Kolumne: Anne rennt
Murre und Matsch für umme

Anne Mertens hat den Halbmarathon im Rahmen der Hammer Laufserie in Angriff genommen. Wäre da nur nicht schon wieder dieser Wind gewesen. Unsere Autorin hat er, was gar nicht so einfach ist, sprachlos gemacht.

Dienstag, 25.02.2020, 19:21 Uhr aktualisiert: 26.02.2020, 19:02 Uhr
Weniger sabbeln, Anne
Weniger sabbeln, Anne Foto: Daniel Morsey

Wenn Erwachsene wie kleine Kinder in Pfützen springen, laut „Sch...“ gegen den Wind rufen und sich zwei Stunden später überglücklich in den Armen liegen – ja, dann ist Hammer Serie bei bestem Hammer Schietwetter. Halbmarathon war am Wochenende angesagt. Und was haben Sie Sonntag so gemacht, als fast die Welt unterging? Ich war laufen. Es wurde zwar eher einer dieser Tough-Mudder-Läufe, wo man extra dafür zahlt, durch Murre und Matsche zu rennen und sich im Schlamm zu suhlen. Tja, in Hamm war das all inclusive.

Freundin Jeanette wollte ihren ersten Halbmarathon laufen – allerdings nicht bei den Vorhersagen. Also ging Samstag das WhatsApp-Theater los: „Wann sagst du ab? Bei dem Wetter fahren wir nicht.“ Ha ha, ich sag nie ab, da kann die lange warten. „Also fahren wir?? Du spinnst.“ – „Klar fahren wir. Und klar, ich spinne.“

Alles für Albert. Der hatte extra gutes Wetter für seinen Geburtstag und den ersten Halben seiner Schwiegertochter Jeanette bestellt. Jeanette hatte im Auto immer noch die Wetter-App am Start: „Um zehn kommt der Sturm. Er wird über uns kommen.“ Ja, Ja, Jeanette, wo soll denn jetzt plötzlich der Sturm herkommen? So schnell zieht doch kein Sturm auf. Anne , die kleine naive Wetterfee.

Der Rückweg wird hart

Tja. Der Hinweg über den Damm war ja noch lustig. Ich hatte Spaß, hab’ wie immer zu viel gesabbelt, bis uns ein genervter Typ überholte: „Wenn ich dich als Nachbarin hätte, würd’ ich ausziehen!“ Huch, der war ja mies drauf. Aber weiter. Bereits bei Kilometer acht am Kanal entlang wusste man, dass Jeanette recht behalten würde. Es kam wirklich über uns. Und da wir noch Rückenwind hatten war uns klar: Der Rückweg wird hart. Waren wir auf dem Hinweg noch um die Pfützen getänzelt, um keine nassen Füße zu kriegen, sprang ich jetzt mitten hinein. Egal.

Selbst ich bin dann ruhiger geworden. So wie es sich jeder Nachbar wünschen würde. Ich bin ja schwer zum Schweigen zu bringen, aber der Sturm und der Gegenwind auf dem Damm – die haben´s geschafft. Endlich Kilometer 19, fast geschafft. Jeanette war froh, den riesigen Schweinehund überwunden und morgens Nudeln mit Ketchup gegessen zu haben. Im Zelt habe ich zu Organisator Dieter gesagt: „Die Jeanette ist bei dem Wetter zum ersten Mal den Halben gelaufen.“ Er fand’s so toll, dass sie 2021 als Ehrengast starten darf. Ich natürlich auch. Sehr cool. Übrigens: Wenn meine Nachbarn (die echten) sagen, ich sei bekloppt, bei dem Wetter, das mache doch keiner, hätten sie nach Hamm kommen sollen. Lauter Verrückte! Bei gutem Wetter laufen kann jeder. Albert ist sicher stolz auf uns.

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