Junioren-Fußball
Mädchen-JSG-Ehe zwischen Fortuna Gronau und Vorwärts Epe wird geschieden

Gronau/Epe -

Die im vergangenen Jahr bereits aufgetretenen Risse konnten die Verantwortlichen noch kitten. Mittlerweile haben sich Fortuna Gronau und Vorwärts Epe in Sachen zusammengehörige Mädchenfußball-Abteilung soweit voneinander entfernt, dass die Blau-Schwarzen die Reißleine ziehen: In der kommenden Saison wird es keine JSG-Mannschaften geben. Fortuna sieht darin keinen Sinn mehr.

Samstag, 08.06.2019, 05:00 Uhr
Ein Bild bald vergangener Tage: Vor ziemlich genau vier Jahren debütierte die JSG Fortuna/Vorwärts in einem Freundschaftsspiel. Mittlerweile stehen die Zeichen auf Trennung. Gronauer und Eperaner gehen in der kommenden Saison wieder eigene Wege im Mädchenfußball.
Ein Bild bald vergangener Tage: Vor ziemlich genau vier Jahren debütierte die JSG Fortuna/Vorwärts in einem Freundschaftsspiel. Mittlerweile stehen die Zeichen auf Trennung. Gronauer und Eperaner gehen in der kommenden Saison wieder eigene Wege im Mädchenfußball.

Zur Spielzeit 2015/16 hatte die grün-blaue Vereinigung den Spielbetrieb aufgenommen, mit dem Ziel, dem demografischen Wandel entgegenzutreten, die Arbeit pro eigenständige Abteilung um die Hälfte zu reduzieren und sich die Aufgaben aufzuteilen, sagt Fortunas Jugendabteilungsleiter Renee Bajorath : „Nach und nach hat sich Vorwärts da allerdings rausgezogen. Heute haben wir in der JSG beispielsweise nur noch Fortuna-Trainer.“ So wurden 2018/19 alle Trainingseinheiten und Heimspiele auf der Anlage an der Laubstiege ausgetragen.

Dazu gesellten sich die Bauarbeiten am Kabinentrakt am Wolbertshof und die damit eingeschränkten Möglichkeiten auf den Plätzen. „Der Kunstrasenplatz kam ja erst später. Da war das Kind aber schon in den Brunnen gefallen“, sagt Vorwärts-Jugendleiter Mike Kernebeck. Sein Verein stand und steht vor dem Problem, Trainer und Ehrenamtliche zu finden, die sich im Mädchenbereich engagieren: „Dazu stellten wir immer weniger Mädchen und es kam zur Abwärtsspirale. Ich glaube, die Basis an fußballspielenden Mädchen reicht in Gronau und Epe nicht aus, um mehr als eine Abteilung zu stellen.“ Dem entgegenzutreten, war 2014/15 ein weiterer Grundgedanke der JSG.

Wir stellten immer weniger Mädchen und es kam zur Abwärtsspirale.

Mike Kernebeck

Einen möglichen Vorwurf, Fortuna habe während der gemeinsamen Jahre Spielerinnen gezielt abgeworben, möchte Bajorath gleich entkräften: „Vorwärts hatte einen Aderlass an fußballspielenden Mädchen, ja. Das liegt meiner Meinung nach aber an der geringer werdenden Akzeptanz im Verein.“ Er erinnert sich etwa, dass bei der Gratulation zu einer errungenen Meisterschaft keine Vorwärts-Vertreter anwesend waren. Dies erwecke auch bei den Eltern der Mädchen zunehmend den Eindruck des Nichtkümmerns und führe gegebenenfalls dazu, dass sie ihre Zöglinge abmelden.

Bajorath vermutet, dass während der vergangenen vier Jahre vielleicht zehn Mädchen zu Fortuna gewechselt sind. Zur Erinnerung: Spieler einer Jugendspielgemeinschaft sind in der Regel nur in einem der beteiligten Vereine angemeldet und zahlen nur dort ihre Beiträge. Die Mannschaftstruktur der JSG-Teams bestünde nach Fortuna-Angaben heute aus 80 bis 90 Prozent blau-schwarzer Mitglieder. Allein in der U 13, die in der Kreisliga A alle Gegner hinter sich gelassen hat, sind sämtliche 19 Spielerinnen Fortuna-Mitglied.

Wohl keine JSG-Renaissance

„Wir vom Verein haben uns zusammengesetzt und sind übereingekommen, dass die Fortführung der Zusammenarbeit keinen Sinn macht, wenn von der anderen Seite kaum etwas kommt“, erläutert Bajorath. Diese Entscheidung trägt auch Nina Ulbrich, die sich federführend um den weiblichen Fortuna-Nachwuchs kümmert. Zwar wisse niemand, was die Zukunft bringt, doch ein zukünftiges, erneutes Zusammengehen sei unwahrscheinlich. Bajoraths Empfinden nach habe die Mädchenfußball-Abteilung beim Nachbarn keinen großen Stellenwert: „Wenn Vorwärts wenig bis nichts für den Mädchenfußball tut, warum sollten wir da wieder einsteigen? Ich will uns aber auch nicht in Schutz nehmen. Mit der Zeit wird man dickfellig.“

Viel entgegenzusetzen hat Kernebeck da nicht. Heute hat Vorwärts noch eine relativ stark besetzte Frauen-Mannschaft, „die wir noch einige Jahre am Laufen halten können. Das Nachwuchsproblem wird aber kommen.“ Er hofft, dass die gestern gestartete Frauen-Weltmeisterschaft in Frankreich erneut für einen Anmelde-Boom sorgt.

Wir vom Verein haben uns zusammengesetzt und sind übereingekommen, dass die Fortführung der Zusammenarbeit keinen Sinn macht, wenn von der anderen Seite kaum etwas kommt.

Renee Bajorath

Die Option, in der Jugend mit dem FC Epe zusammenzugehen, verwirft Bajorath: „Es gab Gespräche. In der derzeitigen Situation herrscht aber keine Notwendigkeit. Wir würden nur Mannschaften auseinanderreißen.“ Dagegen spräche auch die Entfernung: Laubstiege und Wolbertshof liegen fünf Fahrradminuten entfernt, bis in die Bülten sind es derer 15. „Das wäre von den Mitgliedern nicht so leicht zu akzeptieren, wenn die Kinder diesen Weg alleine fahren sollten.“

Fortuna wird 2019/20 sicher mit vier Mädchenmannschaften (U 17, U 15 sowie zwei Mal U 13) am Spielbetrieb teilnehmen. Gemeldet sind auch zwei jüngere Teams, deren Einsatz mangels Spielerinnen noch auf der Kippe steht. „Aktuell versuchen wir alles, um dem Mädchenbereich Aufmerksamkeit zu schenken“, sagt Bajorath. So findet an der Laubstiege am 19. Juni (Mittwoch) der Grundschulcup statt, am 28. Juni (Freitag) der Kindergartencup. An zwei Schulen bietet Fortuna außerdem Sport-AGs nur für Mädchen an, die den Fokus auf Fußball legen.

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