Fußball: Corona-Krise
Oscar Franco Cabrera ist eingesperrt in der Wohnung

Herbern -

Oscar Franco Cabrera vom Ball zu trennen, das ist gar nicht so einfach. Woran viele Gegenspieler des Mittelfeldmannes vom SV Herbern bereits gescheitert sind, das hat ein kleines, fieses Virus geschafft.

Mittwoch, 15.04.2020, 19:33 Uhr
Ausflüge zum Schloss Nordkirchen kommen für SVH-Fußballer Oscar Franco Cabrera und Freundin Cristina Morenilla Morales derzeit nicht in Betracht.
Ausflüge zum Schloss Nordkirchen kommen für SVH-Fußballer Oscar Franco Cabrera und Freundin Cristina Morenilla Morales derzeit nicht in Betracht. Foto: red

Mitte Februar entschied sich Oscar Franco Cabrera für eine Rückkehr nach Deutschland. Der 25-Jährige reiste mit seiner Freundin Cristina Morenilla Morales aus dem südspanischen Andalusien zurück nach Westfalen, um wieder beim Fußball-Landesligisten SV Herbern zu kicken und zudem in Ascheberg bei Compass als Lagerist zu arbeiten. Seit dem 13. März ist Cabrera mit seiner Freundin nun wieder in Granada.

Und beide sind dort massiv von der strengen spanischen Ausgangssperre und vom Notstand wegen der Corona-Pandemie betroffen, die gerade bis Ende April verlängert wurde. Immerhin sind sie bei der Familie von Cristina.

Kurzes Comeback

Die Blau-Gelben hatte der Leistungsträger, der im defensiven Mittelfeld Kilometer frisst und seine Gegenspieler durch seine energische Zweikampfführung nervt, Ende der Saison 2019/20 nach drei Jahren verlassen, um in seine Heimat zurückzukehren. Dort spielte er bis Ende Januar bei Arenas de Armilla.

Für den SVH bestritt Cabrera im Februar zwei Testspiele und wurde im Derby gegen den Werner SC am 8. März in der 67. Minute eingewechselt – beim Stand von 1:0. Das letzte Pflichtspiel vor der Corona-Krise endete 1:1 durch den späten WSC-Ausgleich – und Cabrera sah in der fünften Minute der Nachspielzeit noch die gelb-rote Karte für ein wiederholtes Foulspiel.

„Das war absolut zum Vergessen. Aber ich habe zumindest ein Spiel mitgemacht. Ich wollte alles richtig machen“, sagt der 25-Jährige – und es gelang ihm doch nicht viel in dem Spiel. Danach entschieden sich Franco Cabrera und Morales dazu, in ihre Heimat zurückzukehren. Am Freitag, 13. März, stand der Flug an – da ging es aber schon nicht mehr von Deutschland aus nach Spanien.

Rückflug über Amsterdam

 

Das Paar machte sich nach Amsterdam auf und flog nach Malaga. Von dort ging es nach Granada ins Elternhaus von Morales. Die ersten fünf Tage begaben sich die beiden in die Isolation und mieden jeden Kontakt zu den Eltern der Freundin. Bei beiden traten keine Corona-Symptome auf. Nun verbringen sie die Zeit zusammen – oder sie schlagen sie tot.

Immerhin haben die Morales ein Haus und nicht nur ein Apartment – allerdings ohne Garten. Denn in der 230 000 Einwohner zählenden Studentenstadt und Touristenhochburg mit der weltberühmten Alhambra spielt sich normalerweise ein Großteil des Lebens der Andalusier auf den Straßen, in den Parks, Kneipen und Tapas-Bars ab. „Normalerweise sind die Leute in den Straßen unterwegs. Nun ist alles leer. Das ist ein Schock, man hat irgendwie schon Angst. Aber wir befolgen, was der Präsident sagt“, erklärt Cabrera angesichts des Notstandes in Spanien.

Fitness-Übungen daheim

Um 18 Uhr verabreden sich alle zum gemeinsamen Sport. „Wir machen Liegestütze. Ich kann ein bisschen pumpen. Cristina schaut auf Youtube Fitness-Videos mit Zumba-Anleitungen“, berichtet der junge Sportler. Speziell die Bewegung mit Ball vermisst der so laufstarke Fußballer.

Dass die Saison für den SV Herbern im fernen Deutschland fortgesetzt wird, daran glaubt Cabrera nicht. Ohnehin ist das für ihn ganz weit weg. „Ich weiß noch nicht einmal, ob ich einreisen dürfte“, sagt der Lagerist. Engen Kontakt hält er dennoch – zu Mitspieler Marcel Scholtysik („mein bester Freund“) und Trainer Holger Möllers, der vor einigen Jahren in der spanischen Finanzkrise dafür sorgte, dass Oscar Franco Cabrera eine berufliche und sportliche Zukunft in Deutschland fand. „Er ist für mich wie ein Vater“, sagt Cabrera über den SVH-Coach. Ebenfalls in regelmäßigem Austausch steht er mit seiner langjährigen Ascheberger Gastmutter Hildegard Dortmann. So hat der junge Andalusier immer noch ein Stückchen Westfalen in sich . . .

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