Handball: Bundesliga
Ralf Lucas ist der Exot in der Eliteklasse

steinfurt -

Ralf Lucas atmet in dieser Saison Bundesliga-Luft. Als Co-Trainer der HSG Nordhorn-Lingen bekommt es der „Berufs-Burgsteinfurter“ mit den ganz großen der Handball-Szene zu tun. Der 47-Jährige ist aus einem ganz bestimmten Grund so etwas wie der Exot in der deutschen Eliteklasse.

Dienstag, 24.12.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 26.12.2019, 11:34 Uhr
Ralf Lucas (M.) ist seit 2010 Co-Trainer der Handball-Bundesligisten HSG Nordhorn-Lingen. Der 47-Jährige, der in Burgsteinfurt arbeitet, ist immer voll bei der Sache.
Ralf Lucas (M.) ist seit 2010 Co-Trainer der Handball-Bundesligisten HSG Nordhorn-Lingen. Der 47-Jährige, der in Burgsteinfurt arbeitet, ist immer voll bei der Sache. Foto: Jürgen Lüken

Weihnachten ist in Deutschland mittlerweile zur Handball-Zeit geworden, denn auch in diesem Jahr wird in der 1. und 2. Bundesliga am 26. Dezember um Punkte gespielt. Für Ralf Lucas ist das immer was ganz Besonderes: „Heimspiel gegen Magdeburg, ausverkaufte Halle, super Stimmung – was Besseres gibt es nicht.“

Lucas muss es wissen, denn er ist am 2. Weihnachtstag mittendrin – und zwar am Spielfeldrand als Co-Trainer des Erstliga-Aufsteigers HSG Nordhorn-Lingen . „In dieser Funktion bin ich einer der Exoten in der Bundesliga“, erklärt der 47-Jährige. „Außer mir sind – soweit ich informiert bin – nämlich alle anderen Co-Trainer Full-Time unterwegs.“ Lucas setzt andere Prioritäten – er arbeitet hauptberuflich als Regionalgeschäftsführer der „Barmer“ in Burgsteinfurt.

Beide Tätigkeitsfelder plus Familie – der Nordhorner ist verheiratet und Vater zweier handballspielender Töchter – terminlich unter einen Hut zu bringen, das ist für den ehemaligen Zweitliga-Kreisläufer gar nicht so einfach: „Gott sei dank spielt mein Arbeitgeber mit, sonst wäre mein Engagement bei der HSG im aktuellen Umfang gar nicht möglich.“

15 bis 20 Stunden pro Woche veranschlagt der Nordhorner für sein Wirken beim Aufsteiger. Mal mehr, mal weniger – das hängt unter anderem von den Auswärtsfahrten ab. „In Erlangen, Göppingen und Balingen sind wir schon am Vortag angereist. Das kostet Zeit. Aktuell baue ich auf diese Weise meine Überstunden aus den Vorjahren ab“, zwinkert der „Berufs-Steinfurter“.

Ein Auswärtsspiel im tiefen Süden oder Osten wäre für das HSG-Eigengewächs („Ich bin seit Vereinsgründung Mitglied“) an Weihnachten schwer vorstellbar, denn das Fest gehört für Lucas der Familie: „Sie verzichtet ohnehin schon viel auf mich. Das muss am 1. Weihnachtstag nicht auch noch so sein.“ Insofern darf er in Absprache mit Trainer Geir Sveinsson auch morgen das Training ausfallen lassen.

Das ist okay, denn das Programm rund um die Feiertage ist für die Niedersachsen ohnehin straff genug. Am vergangenen Donnerstag wurde bei den Rhein-Neckar Löwen (28:32) gespielt, am Freitag regenerativ trainiert und gestern und morgen sich gezielt auf den SC Magdeburg vorbereitet. Nicht zu vergessen, dass am 29. noch die Partie beim Bergischen HC ansteht.

„Deshalb versuche ich, den Handball an den Feiertagen auszublenden. So ein bisschen auch aus Selbstschutz“, erzählt Lucas. „Die Partie gegen Magdeburg rückt für mich erst am Spieltag in den Fokus. Anwurf ist um 18 Uhr in der Emsland-Arena in Lingen. Spätestens wenn ich mich um 15.30 Uhr ins Auto setze, bin ich aber voll im Tunnel.“

Handball ist für den Hundeliebhaber die „coolste Sportart, die es gibt“. Sich mit den besten Spielern und Trainern der Welt zu messen, in den großen Hallen wie Kiel, Mannheim oder Berlin anzutreten – das sei alles schon eine super Sache und mache unheimlich viel Spaß. Und das trotz der erst zwei Zähler, die der EHF-Pokalsieger von 2008 derzeit auf dem Konto hat.

„Wir wussten, dass es schwer werden würde, aber den Klassenerhalt haben wir noch lange nicht ad acta gelegt. Wie heißt es doch gleich: ,Totgesagte leben länger‘“, ist Lucas fest von der sportlichen Wiederauferstehung seiner HSG überzeugt. Dem Kontext nach wäre das dann aber eher eine Geschichte für die Osterfeiertage . . .

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