Handball: Kreise uneins
Restart im Februar? März? Gar nicht?

Senden -

Wann und in welchem Modus die Saison 2020/21 fortgesetzt werden soll, dazu gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen. Der Kreis Hellweg ist bereits vorgeprescht, im Kreis Münsterland halten sie das für wenig zielführend. Alexander Seitz (ASV Senden 2) stellt die Sinnfrage.

Donnerstag, 26.11.2020, 17:04 Uhr
Hält nichts davon, den Wiederbeginn übers Knie zu brechen: ASV 2-Coach Alexander Seitz.
Hält nichts davon, den Wiederbeginn übers Knie zu brechen: ASV 2-Coach Alexander Seitz. Foto: flo

Daniel Hooge empfiehlt allen Beteiligten, jetzt mal die Füße stillzuhalten. Was Sportlern naturgemäß schwerfällt. Zumal, wenn sie – unterbrochen nur von einem kurzen Intermezzo zu Saisonbeginn – bereits seit März die Füße stillhalten. Aber Hooge, Vorsitzender des Handballkreises Münsterland, meint das ja auch nicht im wörtlichen, sondern im übertragenen Sinne. Dass beispielsweise der Nachbarkreis Hellweg vorgeprescht ist und eine Aufspaltung der Bezirksliga in zwei Staffeln beschlossen hat, findet der hiesige Funktionär merkwürdig: „Es sei denn, die Hellweger Kollegen können in die Glaskugel schauen.“

Was Hooge erstens meint: Solange niemand seriöserweise einzuschätzen vermag, wann der zunächst bis zum Jahresende ausgesetzte Trainings- und Spielbetrieb wieder aufgenommen wird, mache es relativ wenig Sinn, so weitreichende Beschlüsse wie eine Neueinteilung der Ligen zu fassen. Oder, wie der Kreis Hellweg, einen Restart bereits im Januar anzupeilen. Und zweitens? „Aus meiner Sicht wäre es besser, ein solches Vorgehen mit dem Verband Westfalen abzustimmen. Damit ein Rädchen ins andere greift.“ Insbesondere an der Schnittstelle zwischen der Bezirks- (Kreis) und der Landesliga (Verband) sei es schlechterdings unmöglich, dass jeder sein eigenes Süppchen koche.

Abzuwarten, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt (und welche politischen Vorgaben sich daraus ergeben), bedeute ja nicht, „dass wir die Hände in den Schoß legen“, so Hooge. Zum einen gebe es einen regen Austausch mit dem HVW, zum anderen „haben wir selbstverständlich verschiedenste Szenarien ausgearbeitet – etwa für den Fall, dass es am 1. Februar, am 1. März oder sogar noch später weitergeht“. Auch an der Stelle sei Gelassenheit ratsam: „Üblicherweise sind wir in den unteren Klassen Mitte März mit dem Spielbetrieb durch, offizielles Saisonende ist aber erst am 30. Juni. Insofern hätten wir da schon noch einen Puffer.“

Auf Westfalenebene stehen drei Optionen im Raum, falls für eine komplette Hin- und Rückrunde die Zeit fehlt: nur die Hinrunde zu werten, danach die Klassen in eine Meister- und eine Abstiegsrunde aufzuteilen oder, drittens, die Absteiger im Anschluss an die erste Teilserie über Ausscheidungsduelle im Best-of-three-Modus zu ermitteln.

Alexander Seitz , Coach des Bezirksligisten ASV Senden 2, bringt eine vierte Variante ins Spiel: die Saison ganz abblasen und 2021/22 bei Null beginnen: „Jetzt etwas übers Knie zu brechen, macht aus meiner Sicht wenig Sinn. Zumal es Monate dauern wird, ehe alle Leute geimpft sind.“ Und: „Wenn unsere Jungs zweieinhalb Monate gar nichts getan haben, ist die Verletzungsgefahr deutlich höher als bei den Profis.“ Wenn es das Infektionsgeschehen erlaube, könne man ja für den Anfang Pflichtfreundschaftsspiele vereinbaren, in denen es nicht ganz so zur Sache gehe wie im Meisterschaftsbetrieb.

HSG-Chef sorgt sich um den Nachwuchs

Auch bei der HSG Ascheberg/Drensteinfurt macht man sich Gedanken darüber, wie zu verfahren sei, sollten die Handballer irgendwann wieder in die Halle dürfen. Abteilungsleiter Carsten Gburek wäre es „aus Gründen der Fairness am liebsten, die komplette Serie mit Hin- und Rückrunde auszutragen“. Solange Zuschauer gar nicht oder nur in begrenzter Zahl zugelassen seien, „mag der Heimvorteil auf den ersten Blick nicht so entscheidend sein. Aber da ist ja noch das Thema Harz.“ In vielen Hallen darf – wie in der Profilschule – nicht geleimt werden, in anderen schon. Das, so Gburek, sei ein gravierender Nachteil für Teams, die den Umgang mit dem Klebstoff nicht gewohnt sind (und umgekehrt).Kaum vorstellen kann sich der HSG-Chef, „dass sich unsere Spieler querstellen, wenn sie bis in den Frühsommer hinein spielen müssten. Die lechzen doch danach, endlich wieder auf der Platte zu stehen.“ Gleichwohl „bleibt es jedem selbst überlassen, ob er mitmacht oder das Risiko scheut, sich mit dem Virus anzustecken – wobei die Hygienemaßnahmen, die wir im Spätsommer ausgearbeitet haben, aus meiner Sicht greifen.“Trotzdem hält Gburek eine Corona-Spielrunde für denkbar. Ohne Wertung, ohne den letzten Einsatz, dafür mit Blick auf die Gesundheit der Spieler: „Es reicht, dass sich mit Oliver Sevenich der Keeper der ersten Mannschaft kurz vor der Zwangspause eine schwere Knieverletzung zugezogen hat.“ Da müsse der Verband eben so flexibel sein, das geplante Modell mit einer Vielzahl an Absteigern (drohen auch auf Kreisebene) um ein Jahr zu verschieben.Die Zusammenarbeit mit dem Handballkreis Münsterland in der Krise bezeichnet Gburek als „gut. Selbst bei Spielen, die wir auf den letzten Drücker absagen, oder dem Rückzug ganzer Teams werden, anders als sonst, keine Strafzahlungen fällig.“ Auch in einem zweiten Punkt ist Gburek derselben Meinung wie Kreis-Chef Daniel Hooge: „Wir müssen den Nachwuchs bald wieder ans Laufen kriegen. Sonst gehen die Mädchen und Jungs dem Handball irgendwann für immer verloren.“

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