Fußball: Regionalliga West
Für immer ein Straßenkicker – Rot-Weiß Ahlens Mohamed El Bouazzati

Ahlen -

Auf der Straße kann aus einem Rohdiamant ein echter Hit werden. Das gilt für Musiker wie für Fußballer. Auch Ahlens Nummer 17, Mohamed El Bouazzati, hat das Kicken dort gelernt und kehrt noch heute gerne zu seinen Wurzeln zurück.

Montag, 30.11.2020, 16:22 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 14:22 Uhr
Im Dortmunder Rombergpark geht Mohamed El Bouazzati gerne spazieren.
Im Dortmunder Rombergpark geht Mohamed El Bouazzati gerne spazieren. Foto: RW Ahlen/Sarah Wick

Die Grundlagen für seine spätere Karriere wurden in seinem Heimatdorf in der Nähe der marokkanischen Stadt Nador gelegt. Mit sechseinhalb Jahren kam der heute 23-Jährige von Marokko nach Deutschland. Seine Familie ließ sich damals im Dortmunder Stadtteil Hörde nieder, wo sie auch heute noch lebt.

Bis zur Dunkelheit auf dem Bolzplatz

„In Hörde ist jeder Fußball-verrückt“, sagt El Bouazzati . Zur Mitgliedschaft beim Hörder SC war es daher nur ein kleiner Schritt. „Danach ging es mit den anderen Jungs immer noch auf den Bolzplatz. Wir haben Eistee getrunken und solange gespielt, bis es dunkel wurde“, erinnert sich Ahlens Innenverteidiger. Neben den fußballerischen Fähigkeiten wurden gleichzeitig auch die Deutschkenntnisse spielerisch verbessert. Zwei Fliegen mit einer Klappe also.

Vom Hörder SC zum BVB

Trotz des Lebensmittelpunkts in Hörde ist „Momo“, wie er genannt wird, in seiner Familie der einzige mit einer Leidenschaft für den Fußball. Dennoch haben ihn seine Eltern und seine Geschwister immer unterstützt. „Mein älterer Bruder hat mir beispielsweise meine Fußballschuhe finanziert“, sagt El Bouazzati.

Diese Investition hat sich bezahlt gemacht. Denn nach drei Jahren beim Hörder SC ging es für den gebürtigen Marokkaner direkt zum BVB. Ab dann war der Weg zum Fußball-Profi vorgezeichnet. „Mit 15 habe ich gemerkt, dass ich eine Mannschaft führen kann. Da war für mich klar, dass ich Fußball-Profi werden will.“

Zweifacher Jugend-Meister und U17-Nationalspieler

Ahlens Ex-Trainer Andreas Zimmermann (links) und Mohamed El Bouazzati beim Spiel RW Oberhausen gegen RW Ahlen.l

Ahlens Ex-Trainer Andreas Zimmermann (links) und Mohamed El Bouazzati beim Spiel RW Oberhausen gegen RW Ahlen.l Foto: Marc Kreisel

Mit Borussia Dortmund wurde er zweimal Deutscher Meister, 2014 mit der B-Jugend und 2016 mit der A-Jugend. Parallel wurde Mohamed El Bouazzati erstmals in die U17-Nationalmannschaft Marokkos berufen, später spielte er dort in der U21 und war unter anderem bei der Weltmeisterschaft und beim Africa Cup mit dabei. „Das waren schon schöne Momente“, sagt er.

Wenig später folgte der ersehnte Profi-Vertrag. Er unterschrieb für zwei Jahre beim BVB. In dieser Zeit bekam er auch die Gelegenheit, unter Jürgen Klopp zu trainieren. Eine Erfahrung, die er nie vergisst: „Kloppo ist schon ein cooler Trainer. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie wir einmal Vier gegen Vier mit Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan und Co. gespielt haben.“

Anpassungsschwierigkeiten beim VfL Osnabrück

Borussia Dortmund war für El Bouazzati wie eine zweite Familie. Als er dann für die Saison 2016/2017 an den damaligen Ligakonkurrenten VfL Osnabrück ausgeliehen wurde, hatte er mit Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen. „Das war für mich eine große Umstellung, weil ich die Atmosphäre beim BVB vermisst habe.“ Von Osnabrück ging es für El Bouazzati in die Ukraine, er heuerte beim Erstligisten Zorya Lugansk an. „Die haben damals die Qualifikation für die Europa League gespielt, das hat mich gereizt“, sagt der 23-Jährige rückblickend.

„Ich habe viel rumgepokert. Das würde ich jetzt nicht mehr machen.“

Weitere Stationen in seiner bisherigen Karriere waren Türkspor Augsburg, Wattenscheid 09, der TuS Bövinghausen und nun eben Rot-Weiß Ahlen. „Ahlen ist ein Traditionsverein, das Umfeld gefällt mir. Und wir verstehen uns gut in der Mannschaft.“ Mit Phillip Aboagye, Rene Lindner, Pascal Schmidt und Mike Pihl fährt El Bouazzati regelmäßig gemeinsam zum Training, die fünf bilden ab Bergkamen eine Fahrgemeinschaft.

Heute sieht Ahlens „17“ einige seiner Karriere-Entscheidung kritischer. „Ich habe viel rumgepokert. Das würde ich jetzt nicht mehr machen. Irgendwann war ich dann an einem Punkt, wo ich nicht mehr die Fitness hatte, ordentlich Profifußball zu spielen.“

In der Freizeit genießt El Bouazzati Spaziergänge – und den Bolzplatz

Seine Leidenschaft für den Fußball hat El Bouazzati aber nie verloren. „Als Fußballer kannst du einen Ball nicht hassen. Das ist unmöglich.“ Um weiter auf einem guten Fitness-Stand zu sein, arbeitet er natürlich im Training fleißig und geht zudem noch regelmäßig Joggen. „Ich achte aber gleichzeitig auch auf ausreichend Pausen. Denn manchmal ist Ruhe die beste Medizin.“

Wenn die Zeit und der Trainingsplan es zulassen, geht Mohamed El Bouazzati mit seiner Freundin und dem Hund spazieren. Aber auch der Bolzplatz lockt ihn immer wieder. „Da spiele ich dann für den Vater meiner Freundin und dessen Kumpel den Ballverteiler“, sagt er und schmunzelt. Einmal ein Straßenkicker, immer ein Straßenkicker.

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