Fußball: Altkreis-Serie
Fortuna Seppenrade fährt Achterbahn

Lüdinghausen -

Die Anhänger des SV Fortuna Seppenrade brauchen Anfang der 70er-Jahre starke Nerven. Rauf, runter und wieder rauf geht es für die Schwarz-Gelben. Der Andrang ist zunächst gewaltig. Davaria Davensberg bleibt der Altkreis-Titel verwehrt.

Donnerstag, 25.06.2020, 17:59 Uhr
Kreismeister 1973: Trainer Jule Ludorf, Franz-Josef Löbbert, Hubert Tintrup, Karl-Heinz Schröer, Lutz Hellermann, Albert Tintrup, Hermann Gödde, Felix Hülsbusch, Heinz Niehues, Otto Spräner, Ewald Brinkbäumer, Michael Kronenberg, Berthold Dinninghoff, Dieter Weckermann, Heribert Rottmann, Heinz Schotte, August Rottmann und Wolfgang Blechinger.
Kreismeister 1973: Trainer Jule Ludorf, Franz-Josef Löbbert, Hubert Tintrup, Karl-Heinz Schröer, Lutz Hellermann, Albert Tintrup, Hermann Gödde, Felix Hülsbusch, Heinz Niehues, Otto Spräner, Ewald Brinkbäumer, Michael Kronenberg, Berthold Dinninghoff, Dieter Weckermann, Heribert Rottmann, Heinz Schotte, August Rottmann und Wolfgang Blechinger. Foto: Fortuna

Dabei sein, Anteil nehmen: Wer Fortuna Seppenrade in der ersten Hälfte der 70er-Jahre begleitet, muss Achterbahn fahren. 1970 kraxelt die Prominenz des Kreises den Berg hinauf. Fünf Jahre nach dem ersten Griff zur Meisterkrone haben die Schwarz-Gelben ihn auch sportlich erklommen: Champion und Bezirksliga-Aufsteiger. Zahlreiche Jungspunde aus dem Jahr 1965 mit der knappen Niederlage gegen Herbern sind gereift und bilden das Gerüst des Erfolgsteams. „Hier herrscht echter Amateurgeist, gepflegt und verbunden mit einer Vereinskameradschaft, die man heute suchen muss“, würdigt Kreisvorsitzender Anton Beckensträter die Saison der Fortunen, die den Titel ohne Platzverweis holen.

Seppenrade freut sich auf Derbys im Tal gegen den SC Union. Nach mehr als drei Jahrzehnten auf bekannten Kreiswegen leitet der Verband die Rosendörfer aber um: Es geht in die Bezirksliga Emsland. Kapitän Franz Josef Löbbert beschreibt das damals so: „Wir wussten, wo wir auf der Landkarte nachsehen mussten. Mehr wussten wir nicht.“ Trotzdem: Die Euphorie ist groß, über 1000 Zuschauer sehen den Gewinn des ersten Punktes beim 2:2 gegen die TSG Dülmen. Meistertrainer Otto Spräner macht nach einem 2:7 gegen Heek Platz für Alu Nowak. Mit dem neuen Besen fegt Schlusslicht Fortuna Spitzenreiter Eintracht Rheine weg. Doch die Fahrt führt die Schwarz-Gelben nach unten. Anfangs von zwei Bussen begleitet, sind sie am Ende nurmehr mit einer Mercedes-Escorte unterwegs und stehen im Sommer 1971 kräftig durchgeschüttelt wieder in der Kreisliga.

Viele Groschen Lehrgeld

Das Lehrgeld legen die Fortunen gut an, sie fahren in der Kreisliga vorneweg, feiern am zweiten Weihnachtstag die Herbstmeisterschaft und Christi Himmelfahrt hängt nach dem 6:1 gegen Westfalia Wethmar der Himmel voller Meistergeigen. Diesmal spielt der Verband mit. Fortuna wird der Bezirksklasse Hellweg zugeteilt, beendet die Saison wegen des besseren Torverhältnisses vor Union Lüdinghausen und legt nach: 1974 entwickelt sich ein rasantes Rennen um den Titel in der Bezirksliga. Ein Quartett aus dem Kreis mischt maßgeblich mit. Im Frühjahr sind überall Spione unterwegs, die Ergebnisse von anderen Plätzen melden – manchmal hat sich der Spielstand bei ihrer Rückkehr aus der Telefonzelle geändert und sie müssen mit zwei weiteren Groschen den nächsten Anruf tätigen. Am Ende aber macht der SC Oelde 09 das Rennen. Fortuna wird vor GW Selm, SV Herbern und BV Selm Vizemeister. Es gibt nur einen enttäuschten Verein: Lüdinghausen steigt in die Kreisliga ab.

Allzu gern hätte auch Davaria Davensberg in der Bezirksliga mitgemischt. 1974 schnuppern die Blau-Weißen als Sieger einer von zwei Kreisliga-Gruppen Höhenluft. Den Titel verwehrt ihnen aber der SC Stockum.

Zahlen, Fakten

Meister: Fortuna Seppenrade (1970, 1972), BW Alstedde (1971), GW Selm (1973), SC Stockum (1974).Kuriosum: Beim SSV Werne fordert ein Ex-Obmann Geld zurück. Er lässt gar die Einnahmen eines Spiels gegen BV Brambauer und der Karnevalsfeier pfänden.Frauen: Erst 1970 erlaubt der DFB Frauenspiele. Am 9. April 1972 nimmt eine Liga mit BW Ottmarsbocholt, GW Selm, SF Werne, VfL Werne und zwei Teams aus Oberaden den Betrieb auf. Karin Meinke, Tochter von Lehrwart Alfons Meinke, ist erste Kreis-Schiedsrichterin.Zoff: Ärger gibt es zwischen Davensberg und Ascheberg. TuS-Chef Horst Gunther Nitsche wirft Davaria-Trainer Heinrich Konietzka vor, Spieler abzuwerben.WM-Fieber: Der Fußballkreis ist 1974 von der WM direkt betroffen. Das Nationalteam von Zaire logiert im Ascheberger Jagdschlösschen und trainiert auf der Anlage von Fortuna Seppenrade.

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