Ablösesummen im Amateur-Fußball
Bitte Wechsel-Geld bereithalten!

Bezirk Lüdinghausen -

Ablösesummen gibt es nicht nur im Profi-Fußball. Auch Amateur-Vereine müssen es sich oft etwas kosten lassen, wenn sie einen Spieler von einem anderen Club holen wollen. Das kann teuer werden.

Dienstag, 18.07.2017, 19:07 Uhr

Es sind zuweilen schwindelerregende Summen, die Fußball-Clubs hinblättern, um sich die Dienste ihrer Wunsch-Kicker zu sichern. Rund 105 Millionen Euro überwies Manchester United 2016 für den Franzosen Paul Pogba – aktuell Weltrekord bei den Ablösesummen. Dagegen muten „läppische“ 41,5 Millionen für Pogbas Landsmann Corentin Tolisso, die Bayern München sich den bislang teuersten Bundesliga-Transfer dieses Jahres kosten ließ, fast schon wie ein Schnäppchen an. Und vergleichsweise als „Peanuts“ darf man die Summen bezeichnen, die für Amateur-Fußballer in Deutschland fällig werden, wenn es heißt: Bitte Wechsel-Geld bereithalten!

Ich finde die Beträge, die bei den Profis gezahlt werden, völlig überzogen und bin froh, dass die Entschädigungszahlungen bei Amateuren klar geregelt sind.

Reinhold Spohn, Vorsitzender des Verbandsfußball-Ausschusses des FLVW

„Ich finde die Beträge, die bei den Profis gezahlt werden, völlig überzogen und bin froh, dass die Entschädigungszahlungen bei Amateuren klar geregelt sind“, meint Reinhold Spohn , Vorsitzender des Verbandsfußball-Ausschusses des FLVW. Es sind dennoch – je nach Blickwinkel – lu­krative Einnahmen beziehungsweise happige Ausgaben, die in der Regel für die Clubs im Westdeutschen Fußball-Verband (WDFV) fällig werden, wenn sie sich mit neuem Personal von anderen Vereinen verstärken wollen.

Abmeldung beim Ex-Club kein Freifahrtschein zum neuen Verein

Mit einem immer wieder kursierenden Irrtum räumt Spohn noch einmal auf: Die rechtzeitige Abmeldung eines Spielers bei seinem bisherigen Club bis zum 30. Juni und der bis zum 31. August beim Verband eingehende Antrag auf Spielerlaubnis für den neuen Verein sind zwar die Voraussetzung für einen Wechsel – „Sie ersetzen aber nicht eine der drei weiteren Bedingungen“, wie Spohn betont: die erforderliche Zustimmung des abgebenden Clubs, eine Entschädigungszahlung, die die Zustimmung ersetzt, oder eine Wartefrist für den wechselnden Kicker bis zum 1. November, wenn der neue Clubs das Geld nicht locker machen kann oder möchte.

Entschädigungszahlungen für Amateure klar geregelt

Geregelt sind die zuletzt im Jahr 2012 angepassten Ablösesummen in Paragraf 16 der DFB-Spielordnung, der wiederum für den entsprechenden Paragrafen 18 der Spielordnung des WDFV maßgeblich ist (siehe Info-Kasten). Die festgelegten Beträge richten sich nach der Liga der ersten Mannschaft des aufnehmenden Vereins in dem Spieljahr, in dem die Pflichtspielberechtigung erteilt wird (nach dem 1. Mai immer die Spielklasse der neuen Saison) und bewegen sich zwischen 250 Euro (Kreisligen) und maximal 5000 Euro (3. Liga aufwärts). Wechselt ein Spieler zu einem Club, dessen erste Mannschaft in einer niedrigeren Klasse spielt, gilt der Mittelwert der Beträge für die Ligen der jeweils ersten Mannschaft des aufnehmenden und des abgebenden Vereins.

Beispiel: Wechselt ein Kicker vom A-Ligisten TuS Ascheberg zum Oberligisten RW Ahlen, beträgt die Entschädigung 2500 Euro. Geht die Reise in die andere Richtung, sind es 1375 Euro.

Verschiedene Erhöhungstatbestände

Doch wie (fast) immer gilt: keine Regel ohne Ausnahme. Bestimmte Voraussetzungen, wie beispielsweise fehlende Nachwuchsmannschaften oder das Alter, können die Summen um bis zu 100 Prozent erhöhen. Dagegen können Vertragsspieler bei Amateur-Clubs, deren Kontrakt ausläuft, ablösefrei wechseln.

Für den Fall, dass abgebender und aufnehmender Verein über die Höhe der Ablösesumme uneins sind, gibt es eine Schlichtungsstelle. „Ich habe es aber noch nie erlebt, dass sie zusammenkommen musste“, sagt Spohn. „Die Regularien sind also offenbar eindeutig.“

Endgültig erteilt wird die Spielerlaubnis für Pflichtspiele beim neuen Verein erst dann, wenn dieser die Zahlung nachweisen kann. „Üblicherweise per Überweisungsbeleg“, so Spohn. „Oder man übergibt die Summe bar zusammen mit dem Pass und lässt sich das quittieren.“

Abweichende Vereinbarungen möglich

Ein einvernehmliches Abweichen von den vorgegebenen Summen ist übrigens erlaubt – allerdings nur nach unten. Preistreiberei wie bei den Profis soll damit im Amateur-Fußball ein Riegel vorgeschoben werden.

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