Der TuS Altenberge und Nordirland
Als der TuS die Nordiren forderte

Altenberge -

Morgen Abend spielt die Deutsche Nationalmannschaft im Gruppenfinale der Europameisterschaft gegen die Auswahl Nordirlands. Der TuS Altenberge hat in den Jahren 2004, 2006 und 2013 an dem hochkarätig besetzten Fünf-Kontinente-Juniorenturnier „Northern Ireland Milk Cup“ teilgenommen. Im Rahmen dieser Veranstaltung trafen die Altenberger auf etliche Fußballer, die derzeit beim EM-Turnier in Frankreich für ihre Nationen spielen.

Montag, 20.06.2016, 15:06 Uhr

Die B1 des TuS Altenberge beim Milk Cup 2013. Vorne (im Anzug): Nordirlands Trainer Michael O’Neill. Hintere Reihe (links): Erwin Hammer, damals Vorsitzender des TuS, und Betreuer Stefan „Steppy“ Roters, die Spieler Jakob Schlatt, Aldo Colalongo, Felix Kemper (M.) und Kieran Schulze-Marmeling; hinten (2.v.r. Hermann Löhring, Jannick Roters und Dietrich Schulze-Marmeling (leicht verdeckt)
Die B1 des TuS Altenberge beim Milk Cup 2013. Vorne (im Anzug): Nordirlands Trainer Michael O’Neill. Hintere Reihe (links): Erwin Hammer, damals Vorsitzender des TuS, und Betreuer Stefan „Steppy“ Roters, die Spieler Jakob Schlatt, Aldo Colalongo, Felix Kemper (M.) und Kieran Schulze-Marmeling; hinten (2.v.r. Hermann Löhring, Jannick Roters und Dietrich Schulze-Marmeling (leicht verdeckt) Foto: privat

Seit 30 Jahren ist Nordirland erstmals wieder bei einem großen Turnier dabei. Vater des Erfolgs ist Michael O’Neill, seit 2011 Trainer der Auswahl der Irish Football Association (IFA), des weltweit viertältesten Fußballverbands. Die Ernennung des Katholiken O’Neill war ein Politikum und symbolisierte ein neues Denken im Verband, denn seit 1962 wurde die Mannschaft ausschließlich von Protestanten trainiert.

Seit 1983 ist die nordirische Causeway Coast alljährlich Schauplatz des Northern Ireland Milk Cup (ab diesem Sommer NI Super Cup). Die Initiatoren des Wettbewerbs, darunter die nordirischen Fußballlegenden Bertie Peacock und Harry Gregg, wollten der fußballbegeisterten Jugend der Welt zeigen, dass ihr Land mehr als nur Mord und Terror zu bieten hat.

Der Milk Cup wird stets von einem prominenten Gast eröffnet. 2013 war Michael O’Neill an der Reihe, der sich im Stadion von Coleraine mit der B-Jugend des TuS Altenberge 09 zum Gruppenfoto stellte.

Für den TuS war es nach 2004 und 2006 bereits die dritte Teilnahme an diesem Fünf-Kontinente-Turnier.

Den Verantwortlichen des TuS ist vor allem das Turnier 2006 in Erinnerung geblieben, als eine um Spieler anderer Vereine verstärkte Altenberger B-Jugend bis ins Halbfinale vorstieß, wo man Spartak Moskau mit 0:1 unterlag. Bayern München, Manchester United (mit Ron Robert Zieler im Tor) und Chelsea waren bereits eine Runde vorher ausgeschieden. Für den TuS liefen damals unter anderem David Marx und Tobias Herrmann, mittlerweile Spieler der ersten Seniorenmannschaft, die heutigen Wilmsberger Marius Wies, Matthias Brüggemann und Maxi Langer, der Laerer Jan Schwier und die späteren U-19-Bundesligaspieler Christian Keil, Pascal Koopman, Timo Möllering und Kieran Schulze-Marmeling auf.

Aus dem nordirischen Kader für die EM in Frankreich waren in jenem Sommer vier Spieler dabei: Johnny Evans und Torjäger Kyle Lafferty starteten im U-19-Wettbewerb, Conor McLaughlin und Shane Ferguson zwei Altersklassen tiefer. Insgesamt sind 20 der 23 nordirischen EM-Fahrer ehemalige Milk-Cup-Akteure.

Der Milk Cup beziehungsweise NI Super Cup hat für den nordirischen Nachwuchs eine enorme Bedeutung. Jeder junge Kicker träumt davon, zumindest einmal dabei zu sein. Hierfür muss man aber in das Auswahlteam einer Grafschaft (County) berufen werden, von denen es sechs gibt. Das Turnier ist eine Leistungsshow, bei der sich die Scouts der englischen und schottischen Proficlubs ein Stelldichein geben.

Physisch waren die County-Teams immer schon stark und unbequem. Dazu trägt auch die Schule bei: In den katholischen Einrichtungen werden die Gaelic Games zelebriert, in den protestantischen Rugby – zwei stark von Physis geprägte Ballspiele. 2013 erfuhr der TuS, dass sich mittlerweile zur Physis auch Technik und Taktik gesellt hatten. 2015 wurde der B-Jugend-Wettbewerb dann erstmals von einer nordirischen Grafschaft gewonnen.

In Frankreich ist Nordirland nicht das einzige Team, das mit Milk-Cup-Absolventen gespickt ist. Bei den Walisern ist Real Madrids Star Gareth Bale ein ehemaliger Milk-Cup-Spieler, bei den Portugiesen Bayerns 35 Millionen Euro teure Neuerwerbung Renato Sanches, der beim Milk Cup 2012 für die B-Junioren von Benfica Lissabon am Ball war und zum besten Spieler des Turniers gekürt wurde. England kommt mit gleich fünf ehemaligen Milk-Cup-Akteuren: James Milner, Wayne Rooney, Ryan Bertrand, Raheem Sterling und Marcus Rashford. Shooting-Star Rashford, der jüngste Spieler des Turniers, gehörte zum Manchester-United-Team, das 2013 den TuS Altenberge mit 4:1 schlug.

In den letzten Jahren haben einige im Norden geborene und ausgebildete katholische Talente für die Auswahl der Republik optiert, die in Frankreich ebenfalls dabei ist. Was aber nicht heißt, dass für den Norden überhaupt keine Katholiken spielen würden. Einer von ihnen ist der bereits erwähnte Rechtsverteidiger Conor McLaughlin aus dem Westen Belfasts, der in den Jahren des Bürgerkriegs eine Hochburg der IRA war. McLaughlin ist ein Neffe der nordirischen Patentante meines jüngsten Sohnes Lorenz Schulze-Marmeling.

Die Welt ist klein – erst recht im Fußball.

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