Kolumne: Anne rennt
Rennen für warme Böllekes

Unsere Autorin Anne Mertens war bei der Hammer Winterserie am Start. Pech für ihre Mitläufer: Kuchen gab’s nachher keinen.

Donnerstag, 30.01.2020, 18:28 Uhr aktualisiert: 03.02.2020, 13:40 Uhr
Weder alt noch schwanger, nur ein bisschen dünn angezogen: unsere Kolumnistin.
Weder alt noch schwanger, nur ein bisschen dünn angezogen: unsere Kolumnistin. Foto: Daniel Morsey

Ach ja, die Hammer Winterlaufserie hat begonnen. Wie jedes Jahr: Alle sind noch mit Festtagsspeck bepackt und im Winterschlaf, aber trotzdem trifft man alle Lauffreunde aus der Umgebung bei der „Jammer-Serie“. Ich hatte Glück, mit Freunden da zu sein – denn ich hatte kein Geld mit. Ups. Ihre letzten Cent kratzten sie zusammen, damit ich starten konnte und hatten am Ende kein Geld mehr, um sich Kuchen zu kaufen. Tja, ich habe euch so vor einigen Kalorien bewahrt. Seid dankbar. Als ich am Start begrüßt wurde mit: „Hey Anne , wir haben schon gedacht, du bist mal wieder schwanger, weil wir dich bei den letzten Wettkämpfen vermisst haben . . .“, da wusste ich: Wird Zeit, mal wieder professionell aufzulaufen. Am Start wie gesagt alle da. Na, also zumindest die „Alten und die Weiber“.

Die jungen Herren (unter 45 Jahren) starten in Hamm beim „Zehner“ nämlich schon eine Stunde eher, damit wir Alten und Weiber ihnen nicht im Weg rumrennen. Jammern konnte keiner, das Wetter, angeblich extra von Organisator Dieter windstill bestellt, war bestens, die Strecke auch. Erstmals ging es über den Damm und nicht drunter her. Fand ich super. Konnte man schön gucken. Vor allem, weil da keine Kurven waren, konnte ich genau sehen, wer vor mir war und wen ich noch einholen wollte.

Am Wendepunkt kamen uns dann alle entgegen. Auch das liebe ich. Man grüßt sich, freut sich, die anderen abzuschlagen. Ich hatte allerdings bei der Wettervorhersage was von milden zehn Grad gehört und daher ziemlich wenig an. Gut, dass Mutti das nicht gesehen hat, die hätte geschimpft. So schimpften nur meine vor Kälte blau angelaufenen Böllekes (für alle, die des Niederdeutschen nicht so mächtig sind: Beine) ein wenig. Mit zwei Mädels gab’s ein spontanes Battle. Mal war ich vorne, mal eine von ihnen. Zwei Kilometer ging das Spielchen, bis die Älteste in der Runde nicht mehr konnte – leider war ich das. Na ja, neue Altersklasse. W 40.

Lass die jungen Wilden rennen, dachte ich. Den letzten Kilometer riss ich mich zusammen, wollte gerade erleichtert ins Stadion einbiegen, da sehe ich: Noch einen Extrabogen mussten wir laufen! Was? Ich bölkte den Streckenposten an, dass das ja wohl jetzt nicht sein Ernst sei. Aber der meinte nur grinsend: „Mädel, wenn du meckern kannst, kannste auch noch schneller rennen.“ Also Klappe halten und weiter. Im Ziel war wieder alles okay. Für Januar eine gute Zeit. Die Altersklasse gefällt mir.

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