Fußball: Westdeutscher Fußballverband
Lücke im Regelwerk: Fußballer provozieren Gelbsperren

Kreis Steinfurt -

Ende November wird Gelb zur Lieblingsfarbe auf den westdeutschen Sportplätzen. Denn jedes Jahr um diese Zeit führt eine Unachtsamkeit im Regelwerk dazu, dass sich Amateurfußballer regelrecht um Gelbe Karten bemühen. Auch wenn stichhaltige Beweise fehlen, die Indizienlage ist erdrückend.

Dienstag, 19.11.2019, 14:40 Uhr aktualisiert: 19.11.2019, 17:45 Uhr
Vor spielfreien Wochenende können Gelbe Karte mehr Segen als Fluch sein. Eine Unachtsamkeit im Regelwerk des Westdeutschen Fußballverbandes macht das möglich.
Vor spielfreien Wochenende können Gelbe Karte mehr Segen als Fluch sein. Eine Unachtsamkeit im Regelwerk des Westdeutschen Fußballverbandes macht das möglich. Foto: Günter Saborowski

Eine Unachtsamkeit im Regelwerk des Westdeutschen Fußballverbandes macht es möglich: Unsportliches Verhalten wird belohnt! Wie am vergangenen Wochenende, als sich diverse Amateurkicker redlich darum bemühten, ihre fünfte Gelbe Karte zu erhalten.

Im Gegensatz zu Roten oder Gelb-Roten Karten, die automatisch eine Spielsperre nach sich ziehen, sieht die fünfte (später die zehnte, die 15.) Gelbe Karte vor: „Gesperrt für zehn Tage, höchstens aber ein Meisterschaftsspiel.“

Da am letzten Novemberwochenende in Westfalen aufgrund des Totensonntags traditionell keine regulären Punktspiele angesetzt sind, liegen zwischen Runde 15 (17. November) und Runde 16 (1. Dezember) demnach 14 Tage. Wer also mit vier Gelben Karten vorbelastet ist, hätte sich am Sonntag eine fünfte „verdienen“ und seine Sperre basierend auf der „Zehn-Tage-Regel“ am spielfreien Wochenende abbrummen können. Ein Schlupfloch im Passus, das auch jetzt wieder als Angebot verstanden wurde.

So zum Beispiel in der Staffel 12 der Bezirksliga . 17 Akteure starteten mit vier Gelben Karten in den Spieltag – neun, also über die Hälfte, ergriffen die Chance und sammelten sich ihre fünfte. Die Indizien deuten darauf hin, dass diese provoziert wurden. Sechs der neun „Verdächtigen“ holten sich ihre Bestrafungen zwischen der 82. und 90. Minute ab. Zu einem Zeitpunkt also, als die Spiele schon so gut wie entschieden waren. Die Art des Vergehens unterstützt diese Vermutung, denn sanktioniert wurden Ballwegschlagen oder Ballblockieren, was zwar mit Gelb, aber nicht darüber hinaus bestraft werden muss.

In der A-Liga waren es fünf von 20 Fußballern, die sich sozusagen freiwillig sperren ließen, in der Landesliga vier von 16. Beides eigentlich noch im Rahmen, aber auch hier lässt aufhorchen: Die Verwarnungen wurden erst relativ spät in der Schlussphase ausge­sprochen.

Gerhard Rühlow, seines Zeichens Staffelleiter der Landesliga 4, Bezirksliga 12 und A-Liga-Steinfurt, warnt in diesem Zusammenhang vor Schnellschüssen: „Auch wenn der Verdacht sehr naheliegend erscheint, sind Unterstellungen dieser Art gefährlich. Es gibt halt keine stichhaltigen Beweise. Nicht zu vergessen: Alles läuft im Rahmen der Bestimmungen ab, ist also legal.“

Der Sinn dieser Regel wird auf der höheren Funktionärsebene schon länger infrage gestellt. Wie lange sie noch angewendet wird, ist unsicher. „Ich vermute, dass diese Regel spätestens zu Beginn der neuen Saison verändert wird. Sie war bereits beim vergangenen Verbandstag im Juli ein Thema. Aber die damals vorgeschlagene Formulierung dieser Bestimmung stieß in der Versammlung auf Kritik. Und zwar mit der Anmerkung, dass sie überarbeitet und erneut vorgelegt werden soll“, erklärt Rühlow. Das Schlupfloch im Regelwerk könnte also schon bald gestopft sein.

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