Fußball: Spitznamen
Wie der Armen in der Kirche – VfL Senden besonders kreativ

Senden/Ascheberg -

Ruf-, Spitz- und Kosenamen sind unter Freizeitkickern weit verbreitet. Was mitunter ganz praktische Gründe hat. Besonders kreativ in dieser Hinsicht: Spieler und Trainer – aktuelle wie ehemalige – des Landesligisten VfL Senden.

Samstag, 27.02.2021, 06:13 Uhr aktualisiert: 27.02.2021, 06:20 Uhr
Sagt nicht zu allem Ja und Armen: Ex-VfL-Trainer André „Bello“ Bertelsbeck (kl. Bild), der als Spieler früher „ziemlich bissig“ war und Sendens Flügelstürmer Tahiri (r.) nur „Klemens“ ruft.
Sagt nicht zu allem Ja und Armen: Ex-VfL-Trainer André „Bello“ Bertelsbeck (kl. Bild), der als Spieler früher „ziemlich bissig“ war und Sendens Flügelstürmer Tahiri (r.) nur „Klemens“ ruft. Foto: flo

Spitznamen sind im Amateurfußball geläufiger noch als im Rest der Gesellschaft. Aus gutem Grund. Schließlich sind Verwechslungen tunlichst zu vermeiden. Beim Landesligisten VfL Senden etwa standen mal zur gleichen Zeit drei Felixe (Berning, Stutenkemper, Kintrup) auf dem Feld. Weshalb Berning nur „Günni“ (trug das Haar früher so lang wie Günter Netzer ) und Stutenkemper „Stute“ gerufen wird. Im besten Fall sollte das Alias kurz und prägnant sein. Warnte man – nur als Beispiel – Jeremy-Pascal mit vollem Namen vor dessen Hintermann, wäre die Murmel wohl längst weg. „Stute“, „Heu“ (Hendrik Heubrock) und „Dabro“ ( Joshua Dabrowski ) bieten sich da an.

Es geht aber auch kreativer, gerade im Sportpark. Fabian Schulte Althoff etwa hört auf „Orlando“. Weil er so gern in Florida urlaubt? Weil er ein ähnlich geiler Typ ist wie Hollywood-Beau Orlando Bloom? „Nee“, lacht der Ex-Abwehrmann des VfL. Ein ehemaliger Trainer habe ihn so getauft, „weil er fand, dass ich so umsichtig verteidige wie der damalige Schalker Orlando Engelaar – für mich als Bayern-Fan natürlich ein Affront“.

„Bello“, „Curry“, „Pony“

Oder André Bertelsbeck, seit Ewigkeiten besser bekannt als „Bello“: „Bei meinem Heimatverein TSG Dülmen gab es mal einen Helmut Bertelsbeck, nicht verwandt mit mir, den haben sie ebenfalls so genannt“, erklärt der Mann, der die Sendener zweieinhalb Jahre coachte. Der Name habe auch deshalb gepasst, „weil ich als Spieler ziemlich bissig war“. Legendär die „Bild“-Schlagzeile, als Bertelsbeck 1997 vom 1. FC Bocholt nach Münster zurückkehrte: „,Bello‘ bellt wieder für Preußen“.

André Bertelsbeck

André Bertelsbeck

Schön auch, wieso Armen Tahiri an der Bulderner Straße nur „Klemens“ heißt. Sein ehemaliger Trainer erinnert sich: „Ich habe sooft ,Armen!‘, ,Armen!‘ geschrien, dass ich mir vorgekommen bin wie in der Kirche.“ Tahiris Vorschlag: „Dann sag’ halt ,Klemens‘.“ So kam der VfL-Angreifer, südländisch in puncto Temperament und Ballfertigkeit, an seinen sehr teutonischen Spitznamen.

Um ein rein Sendener Phänomen handelt es sich hierbei indes nicht. Dennis Heinrich zum Beispiel hat keine besondere Vorliebe für scharf Gewürztes, wird aber trotzdem seit Kindertagen „Curry“ gerufen – „wegen meiner rötlichen Haare. Nennt mich jemand Dennis, reagiere ich meist gar nicht mehr“, scherzt der immer torgefährliche Angreifer des TuS Ascheberg.

Bleibt noch zu klären, wieso alle Welt Uwe Mörchen, einst Spieler, heute Klub-Vize des SV Davaria Davensberg, „Pony“ nennt: „Verpasst hat mir den Namen unser Stadionsprecher Michael Eickholt. Früher war bei uns das Geld knapp, da konnte ich nicht ständig zum Friseur. Da wurde nur der Pony geschnitten.“ Vorn kurz, hinten lang: noch so ein klassisches Fußballer-Ding.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7840357?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F35330%2F
Nachrichten-Ticker