Ich hatte hinterher nicht mehr genug Körner, um Christoph Kessler und Marc Reuther noch zu rasieren“, berichtet Biederbick.

Schönes Battle mit Rivale Kessler

Mit Kessler lieferte sich der Ahlener auf den letzten 100 Metern „noch ein schönes Battle“, aus dem der Rivale aus Karlsruhe letztlich hauchdünn als Sieger (1:47,44) hervorging. Marc Reuther aber (1:46,97) war für beide nicht mehr einzuholen, brachte seinen Vorsprung souverän ins Ziel.

Und dennoch: „Man hat gesehen, dass ich mehr kann“, urteilte Biederbick, der tags zuvor im Vorlauf (1:51,27) souverän ins Finale eingezogen war, obwohl er nach eigenem Bekunden „wenig Lust zu laufen“ gehabt hatte.

Bronze für Biederbick – das zweite nach der Hallen-DM im Februar in Leipzig. 2020 ist – trotz Corona-Pause und Olympia-Verschiebung – das erfolgreichste Jahr seit langem für den Ahlener. Zumal es für Biederbick nach seinem Ausscheiden 2017 in Erfurt und seinen Nichtantritten in Nürnberg 2018 und Berlin 2019 die erste DM-Teilnahme war. „Alles in allem kann ich zufrieden sein, dass es wieder funktioniert“, rang sich Biederbick zu einer Bewertung durch. Allein, das Gefühl von Zufriedenheit und Stolz – es ist (noch) nicht vorhanden. Dafür sitzt der Frust zu tief. Es sind die zwei Seiten einer (Bronze-)Medaille.

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