Fußball: Die Deutsche Nationalmannschaft
Wo sind all die Neuner hin?

Kreis Steinfurt -

Nur sieben Tore in sechs Spielen: Die Deutsche Nationalmannschaft hatte bei der Europameisterschaft in Frankreich ein Sturmproblem. Vor allem im Zentrum. Darüber sind sich die Trainer aus dem Kreis Steinfurt einig. Klar ist auch, dass sie sich für einen echten Mittelstürmer aussprechen und von falschen Neuen nicht viel halten.

Freitag, 08.07.2016, 16:07 Uhr

Frankreichs Olivier Giroud (l.) verkörpert den klassischen Mittelstürmertyp.
Frankreichs Olivier Giroud (l.) verkörpert den klassischen Mittelstürmertyp. Foto: dpa

Deutschland war mal eine Fußballnation, die auf echte Mittelstürmer bauen konnte. Seeler, Müller , Hrubesch, Völler, Klose – alles richtige Strafraumexperten mit eingebauter Torgarantie. Ein Spielertyp, der bei der aktuellen DFB-Elf etwas in Vergessenheit geraten zu sein scheint. Warum das so ist, wollte WN-Sportredakteur Marc Brenzel von Trainern wissen, die als Angreifer selbst das Knipser-Gen in sich tragen oder getragen haben.

Christof Brüggemann (Spielertrainer SV Wilmsberg): „Es stellt sich nicht die Frage nach einem klassischen Neuner , sondern nach einem echten Torjäger. Der fehlte uns, weil zum Beispiel Thomas Müller im ganzen Turnier nicht zu seiner Form gefunden hat. Generell bin ich ein Anhänger davon, mit einem echten Neuner zu spielen. Diese Typen schaffen Räume, von denen die nachrückenden Mitspieler profitieren. So wie es Giroud, der für mich eine richtige Maschine ist, bei Frankreich für Griezmann macht oder Nani bei Portugal für Ronaldo. Nicht umsonst stehen diese beiden Mannschaften im Finale der Europameisterschaft .“

Matthias Kappelhoff (Trainer 1. FC Nordwalde): „Ich bin ein großer Freund von einem klassischen Mittelstürmer – aber was soll ich auch anderes sagen, schließlich habe ich jahrelang auf dieser Position gespielt. Allerdings hat sich das Aufgabenprofil verändert. Nur im Strafraum zu stehen und zu lauern, das kannst du nicht mehr machen. In dieser Rolle muss man vieles mitbringen und zugleich Wandspieler sowie Vollstrecker sein. Mit Klose hatten wir 2014 ja noch so einen. Für mich ist Robert Lewandowski momentan der beste Mittelstürmer der Welt. Bei der ganzen Diskussion in den vergangenen Jahren um falsche Neuner und hängende Spitzen ist die Ausbildung von wirklichen Stoßstürmer bei uns vielleicht etwas in Vergessenheit geraten. Mir fällt auf Anhieb kein deutscher Bundesligastürmer ein, der als Neuner das Zeug für die Nationalelf hat.“

Dirk Bültbrun (Trainer Vorwärts Epe, zuvor SV Burgsteinfurt): „Mit Mario Gomez und Thomas Müller, den ich auch als Strafraumspieler sehe, hatten wir ja zwei gute Leute auf dieser Position. Leider war Müller nicht in Form. Bei der EM ist mir aufgefallen, dass wieder mehr auf die klassischen Mittelstürmer gebaut wird, diese aber nur wenige Aktionen haben, weil ungeheuer eng verteidigt wird und kaum noch Räume vorhanden sind. Vielleicht wäre dann ein robuster Mittelstürmer nicht schlecht. In der Bundesliga denke ich da an Sandro Wagner. Der bringt 1,94 Meter an Länge mit. So einen zu verteidigen, ist gar nicht so einfach. Ich bin auf jeden Fall ein Befürworter davon, auf einen echten Stoßstürmer zu setzen.“

Björn Stoth (2015/16 spielender Co-Trainer bei Arminia Ochtrup II: „Ganz vorne hat die Deutsche Nationalmannschaft momentan wirklich ein Problem. Dabei ist Mittelstürmer doch die schönste Position überhaupt. Hinter Mario Gomez verfügen wir über keinen zweiten echten Neuner. Früher gab es mit Stephan Kießling immer noch einen, den man von der Bank bringen konnte. Wer das Sturmproblem schnell lösen könnte, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Mit David Selke von RB Leipzig oder dem Bremer Johannes Eggestein, der ja auch sehr gut sein soll, gibt es sicherlich vielversprechende junge Leute. Aber die helfen uns auf die Schnelle wahrscheinlich auch nicht weiter.“

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