Kreissportbund Steinfurt: Interview mit Uli Fischer
Warum die Krise eine Chance ist

steinfurt -

Wie entwickelt sich die Corona-Krise auch im Hinblick auf den Sport und die Sportvereine im Kreis Steinfurt? Diese Fragen kann Uli Fischer, Vorsitzender des Kreissport-Bundes, auch noch nicht schlüssig beantworten. Gleichwohl sieht der KSB-Chef durchaus auch Chancen, die sich nun ergeben und die Möglichkeiten der Vereine, in vielen Bereichen noch enger zusammenzuarbeiten.

Freitag, 20.03.2020, 17:49 Uhr

Das Corona-Virus verbreitet Angst und Schrecken. Die Folgen der Pandemie sind in allen Lebensbereichen spür- und sichtbar. Auch im Sport, wo seit zwei Wochen nichts mehr geht. In den Sporthallen und auf den Sportplätzen ist es gespenstisch ruhig geworden. Ebenso in den Vorstandszimmern. Was anfangen mit der Ruhe? Nachdenken, Ideen schmieden und in die Zukunft blicken, meint Uli Fischer . Im Gespräch erklärt der Vorsitzende des Kreissportbundes ( KSB ), warum die Sportvereine die Krise auch als Chance verstehen können.

In einem Rundschreiben an die Vereine beschreiben Sie die Folgen der Corona- Krise als Chance für die Vereine. Können sie das erklären?

 

Fischer: Der gemeinnützig organisierte Sport war bei allen Krisen bisher immer so etwas wie ein sozialer Anker in der Gesellschaft. Ich erinnere mich an die Oder-Flut, als ganz viele Sportvereine spontan rübergefahren sind und geholfen haben. Auch in der Flüchtlingssituation 2015 hat der Sport bewiesen, dass er sich auf Vieles einstellen kann. Das ist eine Fähigkeit, an die man jetzt auch wieder denken muss. Beim Sport muss man vor allem Geduld und Ausdauer beweisen, um zum Ziel zu kommen. Beides ist in dieser Krise besonders gefordert.

Zunächst einmal ruht der komplette Sportbetrieb. Welche Reaktionen erreichen Sie aus den Vereinen?

 

Fischer: Ich habe von mehreren Vereinen gehört, dass die Situation bei allen Schwierigkeiten auch die Gelegenheit bietet, die Ruhe zu nutzen, um zu schauen, wo wir stehen und wo wir hinwollen. Wenn kein Druck da ist, wie ich am nächsten Wochenende die Mannschaften aufs Feld bekomme, eröffnet das neue Möglichkeiten, sich abseits des Tagesgeschäftes grundsätzliche Gedanken zu meinen Vereinszielen zu machen.

Wie kann das konkret funktionieren, wo ja auch der persönliche Austausch nur sehr eingeschränkt möglich ist?

 

Fischer: Dank der digitalen Medien ist es ja gar kein Problem, weiterhin zu kommunizieren. Ich glaube, es ist jetzt ein Einfallstor da, sich mit freiem Kopf Zukunftsthemen zu widmen. Das ist auch die Kernidee unserer Botschaft an die Vereine.

Welche Sorgen treiben den Vereinssport um?

 

Fischer: Da gibt es zum Beispiel einen Verein, der für Meisterschaften Hotelkontingente und Busse für 200 Leute gebucht hat und jetzt auf den Stornokosten hängt. Anliegen dieser Art sammeln wir auf Kreis-, aber auch auf Landesebene, um einen Überblick über die Dimension der Schäden zu erhalten. Am Ende werden wir schauen, welche Möglichkeiten der Unterstützung es geben wird. Aber das wissen wir im Moment noch nicht. Wichtig ist allein, dass möglichst viele Menschen unbeschadet die Krise überstehen und dass wir alle uns solidarisch denen gegenüber verhalten, die für die öffentliche Ordnung sich weit über das normale Maß einsetzen. Die Menschen an der Supermarktkasse bis hin zu den Ärzten und Pflegekräften im Gesundheitsbereich, denen allen gebührt unser großer Dank!

Welche Fragen ergeben sich für das Personal in den Vereinen?

 

Fischer: Das ist das nahe liegendste Thema. Es gibt in vielen Vereinen nicht nur Trainer und Übungsleiter, sondern auch Geschäftsstellenmitarbeiter, wo man schauen muss, wie man die Arbeitsplätze erhält und finanziert. Das geht am ehesten, wenn erst mal alle im Verein bleiben und es auch eine Initiative wie in der Kultur gibt und die Teilnehmer auf eine Rückerstattung von Kursgebühren verzichten, auch wenn es keine Leistung gibt. Mit diesem Signal gebe ich dem Verein eine finanzielle Sicherheit.

Wie verhält es sich Grundsätzlich mit Ansprüchen der Mitglieder auf Erstattung von Beiträgen?

 

Fischer: Bei den Mitgliedsbeiträgen hat man nach der Abgabenordnung keinen Anspruch auf Erstattung. Ein Mitgliedsbeitrag ist kein Leistungsaustausch, sondern ein dem Vereinszweck verpflichteter Beitrag, den alle Mitglieder zahlen. Daraus leitet sich ja auch die Gemeinnützigkeit ab. Anders verhält es sich bei Kursgebühren, wo der Verein für eine konkrete Leistung ein Entgelt erhebt. Dort bewegen sich Verein und Teilnehmer auf einer geschäftlichen Ebene. Welche Ansprüche auf Erstattung es in diesem Bereich gibt, prüfen wir im Moment über unsere Landesorganisation. Unser Appell lautet: Lasst Fünfe gerade sein und treibt die Vereine nicht in die finanzielle Bredouille.

Welche Unterstützung können die Vereine im Moment erwarten?

 

Fischer: Natürlich stehen wir als Kreissportbund als Ansprechpartner zur Verfügung. Außerdem gibt es ein Beratungsportal des Landessportbundes (www.vibss.de, die Redaktion), das vor allem auch in der Frage im Umgang mit Beschäftigten berät.

Wie schätzen Sie die Folgen für den Vereinssport ein?

 

Fischer: Ich hoffe, erst einmal keine. Unsere Vereine haben bisher immer die Fähigkeit entwickelt, sich besonders dann zurecht zu ruckeln, wenn es schwierig wurde. Nehmen wir mal das Beispiel Ganztag, als plötzlich die Zeiten wegbrachen, zu denen Vereine Kinder- und Jugendsport angeboten haben. Die Fähigkeit, sich auf neue Situationen einzustellen, die ist recht ausgeprägt.

Wie sieht Ihr Arbeitstag derzeit aus?

 

Fischer: Ich habe Home-Office. Wir telefonieren viel miteinander. Die Arbeitsstruktur hat sich verändert. Im Moment arbeiten wir Dinge ab, die liegen geblieben sind. Wir machen das, was wir auch den Vereinen empfehlen: Wir kümmern uns um Konzeptionelles.

Wann planen Sie, zum Alltagsgeschäft zurückzukehren?

 

Fischer: Wir sind im Moment dabei, für Anfang Mai die Termine wieder langsam neu anzuschieben. Aber das wird noch spannend. Man muss jetzt warten, wie es sich ,ot der Pandemie in den nächsten Wochen weiterentwickelt.

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