100 Jahre SV Herbern
Heinz Grund: „Mein Herz schlägt für den Fußball“

Herbern -

Seit seiner Kindheit ist Heinz Grund „nah dran“ an seinem SV Herbern. Erst als Jugendspieler, später als Vorstandsmitglied – immer aber als Zuschauer. Heute ist er Rentner und weiß eine Menge Anekdoten rund um „seinen“ SVH zu berichten.

Samstag, 28.12.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 02.01.2020, 19:00 Uhr
Der SV Herbern ist sein größtes Hobby – aber nicht sein einziges: Heinz Grund bastelt auch Deko-Gegenstände aus Holz.
Der SV Herbern ist sein größtes Hobby – aber nicht sein einziges: Heinz Grund bastelt auch Deko-Gegenstände aus Holz. Foto: Isabel Schütte

„Ich war immer nahe dran“, erinnert sich Heinz Grund an viele Jahre SVH-Geschichte. „Nahe dran“ ist wörtlich zu nehmen, denn schon als Kind hatte der spätere langjährige stellvertretende Vorsitzende des SV Herbern die Möglichkeit, jedes Auswärtsspiel seines Clubs zu begleiten.

Sein Vater betrieb nicht nur die Tankstelle an der Werner Straße, ihm gehörte auch ein Busunternehmen. Mit dem Grund-Bus starteten Mannschaft und Fans sonntags zu den Auswärtsspielen. Der kleine Heinz durfte immer mitfahren. Da blieb die Begeisterung für den Verein nicht aus. Und diese Begeisterung hat sich konserviert bis heute: „Mein Herz schlägt für den SV Herbern.“

Angesichts dieser „Nähe“ zum Verein blieb es nicht aus, dass Heinz irgendwann selber aktiv wurde und in die Schüler-Mannschaft kam. Im Gegensatz zu den Senioren fuhren die Schüler- (und Jugendmannschaften) mit dem Fahrrad zu den Auswärtsspielen. Dass die Sättel in Stockum mit Dreck eingeschmiert wurden, um den Gästen aus Herbern eins auszuwischen, ist nur eine Anekdote, die das langjährige SVH-Mitglied zu erzählen weiß.

25 Jahre lang bekleidete Grund später das Amt des zweiten Vorsitzenden. Dass es nicht zu einer aktiven Senioren-Karriere in Gelb und Blau kam, hatte Heinz seinem Vater „zu verdanken“. Als der Junior seine Ausbildung als Automechaniker aufnahm, schob der Senior den Ambitionen seines Sohnes einen Riegel vor. „Er hat mir das Fußballspielen verboten – aus Angst vor Verletzungen“, erinnert sich Grund. Das tat der Begeisterung für den Verein allerdings keinen Abbruch.

Dass sich immer viele freiwillige Helfer zur Verfügung stellten, ist schon bewundernswert.

Heinz Grund

Bei seinem Engagement für die heimischen Kicker ging es Grund so wie vielen Herbernern. Wie etwa Albert Hanake: Der habe seine eigene Hochzeitsfeier unterbrochen, um für den SVH auf dem Platz zu stehen zu können, erzählt Grund schmunzelnd.

Dass er „ganz nahe dran“ war, hängt auch mit seiner beruflichen Tätigkeit zusammen: Viele Jahre betrieb er die Tankstelle an der Werner Straße. Und die war ständiger Treffpunkt für die SVH-Anhänger. „Sie war eine regelrechte Nachrichtenbörse“, so Grund, der gerne an diese Zeit zurückdenkt.

Während seiner aktiven Vorstandsarbeit arbeitete er auch mit einem anderen SVH-Urgestein zusammen: Walter Strunk. Der hatte zwar selten eine Vorstandsfunktion, war jedoch immer da, wenn Hilfe gebraucht wurde. „Was Walter für den Verein geleistet hat, ist unvorstellbar. Über ihn könnte ich ein Buch schreiben.“ Ein Kapitel wäre sicherlich der Einsatz für die erste Flutlichtanlage auf dem Platz an der Werner Straße oder die zahlreichen Verhandlungen mit auswärtigen Spielern. Die seien nicht immer nur gekommen, um in Herbern eine Klasse höher zu spielen. Eine Arbeitsstelle oder die Vermittlung einer Wohnung seien aber oftmals Anreiz genug gewesen.

Als Pendant zum impulsiven Strunk agierte damals der erste Vorsitzende Heinz Steffen, der großen Anteil an der Entwicklung des Vereins vom reinen Fußballclub zum Breitensportverein hatte. „Heinz war immer ruhig und sachlich“, erinnert sich Grund an die besonnene, aber zielstrebige Vereinsführung durch den langjährigen Vorsitzenden.

Aber ohne die breite Zustimmung und Unterstützung im Dorf wäre vieles nicht möglich gewesen. „Dass sich immer viele freiwillige Helfer zur Verfügung stellten, ist schon bewundernswert“, so Grund. Die Verlegung der Drainage oder der Bau der Stehtribünen an der Werner Straße seien in erster Linie diesen Freiwilligen zu verdanken. Dass vor vielen Jahren ein alter Hühnerstall in Kabinen verwandelt wurde, in die sich die Spieler während der Halbzeit zurückziehen konnten, ebenfalls. Grund: „Dieses große ehrenamtliche Engagement hat es im Verein immer gegeben.“

Ein anderer Bestandteil des Vereinslebens sei dagegen im Laufe der Jahre unter die Räder gekommen – die Geselligkeit. „Aber man kann heute nicht mehr mit den alten Zeiten vergleichen.“ Trotzdem: In seinen Augen blüht und gedeiht der Verein. Und das wird ihm immer regelmäßig bestätigt. „Ich höre immer wieder von Auswärtigen, wie sie den SV Herbern mit Respekt und Anerkennung betrachten.“

Aus dem aktiven „Funktionärsleben“ hat sich Grund schon längst zurückgezogen. Nach der Übergabe seiner Tankstelle an Bernd Krampe – ebenfalls ein SVH-Urgestein – betätigt er sich als Hobby-Landwirt und kümmert sich um vier Ziegen, Hühner und seine Kanarienvögel. Mittlerweile hat er ein weiteres intensives Hobby gefunden: Er bastelt, vor allem in der Weihnachtszeit, Deko-Gegenstände aus Holz.

Das Interesse am SV Herbern bleibt dabei ungebrochen. Grund besucht regelmäßig die Heimspiele. Montags schlägt er als erstes die Lokalsportseiten seiner Heimatzeitung auf. Und wenn er die Ergebnisse „seines“ Clubs registriert hat, geht es zum großen Sport. Dort schlägt sein Herz für die Bayern und die Schalker. Andere Sportarten registriert er nur am Rande: „Mein Herz schlägt für den Fußball.“

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