Fußball: Kreis Steinfurt
Amateurfußball: Englische Probleme und ihre Lösungen

Kreis Steinfurt -

Englische Wochen haben die Bezirksliga-Fußballer des SV Wilmsberg nicht gerne. Damit stehen „Piggen“ aber nicht allein auf weiter Flur. Die ungewohnte Mehrfachbelastung stellt Körper und Geist vor Probleme. Für die gibt es aber auch Lösungen.

Mittwoch, 15.05.2019, 12:10 Uhr aktualisiert: 17.05.2019, 12:24 Uhr
Wenn Marius Wies (r.) und seine Wilmsberger in der Woche spielen müssen, läuft es in der Regel etwas schleppender. Am Gründonnerstag gewannen sie zwar gegen den TuS Recke, fanden dabei allerdings erst in der zweiten Hälfte zur Normalform.
Wenn Marius Wies (r.) und seine Wilmsberger in der Woche spielen müssen, läuft es in der Regel etwas schleppender. Am Gründonnerstag gewannen sie zwar gegen den TuS Recke, fanden dabei allerdings erst in der zweiten Hälfte zur Normalform. Foto: Marc Brenzel

„Wir können nur sonntags um 15 Uhr unseren besten Fußball spielen“, legt sich Christof Brüggemann fest. Seine These fußt auf einer Statistik, die keinem Fan des SV Wilmsberg passt: „Seit ich hier Trainer bin, geben wir die Nachholspiele unter der Woche teilweise ja schon kläglich ab. Das ist eine echte Kopf­sache.“

Egal, ob an einem Donnerstagabend, ostermontags oder sonntags um eins bei einer Reserve – die Piggen liefern schlechtere Ergebnisse ab, sobald nicht zur Standardzeit angepfiffen wird. „Vernünftig auszuschlafen, sich anderthalb Stunden vor dem Anstoß zu treffen, eine ausführliche Besprechung, ein ordentliches Warm­machen – das alles fällt weg, wenn wir zum Beispiel an einem Wochentag antreten müssen. Die Fokussierung fehlt, entsprechend schwer kommen wir rein“, hat Brüggemann zuletzt wieder erkannt.

Aber dieses Problem hat der SVW nicht exklusiv. Nahezu alle haben Schwierigkeiten, wenn dienstags, mittwochs oder donnerstags der Ball rollen soll. Gerhard Rühlow, Staffelleiter diverser Ligen, weiß das nur zu genau. Er ist es gewohnt, dass sich die Trainer ihm gegenüber über Pokal- und Punktspiele in der Woche beklagen: „Keiner hat die gerne – weder im Spätherbst noch Ende August.“ Die langen Arbeitstage der Spieler und die teils frühen Anstoßzeiten brächten halt den fußballerischen Biorhythmus vieler Amateurkicker komplett durchein­ander, argumentieren die Coaches unisono.

Aber an welchen Stellschrauben kann gedreht werden, wie können Hobbysportler in Englischen Wochen trotzdem die gewohnte Leistung bringen?

Mentalcoach Frank Pudel arbeitet viel mit Sportmannschaften zusammen und weiß, welche Faktoren Erfolg und Misserfolg begünstigen können. Für ihn ist klar: „Die mentale Einstellung, mit der ich in ein Nachholspiel reingehe, ist entscheidend. Wenn ich darüber klage, dass der Arbeitstag hart war, dann kann ich auch abends nicht die letzten Reserven mobilisieren.“

Der Saerbecker rät zu ganz einfachen Hilfsmitteln, um schnelle Leistungsfähigkeit zu erlangen. Zu seinem Ein-mal-Eins für die Kabine gehört eine aufrechte Körperhaltung: „Die Arme nach oben strecken, Kopf hoch und Körperspannung einnehmen – das alleine schüttet schon Glückshormone aus, sorgt für Energie und macht den Kopf frei. Dazu vielleicht die passende Motivationsmusik vor dem Spiel. Am besten Lieder mit ordentlich Power.“

Um aus dem „Blues“ der Englischen Wochen herauszukommen, plädiert Pudel dafür, den Kopf ein wenig qualmen zu lassen. „Sich immer wieder zu fragen, was kann ich besser machen, um auch an Wochenspieltagen erfolgreich zu sein, bringt eine Menge. Das innere Google-System liefert dann zwangsläufig die passenden Lösungen und sorgt für ein positives Denken.“

Für Dr. Jochen Veit sind Spiele außerhalb des Wochenendes nicht die Ausnahme, sondern der Regelfall. Der 47-Jährige ist Teamarzt der Iserlohn Roosters, die in der Deutschen Eis­hockeyliga (DEL) zwischen September und Anfang März 52 Partien bestreiten müssen – mögliche Play-offs nicht eingerechnet. Er vertritt den Standpunkt, dass gerade in Englischen Wochen eine gute Vorbereitung das A und O ist. Und die beginnt direkt nach dem Abpfiff – nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

„Der Körper braucht nach einem Match drei Tage, um sich zu regenerieren. Die Profis haben da natürlich ganz andere Möglichkeiten, aber auch die Amateure können diesbezüglich was machen. Die Frage ist, wie ernst das ein Hobbysportler nimmt“, betont Veit, der sich neben den Roosters auch um die A-Liga-Kicker des 1. FC Nordwalde kümmert.

Auf seiner Hitliste steht ein vernünftiges Auslaufen ganz oben. Das fördert die Durchblutung und hilft, die Muskulatur zu entspannen. Unterstützend wirken Wechselduschen mit kaltem und heißem Wasser. Elektrolythaltige Getränke und kohlenhydrathaltige Nahrung nach der Partie – gerne Pasta – gelten ernährungstechnisch als wertvoll.

Veit ist sich aber bewusst, dass das Auslaufen in den unteren Spielklassen nicht unbedingt angesagt ist, und dass das Fläschchen Bier gegenüber dem Iso-Drink bevorzugt wird. Eine Frage der Disziplin halt. Die, die in den Englischen Wochen sportlich auf der Sonnenseite stehen möchte, kennen die Antwort.

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