American Football
Für Lisa Tegtmeier hat im Zweifel der Football den Vorzug

Davensberg -

Ei oder Fußball? Im Zweifel gibt Lisa Tegtmeier dem Ovalen den Vorzug. Die 15-Jährige aus Davensberg kann mit beiden Sportgeräten gut umgehen, doch die (noch) größere Leidenschaft gehört dem American Football.

Donnerstag, 13.04.2017, 18:04 Uhr

Als Running Back muss Lisa Tegtmeier (mit Ball) einiges einstecken. Ihre Aufgabe ist es, den Ball nach Möglichkeit zum Touchdown über die Endlinie des gegnerischen Teams zu tragen.
Als Running Back muss Lisa Tegtmeier (mit Ball) einiges einstecken. Ihre Aufgabe ist es, den Ball nach Möglichkeit zum Touchdown über die Endlinie des gegnerischen Teams zu tragen. Foto: Roman Henel

Ei oder Fußball? Die 15-jährige Lisa Tegtmeier kann mit beiden Sportgeräten gut umgehen, gibt aber im Zweifelsfall einem klar den Vorzug : „ American Football – auf jeden Fall“, antwortet die Davensbergerin auf die Frage, welcher Sportart ihre Nummer eins ist.

Das ist eine Ansage. Denn die im besten Sinne sportbesessene Jugendliche ist keine Fußballverächterin. Im Gegenteil: Jahrelang stand sie für ihren Heimatverein Davaria zwischen den Pfosten, zuletzt für die U 17 der JSG Amelsbüren/Ottmarsbocholt/ Davensberg in der Kreisliga Münster . Dann fragte eine Freundin, ob sie sich nicht der in der gleichen Klasse spielenden DJK Borussia Münster anschließen wolle. Dort spielt Tegtmeier nun in der Abwehr. Ab Sommer könnte sie wieder im Tor stehen. Da die U 17 der Borussen mangels Spielerinnen vor der Auflösung steht, hat die Davensbergerin bereits ein Probetraining bei Wacker Mecklenbeck absolviert.

Keeperin, Feldspielerin . . . Fehlt da nicht was? Richtig, Nachwuchstrainerin ist die 15-Jährige auch noch. Seit sie in Kaiserau bei Herbert Hrubesch, dem Bruder von Fußballlegende Horst, die entsprechende Lizenz gemacht hat, ist Lisa Tegtmeier die jüngste Trainerin Deutschlands. Davon profitiert die E-Jugend der JSG Ottmarsbocholt/Davensberg, die sie unter ihre Fittiche genommen hat.

Schon bei der U  13 hatten wir ein Playbook von über 30 Spielzügen.

Lisa Tegtmeier

Doch die Begeisterung für das runde Leder verblasst gegenüber der Leidenschaft für das Ei. Vor drei Jahren schloss sich Tegtmeier den Münster Mammuts an, legte für die U 13 der Dom­städter erstmals Helm und Rüstung an. Als Mädchen war sie unter lauter Jungs ein Exot und musste lernen, sich mit Hilfe ihres sportlichen Talents, Ellenbogen und Selbstbewusstsein gegen ihre männlichen Mannschaftskollegen durchzusetzen. Ihre damaligen Trainer Dennis Behlert und David Baumeister hielten ihr die Stange. „Sie haben mich immer angespornt“, ist die 15-Jährige heute noch dankbar.

Um weiter mit Jungs um das Ei zu kämpfen, ist sie nach den Verbandsvorgaben inzwischen zu alt – was sie ordentlich ärgert. Deshalb absolvierte Tegtmeier Probeeinheiten bei den Bundesliga-Frauenteams der Bochum Miners und Bielefeld Bulldogs. Am Ende entschied sie sich gegen einen neuen Verein: „Die Fahrerei wäre zu viel geworden.“ Immerhin geht sie ganztags auf die Gesamtschule Nordkirchen.

Nun bleibt sie doch bei den Mammuts, denn die Münsteraner haben zwischenzeitlich erstmals in der Vereinsgeschichte eine Damenmannschaft gegründet. 20 Frauen haben sich dem Team bis jetzt angeschlossen. Auch wenn nicht alle von ihnen regelmäßig trainieren – etwa ein Dutzend nimmt an den Übungseinheiten teil, so Lisa Tegtmeier – ist die Tendenz steigend. Dennoch war der Kader zu schmal, um schon zur Saison 2016/17 in den Ligaspielbetrieb einzugreifen. Neuzugänge seien willkommen, betont die Davensbergerin. Ab 15 Jahren kann man mitmachen, nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt. „Unsere älteste Spielerin ist 40“, sagt Lisa Tegt­meier.

Mein Ziel ist es, auf jeden Fall mal in der Nationalmannschaft zu spielen.

Lisa Tegtmeier

Sie selbst ist Running Back. Das ist die Spielerin, die in der Regel in Zusammenspiel mit Quarterback und Receiver für die Touchdowns sorgen soll. Die Überquerung der gegnerischen Endlinie mit dem Spielgerät bringt die meisten Punkte beim American Football – sechs auf einen Schlag, der anschließende Kickoff kann den siebten bringen. Als Running Back müsse man vor allem schnell sein, so die 15-Jährige. Und robust, „weil man schon viel abkriegt“.

Was ist so besonders am American Football? „Die Mischung aus körperlichem Kontakt, Technik und Konzentration“, antwortet Tegt­meier, die als Zwölfjährige Feuer fing, als sie sich im Fernsehen die Übertragung des Super Bowl ansah. Konzentration erfordert allein schon um spontane Umsetzung eines Zugs aus dem Spielbuch der Mannschaft. Und von denen gibt es einige: „Schon bei der U  13 hatten wir ein Playbook von über 30 Spielzügen“, erinnert sich die Schülerin.

Lisa Tegtmeier, die eines Tages an der Gesamtschule Nordkirchen auch ihr Abitur machen will, ist ehrgeizig: „Mein Ziel ist es, auf jeden Fall mal in der Nationalmannschaft zu spielen. Aber Geld verdient man mit American Football in Deutschland nicht.“

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