Fußball: Altkreis-Serie
Polonaise auf ungeliebter Asche – Fortuna Seppenrade und VfL Senden jubeln

Lüdinghausen -

Der VfL Senden steigt 2002 in die Bezirksliga auf, Fortuna Seppenrade ein Jahr später. Der TuS Ascheberg verweilt länger in der B-Liga, als ihm lieb ist. Bei Union Lüdinghausen zieht ein junger Mann im Mittelfeld die Fäden, der bis heute aktiv ist.

Mittwoch, 23.09.2020, 17:13 Uhr
Aufsteiger 2002 (h.v.l.): VfL-Geschäftsführer Helmut Kock, Gerd Haack, Lars Schütz, Daniel Schütz, Betreuer Markus Kemming,
Aufsteiger 2002 (h.v.l.): VfL-Geschäftsführer Helmut Kock, Gerd Haack, Lars Schütz, Daniel Schütz, Betreuer Markus Kemming, Foto: WN-Archiv

Der Fußball und seine Gesetze: Der Ball ist rund, ein Spiel dauert 90 Minuten oder „Angriff gewinnt Spiele, Abwehr die Meisterschaft“. Union Lüdinghausen kassiert in der Saison 2000/2001 so viele Gegentore wie der Tabellenelfte. Und feiert doch die Meisterschaft. Weil der Torhunger dreistellig endet. Mit genau 100:50-Toren feiern die 08er den Titel. Mit einem Trainer, der typischerweise wenig Treffer kassieren möchte: Ex-Torhüter Bernd Melchers hält die Zügel in der Hand und lässt besonders der Offensive eine ganz lange Leine. Michael Jung und Sascha Kirchhoff zahlen mit Toren zurück, oft eingefädelt von einem Mittelfeldmann der Extraklasse: Ralf Bülskämper führt im Mittelfeld Regie. Die Meisterschaft selbst, der final nötige Vorsprung vor dem härtesten Rivalen kommt überraschend: Als die ersten Unionisten nach einem Heimsieg auf dem Weg unter die Dusche sind, kommt die Nachricht, dass SuS Kaiserau verloren hat. Dem spontanen Jubel auf dem Westfalenring folgt ein Autokorso durch die Stadt. Der in dieser Saison schwerreiche SuS Lünern ist übrigens nur Zuschauer im Titelrennen.

Kuriose Ergebnisse

Im Ligenbetrieb geht es um Auf- und Abstieg. Eine besondere Variante des Rauf-und-runter macht sich sehr zum Bedauern der Meister im Fußballkreis Lüdinghausen breit. Dass dem sensationellen Titelgewinn des SC Capelle mit Trainer Werner Langenkämper an der Linie die prompte A-Liga-Rückkehr folgte, hängt an einem Punkt. Noch härter trifft es den VfL Senden . Er wagt zu Beginn des Jahrtausends mit den jungen Spielertrainern Andreas Schlüter und Lars Müller ein Experiment. Nach 33 Jahren, davon einige sogar in der Kreisliga B, führen sie den VfL wieder in die Bezirksliga. Eine Halbserie machen die Sendener so weiter wie in der Kreisliga. Im Winter legen sie die Naivität ab, verteidigen besser, gewinnen Selbstvertrauen und werden zum Rückrunden-Vize. Und doch müssen die Sendener in den sauren Abstiegsapfel beißen – weil kuriose Resultate im Westmünsterland anderen bedrohten Teams helfen. Die sechs Teams vor dem VfL haben einen oder zwei Punkte mehr. Oder sind wie TuS Borken punktgleich. Statt des üblichen Entscheidungsspiels zählt in ausgerechnet dieser Saison erstmals die Tordifferenz. Fünf Tore fehlen zum Klassenerhalt.

Meisterstück in der Fremde

Fortuna Seppenrade punktet besonders in der Fremde erfolgreich und macht darum das Meisterstück beim ärgsten Rivalen perfekt: Raphael Cordell (2) und Michael Waltering treffen beim 3:1 in Alstedde. Am Heikenberg, dem unbeliebtesten Aschenplatz des Kreises, staubt es bei der Freuden-Polonaise der Rosendörfler.

Die Abstiege aus der Bezirksliga ärgern besonders Ascheberg. Deswegen blickt der TuS mehrmals als B-Liga-Vize in die Röhre. Es reichen nicht einmal saisonübergreifende 30 Spiele ohne Niederlage zum Titel. 2002 haben die TuSler die Lektion gelernt und steigen souverän mit 119:13 Toren sowie 82 Punkten auf.

Union schafft es übrigens, nach dem dritten Landesliga-Aufstieg erstmals die Klasse zu halten. Trotzdem muss der lizenzlose Coach Bernd Melchers seinen Stuhl räumen. Als er am fünftletzten Spieltag nach dem zweiten Trainerwechsel der Saison zurückkehrt, ist es zu spät. Union verlässt die Landesliga vorerst wieder.

Daten und Kurioses

Meister: Bezirksliga: SV Herbern (2001); Kreis: SV Südkirchen (2000), SC Capelle (2001), VfL Senden (2002), Fortuna Seppenrade (2003), BW Alstedde (2004).Wechsel: Helmut Spatzier gibt 2001 sein Amt als Jugendobmann des Kreises nach 16 Jahren an Marlis Zahlmann ab.Super-Torjäger: Michael Jung, Angreifer aus Nordkirchen, sichert sich in zehn Spielzeiten für Union vier Mal die Torjägerkrone. 207 Treffer stehen nach einer Dekade in der beeindruckenden Bilanz.Kurios: Theo Naber reist mit dem TuS Ascheberg als frischer Obmann zur Meisterfeier ins Dorf Münsterland, lernt eine Frau aus Ahaus kennen und steht bald nicht mehr als Obmann zur Verfügung. Die Anreise aus Ahaus ist zu lang.

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