Handball: 3. Liga
Frederik Neuhaus wird neuer Trainer der Ahlener SG

Ahlen -

Die Ahlener SG versucht es mit einem ganz jungen Mann als Hauptverantwortlichem für die Drittliga-Handballer. Nach zehn Jahren übernimmt im Sommer Frederik Neuhaus (33) das Amt von Trainer Sascha Bertow. Eine riesige Überraschung ist das nicht, obwohl der Neue im Seniorenbereich noch unbeleckt ist. Seine Vita liest sich ansonsten, als sei genau dieser Weg vorgezeichnet.

Montag, 04.01.2021, 17:20 Uhr
Frederik Neuhaus, bisheriger Jugend-Trainer des HLZ, wird ab Sommer Drittliga-Coach der Ahlener SG.
Frederik Neuhaus, bisheriger Jugend-Trainer des HLZ, wird ab Sommer Drittliga-Coach der Ahlener SG. Foto: Lars Gummich

Die Katze ist aus dem Sack. Frederik Neuhaus wird ab Sommer neuer Cheftrainer der Drittliga-Handballer der Ahlener SG . Der 33-Jährige tritt damit nach zehn Jahren die Nachfolge von Sascha Bertow an. Dem hatten die Verantwortlichen Anfang Dezember etwas überraschend mitgeteilt, dass sie ab Sommer mit einem neuen Trainer planen.

Für Neuhaus, den bisherigen Jugend-Coach des Handball-Leistungs-Zentrums Ahlen (HLZ), wird es die erste Station als hauptverantwortlicher Übungsleiter einer Seniorenmannschaft. Gleichwohl erfüllt er die fachlichen Voraussetzungen für den hohen Einstieg. Seit 2017 – damals verantwortete er noch die B-Jugend des HLZ – ist er im Besitz der A-Lizenz, der höchsten deutschen Trainerausbildung, sowie der Athletik-A-Lizenz. „Damit ist er berechtigt, bis zur 1. Bundesliga sämtliche Mannschaften zu trainieren“, schreibt die ASG in ihrer Pressemitteilung vom Montag. Zudem kenne Neuhaus den Verein seit Jahren und sei sowohl im Jugend- als auch im Seniorenbereich bestens vernetzt.

Wir freuen uns, mit Freddi Neuhaus einen engagierten und sehr qualifizierten Trainer aus den eigenen Reihen gewonnen zu haben.

ASG-Geschäftsführer Andreas Bartscher

Eine bessere Verzahnung des Aushängeschilds in der 3. Liga mit dem ältesten Nachwuchs ist denn auch eine der erklärten Vorgaben: „Wir freuen uns mit Freddi Neuhaus einen engagierten und sehr qualifizierten Trainer aus den eigenen Reihen gewonnen zu haben. Die Verbindung des Handball-Leistungs-Zentrums zum Team der ersten Mannschaft bekommt mit ihm einen wichtigen neuen Impuls“, wird Geschäftsführer Andreas Bartscher in der Pressemitteilung zitiert.

Vom Neuen an der Seitenlinie versprechen sich die Verantwortlichen zudem „modernen Handball mit mehr Tempo und flexiblen Deckungssystemen“. So hatte Geschäftsführer Andreas Bartscher Mitte Dezember das Anforderungsprofil umschrieben. Schon damals hatte man erahnen können, dass die Wahl womöglich auf Neuhaus fallen könnte.

Die ASG-Geschäftsführer Klaus Jäger (links) und Andreas Bartscher (rechts) haben Frederik Neuhaus als neuen Chefcoach der Drittliga-Mannschaft auserkoren.

Die ASG-Geschäftsführer Klaus Jäger (links) und Andreas Bartscher (rechts) haben Frederik Neuhaus als neuen Chefcoach der Drittliga-Mannschaft auserkoren. Foto: Foto: Ahlener SG

Beeindruckende Vita trotz jugendlichen Alters

Der kam 2014 zum HLZ und galt schon als damals 26-Jähriger als ehrgeizig und zielstrebig sowie mit Ambitionen, eines Tages höhere Positionen auch als Handball-Trainer zu übernehmen. Zuvor war er bei Schwarz-Weiß Havixbeck und der JSG Havixbeck-Roxel als Trainer aktiv und hatte bis zu mehreren schweren Verletzungen kurz nach der A-Jugend selbst gespielt. 2014 hatte er bereits einen Bachelor in der Tasche, fing mit seinem Master an und hatte einen fünfmonatigen Aufenthalt in San Francisco hinter sich.

Im HLZ verantwortete er in den vergangenen acht Jahren zahlreiche B- und A-Jugend-Teams in den höchsten Spielklassen. „Hierbei entwickelte er unter anderem zahlreiche Ahlener Nachwuchstalente bis in die Westfalenauswahl und ebnete 15 Talenten sogar den Weg für die Sichtung zur Jugendnationalmannschaft“, schreibt die ASG.

Auch als Unternehmer bereits erfolgreich

In der proppevollen Vita des „Neuen“ stehen zudem Funktionen als Auswahltrainer und als Trainer-Ausbilder des Handballverbands Westfalen. Im Rahmen seiner A-Lizenz-Ausbildung war Neuhaus außerdem bei den Rhein-Neckar-Löwen, den Füchsen Berlin sowie der SG Flensburg/Handewitt. Zudem ist er Geschäftsführer zweier IT-Start-ups. 2020 gewann er mit einer App für die einfache Arbeitszeiterfassung den NRW-Innovationspreis des Netzwerkes ZENIT mit NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart als Schirmherr.

Mannschaft wird wohl weiter verjüngt

Kurz: Der 33-Jährige übernimmt mit einigen Meriten, die ihn für eine Führungsposition qualifizieren, den neuen Posten. Die Aufgabe wird gleichwohl keine kleine. Denn die Verträge von einem Dutzend Spielern der bisherigen Mannschaft läuft im Sommer aus. Spätestens mit der jetzigen Verkündung des künftigen Übungsleiters nehmen die Planungen Fahrt auf. Mutmaßlich wird der Kader noch weiter verjüngt. Kapitän Mattes Rogowski beispielsweise hatte zuletzt vor allem bis Sommer verlängert, weil er sich nicht im Corona-Jahr nahezu ohne Spiel verabschieden wollte.

Dieser Verein hat ein sehr großes Potenzial.

Frederik Neuhaus

„Wir werden über einen sehr jungen und gleichzeitig sehr talentierten Kader verfügen, der gezielt entwickelt werden muss. Diese Aufgabe werden wir im Trainerteam Schritt für Schritt angehen und insbesondere auch unsere herausragende Nachwuchsarbeit in Ahlen noch gezielter in den Fokus rücken“, umreißt Frederik Neuhaus seine Pläne. „Dieser Verein hat ein sehr großes Potenzial .... In diesem Umfeld den nächsten Entwicklungsschritt hin zu mehr Professionalisierung und Verzahnung mit dem Jugendbereich voranzutreiben, hat mich nach den ersten Gesprächen besonders überzeugt, die Aufgabe zu übernehmen“, wird er zitiert.

Kontrakt gilt zunächst bis Sommer 2023

Neuhaus Vertrag läuft zunächst bis zum Sommer 2023. Wann er seine Aufgabe in der Halle antreten kann, steht allerdings noch in den Sternen. Aktuell ruht nicht nur der Spielbetrieb in der 3. Liga. Auch das Training, für das eigentlich eine Sondergenehmigung vorliegt, ist angesichts der immer noch hohen Infektionszahlen bis Mittwoch kommender Woche ausgesetzt.

In den nächsten Tagen wird der DHB entscheiden, ob und wie es mit der Saison weitergeht. Selbst ein Abbruch ist nicht ausgeschlossen. Daran hängt auch, ob das derzeitige Team und Trainer Sascha Bertow noch einmal angreifen können.

Kommentar: Kalkuliertes Risiko

Bei dieser Nachricht wird wohl niemand aus allen Wolken gefallen sein. Im Gegenteil: Dass Frederik Neuhaus neuer Trainer der Ahlener Drittliga-Handballer wird, ist keine wirkliche Überraschung. Wohl auch nicht für ihn selbst. Der Lebenslauf des 33-Jährigen legt klare Ambitionen auf ein Traineramt in einer hohen Spielklasse nahe. Aber auch für den Verein ist das Experiment mit einem im Seniorenbereich noch unbeleckten Trainer ein kalkuliertes Risiko: Die grundsätzlichen fachlichen Fähigkeiten hat Neuhaus als A-Lizenz-Trainer nachgewiesen. Er ist zudem im Verein jahrelang bekannt. Die Geschäftsführer Klaus Jäger und Andreas Bartscher dürften ziemlich genau wissen, was sie bekommen – was bei einem vermeintlich gestandeneren Coach von außerhalb nicht der Fall ist. Bleibt die Frage, ob der Trainer eine fast gleichalte oder nur wenig jüngere Mannschaft führen kann. Ein Blick auf den Fußball (Nagelsmann und Co.) zeigt aber, dass sich Führungsqualitäten heute nicht mehr unbedingt an 20 Jahren Erfahrung messen lassen. Auch Vorgänger Sascha Bertow war bei seinem Amtsantritt als Cheftrainer erst 34. Die „Ehe“ hielt zehn Jahre und führte bis zurück in die 3. Liga. Von Henning Tillmann

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