Handball: Ahlener SG und Freckenhorster Werkstätten gründen inklusive Mannschaft
“Aktion Mensch“ schiebt Herzensprojekt mit 100 000 Euro an

Kreis Warendorf -

Die Idee ist toll, die potenziellen Teilnehmer offenbar begeistert und nun ist auch die Finanzierung gesichert. Mit 100 000 Euro für die nächsten drei Jahre fördert die „Aktion Mensch“ die Gründung einer inklusiven Handball-Mannschaft für Menschen mit und ohne Behinderung. Lässt die Pandemie es zu, soll es im Sommer losgehen.

Donnerstag, 22.04.2021, 18:32 Uhr aktualisiert: 22.04.2021, 18:40 Uhr
Am liebsten würden sie sofort mit einer inklusiven Handball-Mannschaft loslegen: (von links) Berni Recker von der Ahlener SG, der künftige Spieler Marc Güsgen und Henner Lammers von den Freckenhorster Werkstätten.
Am liebsten würden sie sofort mit einer inklusiven Handball-Mannschaft loslegen: (von links) Berni Recker von der Ahlener SG, der künftige Spieler Marc Güsgen und Henner Lammers von den Freckenhorster Werkstätten. Foto: Henning Tillmann

Es ist ein Herzensprojekt für alle Beteiligten. So viel wird schon nach wenigen Worten klar. Denn die Begeisterung, mit der Berni Recker , Henner Lammers und Marc Güsgen über das sprechen, was – hoffentlich bald – kommen soll, ist aus jedem Satz heraus­zuhören. Unter dem Titel „Handball inklusiv“ wollen die Ahlener SG und die Freckenhorster Werkstätten eine integrative Handball-Mannschaft für Menschen mit und ohne Behinderung gründen.

Pandemie bremste auch inklusive Handball-Mannschaft aus

Die Idee dazu gibt es schon etwas länger. 2019 fand bereits ein begeistert aufgenommenes Probetraining in Ahlen statt. „Die Euphorie war gleich riesig, das war sensationell schön mit anzusehen“, erinnert sich Berni Recker, Ehrenvorsitzender der Handball-Abteilung der ASG. Doch dann kam die Corona-Pandemie und bremste nicht nur den Sport, sondern auch dieses Projekt aus.

Das ist NRW-weit fast einzigartig. Nur in Essen gibt es etwas Vergleichbares. Außerdem ist vor allem Hamburg bei dem Thema weit vorne. „Wir können hier sicher vom Norden lernen“, findet Henner Lammers von den Freckenhorster Werkstätten. Er ist zusammen mit Berni Recker der Projektleiter und lobt den Versuch als „Leuchtturmprojekt“.

Zu einem Probetraining waren die Freckenhorster Werkstätten schon 2019 zu Besuch in der Halle des Handball-Leistungs-Zentrums in Ahlen. Nun wird dort eine inklusive Mannschaft gegründet.

Zu einem Probetraining waren die Freckenhorster Werkstätten schon 2019 zu Besuch in der Halle des Handball-Leistungs-Zentrums in Ahlen. Nun wird dort eine inklusive Mannschaft gegründet. Foto: Freckenhorster Werkstätten

„Aktion Mensch“ unterstützt mit 100 000 Euro

Das soll nun endlich Fahrt aufnehmen. Und die Chancen stehen gut. Denn die „Aktion Mensch“ ist mit an Bord und übernimmt für drei Jahre die Projektfinanzierung. 100 000 Euro stellt die private Organisation dafür bereit. Damit werden Übungsleiter finanziert und Übernachtungen bezahlt, wenn es in der Zukunft zu Turnierteilnahmen in ganz Deutschland kommen sollte. Die Ahlener SG muss weitere 10 000 Euro als Eigenanteil beisteuern und ist dazu „in guten Gesprächen mit Förderern“, wie Berni Recker am Donnerstag bei der Vorstellung des Projekts bekannt gibt.

Marc Güsgen würde am liebsten sofort loslegen

Coronabedingt ist es nur eine im ganz kleinen Kreis. Recker und Lammers als Vertreter haben dazu in die Halle des Handball-Leistungs-Zentrums in Ahlen eingeladen. Dort soll immer samstags trainiert werden.

Marc Güsgen, in Ahlen bestens bekannt, weil er als Fan bei jedem Heimspiel der Drittliga-Mannschaft in der ersten Reihe sitzt, würde lieber heute als morgen als Spieler loslegen. Güsgen sitzt seit seiner Kindheit im Rollstuhl, hat aber davor schon Handball gespielt und will unbedingt wieder aufs Feld. „Ich war damals schon in der Reha jeden Tag im Bällebad und habe so lange geübt, bis ich wieder einen Ball werfen konnte“, erzählt er.

Spieler und Trainer der Ahlener SG wollen sich einbringen

Genau diese Begeisterung haben die Projektleiter schon bei den ersten Probetrainings 2019 festgestellt. Die Freckenhorster Werkstätten hatten dabei gleich 25 bis 30 Teilnehmer. Die künftige Mannschaft aber soll jedem Interessierten offenstehen.

Die Werkstätten steuern handballaffine Gruppenleiter bei, die sich um die Betreuung und die Bedürfnisse der Sportler mit Behinderung kümmern. Die Ahlener SG samt dem angeschlossenen Handball-Leistung-Zentrum stellt nicht nur die Halle, sondern auch viel sportliche Expertise. „Unsere Mannschaften sind alle bereit mitzumachen. Die ganze Abteilung ist begeistert“, sagt Recker. In der Gründungsphase sollen interne Turniere organisiert werden, um irgendwann an einer Liga teilnehmen zu können.

Genau das findet Lammers ein tolles und lohnendes Ziel. „Der Wettkampfmodus ist wichtig für Menschen mit Behinderung. Auch sie brauchen eine Bühne. Und ganz besonders schön ist es zu sehen, dass sie das auch ganz hervorragend können, wenn man sie nur richtig anleitet“, so Lammers. Genau das soll mit der inklusiven Mannschaft ab Sommer erreicht werden.

 

 

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