Fußball: Interview
Hansi Küpper und die volle Dröhnung Geisterspiele

Herbern -

Auch Fernsehjournalisten haben mit dem Virus zu kämpfen. Stichwort Geisterspiele. Der Herberner Hansi Küpper (Sky) weiß bereits, was in den kommenden Wochen auf ihn zukommt – und hat noch eine Menge mehr zu berichten.

Freitag, 15.05.2020, 18:19 Uhr aktualisiert: 20.05.2020, 13:42 Uhr
Allein im Stadion: Hansi Küpper, TV-Kommentator aus Herbern, kennt das bereits.
Allein im Stadion: Hansi Küpper, TV-Kommentator aus Herbern, kennt das bereits. Foto: Sky

Am heutigen Samstag also legt die Fußball-Bundesliga wieder los – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. TV-Kommentator Hansi Küpper , der in Kürze in die alte Heimat Herbern zurückkehrt, hat damit schon Erfahrung.

 

Wie sieht derzeit Ihr Alltag aus?

Küpper: Völlig entschleunigt. Ich bin mit meiner Frau viel zu Hause, wir gehen spazieren, sehen fern, und ich spiele Schach. Wir haben auch ein reaktiviertes Trimmrad auf der Terrasse stehen, das wir ausgiebig nutzen können.

Da bleibt Zeit, um weitere Ideen zu verfolgen . . .

Küpper: Ja, ich arbeite gerade an einer Fußball-Quiz-Idee, die auch für Sportsender wie Sky etwas sein könnte. Mit den Mitgliedern des SV Herbern habe ich das Quiz als Vereinsvariante im Sommer vergangenen Jahres auf Mallorca gespielt.

Wie waren Sie persönlich vom Lockdown betroffen?

Küpper: Ich war Anfang März der letzte Kommentator eines Fußballspiels in Liga zwei – bei VfB Stuttgart gegen Arminia Bielefeld vor 54 000 Zuschauern. Es war dort schon eine etwas andere Atmosphäre, bei allen war eine gewisse Ernsthaftigkeit zu spüren. Es gab nicht mehr die üblichen Begrüßungen und Umarmungen unter den Mitarbeitern. Wir waren bereits deutlich distanziert voneinander.

Ihr letzter Einsatz?

Küpper: Nein. Am darauffolgenden Mittwoch war ich als Sky-Kommentator unterwegs. Der Tag war genauso skurril. Erst habe ich das erste Geisterspiel in der Bundesliga zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln zusammengefasst. Danach war ich ab 21 Uhr beim Geisterspiel zwischen Paris St. Germain und Borussia Dortmund im Einsatz. Ich war Backup für den Fall, dass aus technischen Gründen der O-Ton aus dem Stadion ausfällt.

Wie kann man sich Ihre Arbeit vorstellen?

Küpper: Ich hatte die volle Dröhnung Geisterspiele. Wenn man sonst die Stimmung in deutschen Stadien kennt, war dies schon ein komisches Gefühl. Ich musste einen ganz anderen Rhythmus für meinen Kommentar finden, da die Emotionen fehlten. Wenn ich sonst bei einem Spiel wichtige Situationen heraussuche und mit meinem Cutter bespreche, werde ich durch die Reaktionen der Fans im Stadion auf eventuell andere wichtige Szenen aufmerksam. Das fiel ja alles weg. Andererseits: Man lernt das Spiel ganz anders kennen, hört die Kommandos der Trainer, und wie die Profis auf dem Platz kommunizieren. Das war übrigens genau am 30. Jahrestag meiner ersten Übertragung für den WDR: Rot-Weiß Essen gegen Hessen Kassel.

Wie haben Sie von der Absage des folgenden Spieltages in Liga eins erfahren?

Küpper: Das ist die nächste skurrile Geschichte. Ich war als Vor-Ort-Kommentator mit meiner Frau nach Leipzig gefahren, wo RB spielt und unser ältester Sohn Alexander lebt. Dort habe ich dann von der Absage des Spiels gegen Freiburg erfahren. Kommentiert hab’ ich also nicht mehr, aber wir haben die Kinder und Enkelkinder gesehen!

Wie geht es jetzt weiter?

Küpper: Natürlich hoffe ich, dass sich für uns alle die Lage irgendwann normalisiert. Und ich freue mich, dass der Ball wieder rollt. Vor allem aber habe ich die Hoffnung, dass es in der Gesellschaft nach all dem Ganzen solidarischer weitergeht.

Wie meinen Sie das?

Küpper: Ich sehe den Dauerapplaus etwa für Krankenschwestern sehr kritisch. Seit Jahren leistet diese Branche Herausragendes für die Gesellschaft, seit Jahren wird das nicht gewürdigt und schlecht bezahlt. Ich bin der Meinung, dass diese Menschen Anerkennung schon immer verdient haben – auch finanziell. Dass diese systemrelevanten Berufe nach der Krise mehr Anerkennung über den symbolischen Beifall hinaus bekommen, auch durch mehr Lohn, das wünsche ich mir.

Sind Ihre Umzugspläne von Corona betroffen?

Küpper: Das verkompliziert sich, keine Frage. Der Umzug nach Herbern zum 1. Juni ist aber weiter im Visier. Da wir uns schon vor einigen Jahren bei einem Umzug innerhalb Pfaffenhofens verkleinert haben, hoffen wir, dass wir zeitnah einen Sprinter vollmachen können mit unseren Sachen.

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