Fußball: Altkreis-Serie
Union Lüdinghausen 28 Jahre überkreislich

Lüdinghausen -

Von der Bezirks- in die Landes- und zurück in die Kreisliga: Fans wie Spieler des SV Herbern erlebten in den 1980er-Jahren ein Wechselbad der Gefühle. Union Lüdinghausen verabschiedete sich dagegen für sehr lange Zeit aus dem Fußballkreis.

Donnerstag, 13.08.2020, 22:17 Uhr
Meister 1986: Günter Gogräfe (h.v.l.), Helmut Fichtel, Christian Wagner, Wolfgang Rempt, Eckart Austen, Karl-Heinz Griese, Jochen Stiefel, Christoph Austen, Georg Tenvorde, Ewald Lückener, Helmut Schmies, Hans Domhöver; Elmar Deinken (v.v.l.), Franz-Josef Ickerott, Wolfgang Gräser, Georg Schäper, Peter Lohoff und Frank Bitter.
Meister 1986: Günter Gogräfe (h.v.l.), Helmut Fichtel, Christian Wagner, Wolfgang Rempt, Eckart Austen, Karl-Heinz Griese, Jochen Stiefel, Christoph Austen, Georg Tenvorde, Ewald Lückener, Helmut Schmies, Hans Domhöver; Elmar Deinken (v.v.l.), Franz-Josef Ickerott, Wolfgang Gräser, Georg Schäper, Peter Lohoff und Frank Bitter. Foto: WN-Archiv

Pendeln zwischen Bezirks- und Landesliga: Der SV Herbern richtet sich Mitte der 1980er Jahre auf einen ruhigen Neuaufbau ein. Lutz Gärtner soll das Feld ohne den doppelten Hansi bestellen. Während Torhüter Hansi Baartz seine Finger, die er als Zahnarzt gebrauchen wird, schützen will, verabschiedet sich Hansi Küpper zum SV Welver. Klagen sind von Gärtner nicht zu hören. Der 39-jährige ehemalige Oberligaspieler ist kein Mann der lauten Töne. Eher einer, der mit eiserner Disziplin und dem Talent vorangeht, seine Teams von Trainingsinhalten und Aufstellungen überzeugen zu können. Was sollen die jungen Leute auch sagen, wenn der Coach beim Training vorneweg läuft?

Die Herberner spielen sich an die Spitze, Rückschläge inbegriffen. Auf dem Feld haben die Blau-Gelben alles im Griff. Neben der Außenlinie droht Ungemach: Oeldes Spieler Granitza wird beim Wiederholen des Balles angeblich geschubst, macht den Boninsegna und lässt sich „schwer getroffen“ auswechseln. Neutrale Zeugen lassen die Sportrichter zweifeln und urteilen, dass er den Platz nicht hätte verlassen dürfen. Am Ende hätte der SV Herbern auf die beiden Punkte auch verzichten können.

Der Freudentaumel in Blau und Gelb hält aber nicht lange. Die Herberner stürzen für ihre Verhältnisse förmlich ab. 1988 finden sie sich nach 23 Jahren dort wieder, wo 1965 die erfolgreiche Epoche gestartet ist: in der Kreisliga . Den prompten Abschied ein Jahr später verdanken sie einem blonden Werner: Marcus von Bohlen schießt die Mannschaft von Trainer Bernd Haverkamp fast im Alleingang in die Bezirksliga. Er verabschiedet sich zum Zweitligisten VfL Osnabrück.

Ein Glücksgriff bei der Trainersuche gelingt Union Lüdinghausen . Helmut Fichtel, Bruder der Bundesliga-Legende Klaus „Tanne“ Fichtel, übernimmt die Regie, bringt Ruhe in die Mannschaft, stabilisiert die Defensive und gewinnt so die Meisterschaft. 1986 verabschiedet sich Union Lüdinghausen aus dem Kreisoberhaus. Erst im Jahr 2014 kehren die Steverstädter dorthin zurück – passend zur letzten Saison vor dem Auflösen des Fußballkreises Lüdinghausen. Dazwischen etablieren sich die Nullachter in der Bezirksliga und bejubeln einige Ausflüge in die Landesliga.

Beginn einer Kultveranstaltung

Abseits des grünen Rasens haben TuS Ascheberg, Davaria Davensberg und SV Herbern eine Idee: Sie wollen ein Hallenturnier etablieren und nennen es den Davertpokal. An der Nordkirchener Straße sind mit ihnen die Davert-Anrainer VfL Senden, BW Ottmarsbocholt, GW Amelsbüren, SV Rinkerode und BV Drensteinfurt aktiv. Als die Kicker des TuS 1987 den Premierensieg bejubeln, freut sich das Trio über ein gelungenes Turnier und verspricht eine Neuauflage. Was sie nicht wissen: Ein Winterkult hat das Licht der regionalen Fußballwelt erblickt.

Daten, Fakten, Kurioses

Meister: Bezirksliga; SV Herbern und SSV Werne (beide 1985); Kreis: BV Selm (1985), Union Lüdinghausen (1986), Westfalia Wethmar (1987), SV Südkirchen (1988), SV Herbern (1989).Anekdote: Weil Kreisjugendwart Heinz Dreier auf Drängen von Erhard Ostermann (TuS Ascheberg) die Wechsel von zwei C-Junioren vordatiert, muss er seinen Hut nehmen. Nach 29 Jahren an der Spitze der Fußballjugend beweist der Alstedder Größe, gibt den Fehler zu und verhindert eine Schlammschlacht.Gespalten: Der kleine Fußballkreis Lüdinghausen bangt fortwährend um seine Existenz. Als Vorwärts Hiddingsel den Wunsch äußert, in den Kreis Coesfeld wechseln zu dürfen, geht ein Riss durch die Kreisversammlung. Verständnis für Vorwärts und Sorge über eine einmal geöffnete Tür stehen einander gegenüber. Das spiegeln mit dem 31:28 für den Vorwärts-Wunsch auch die Zahlen wider.Technik: Lange basteln Staffelleiter ihre Spielpläne nach Listen mit Schlüsselzahlen handschriftlich. Mitte der 1980er Jahre übernimmt ein Computer die Fleißaufgabe. Der Seppenrader Heinz Holtrup ist darüber besonders glücklich, betreute er doch zwei Zwanziger-Staffeln.

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