Fußball: Landesliga
Mal über den Tellerrand schauen – Möllers-Abschied beim SV Herbern

Herbern -

In wenigen Tagen endet offiziell die Amtszeit von Holger Möllers als Trainer des SV Herbern. Sein größter Erfolg als leitender Bankangestellter in den vier Jahren an der Werner Straße? Der Kreispokalsieg 2019 ist es jedenfalls nicht.

Freitag, 19.06.2020, 17:10 Uhr
Ist nur noch wenige Tage Cheftrainer des Fußball-Landesligisten SV Herbern: Holger Möllers.
Ist nur noch wenige Tage Cheftrainer des Fußball-Landesligisten SV Herbern: Holger Möllers. Foto: flo

Man macht sich ja schon Sorgen um Holger Möllers . Nicht, dass der Mann, der gefühlt 24/7 Trainer des Landesligisten SV Herbern war, in der Krise unter Entzugserscheinungen leidet. „Nö“, erwidert der Coach, er habe schließlich einen Job und Familie. Im Übrigen gebe es aktuell Wichtigeres als Fußball. Dass Klubs allen Ernstes erwägen, juristisch gegen den Saisonabbruch vorzugehen, findet Möllers „total unangebracht“ in einer Zeit, in der Existenzen kaputtgehen. In der Menschen sterben.

Klar hätte auch er gern die Spielzeit sportlich zu Ende gebracht. Zumal seine Teams – das war schon in Ascheberg so – in der Rückrunde stets eine Schippe drauflegen. Wieso eigentlich? „Weil Herbern im Sommer überwiegend Leute aus der Kreis- oder Bezirksliga holt, die das erste halbe Jahr brauchen, um sich an das höhere Niveau zu gewöhnen.“ Gut möglich, dass sich Möllers regulär nach vier Jahren mit dem Aufstieg in die Westfalenliga verabschiedet hätte.

Am 30. Juni ist offiziell Schluss für den Coach. Dass er so viel Zeit in den Fußball investiert, ist ja nur das eine (wobei Möllers der Erste ist, der auf das tolle Umfeld in Herbern verweist – darauf, dass viele engagierte Menschen im Hintergrund wirken). Auf Dauer gesundheitsgefährdend erscheint da eher, mit wie viel Leidenschaft der Trainer zu Werke geht. Die Intensität, die er von jedem Spieler einfordert: Möllers lebt sie mit jeder Faser an der Linie vor.

Komplizierter Start

Sein größter Erfolg? Der Kreispokalsieg 2019, als die Blau-Gelben im Endspiel Oberligist Gievenbeck mit 2:0 niederrangen? Ja und nein. Natürlich mache sich so ein Titel schön auf dem Briefkopf. „Aber dass die Jungs in jeder Einheit mitziehen, dass sie genau wie wir Trainer den maximalen Erfolg wollen: Das ist im Grunde viel beachtlicher als der Sieg im Pokalfinale.“

Der Anfang? Schwierig. Dass Dennis Närdemann oder Dennis Kaminski – Legenden an der Werner Straße – ihren Platz für neues, überwiegend junges Personal räumen sollten, „hat nicht jeder im ersten Moment verstanden“. Doch der Erfolg gab ihm recht, die Ränge drei, sechs (laut Möllers angesichts des enormen Aderlasses vor der Saison 2018/19 vielleicht am höchsten zu bewerten) und vier: eine beeindruckende Bilanz.

Und jetzt? „Mal über den Tellerrand schauen“ will der scheidende Coach. Bei höherklassigen Teams hospitieren, vielleicht die DFB-Elite-Lizenz angehen. Seine Schützlinge hätten ja bereits Wetten abgeschlossen, dass er spätestens in sechs Monaten seinen alten Job auf der Bank einfordere. „Wird nicht passieren“, lacht Möllers. Ebenso werde er sich hüten, Nachfolger Benjamin Siegert ungefragt Ratschläge zu erteilen. Der Ex-Profi (über 300 Zweit- und Drittligaspiele) verstehe ja selbst ein bisschen was von Fußball, witzelt der Noch-Trainer. Siegert ein bestelltes Feld zu hinterlassen: Das müsse reichen.

S 04-Fan – ausgerechnet

Bleibt die Frage, wieso dieser Mann, den jede Niederlage, jedes unnötige Remis fuchst, ausgerechnet Anhänger des historisch erfolglosen FC Schalke ist. Der Einwand sei berechtigt, schmunzelt Möllers. Letztens wollte sein ältester Sohn von ihm wissen: „Papa, warum sind wir eigentlich S04-Fans?“ Wenn man zwischen Münsterland und Revier aufwachse, blieben halt nicht viele Möglichkeiten. Wobei die heiße Liebe zu Königsblau und der Profibranche insgesamt abgekühlt sei: „Spieler, die trotz Corona einen Friseur einfliegen lassen – das ist meilenweit weg vom Amateurfußball.“ Die Arena-Dauerkarte hat Möllers zurückgegeben.

Person

Holger Möllers ist 49 Jahre, selbstständiger Unternehmer, verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Aufgewachsen in Drensteinfurt, sei er später der Liebe wegen nach Ascheberg gezogen. Als Jugendlicher hat der Angreifer für den SV Drensteinfurt und Viktoria Heiden gekickt, als Senior beim SVD sowie beim SV Herbern. Mit den Blau-Gelben stieg er in den 90ern von der Kreis- in die Landesliga auf. Zwei Jahre war Möllers als Co-Trainer von Ralf Dreier beim SVH tätig. Es folgten Engagements beim TuS Ascheberg (fünf Jahre) und in Herbern (seit 2016). (flo)

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